Ulf Poschardt: Die WELT als intellektuellenbefreite Zone

Die subventionierte Kunst im bequemen Elfenbeinturm. So sieht es Ulf Poschardt. Foto: Martin Hufner

Manchmal weiß man nicht mehr, was den einen oder anderen Chefredakteur einer Zeitung umtreibt. Hier hat sich Ulf Poschardt im Zusammenhang mit den Veränderungen in der CDU weit aus dem Fenster gelehnt und zu bestimmen versucht, welcher Art und wessen Geistes die Intellektuellen oder Künstler in diesem Land sind. Er sagt da wirklich: „Die Intellektuellen und Künstler sind entweder umfassend subventionierte Kostgänger des Staates und singen in bequemen Elfenbeintürmen das linksidealistische Lied – oder sie fantasieren sich als Kunst-Jakobiner in die Allmacht des Staates.“01)Ulf Poschardt: Die kulturelle Katastrophe des Scheiterns von Friedrich Merz. WELT-Online. Die WELT als intellektuellenbefreite Zone Mit anderen Worten: In der WELT sind sie nicht zu finden, denn die ist ja nicht eine Institution die der Staat, […]

Weiterlesen

Fichte zur Eigentumsfrage

Das Grab von Fichte und seiner Frau in Berlin. Foto: Hufner

„Der Mensch kann weder ererbt, noch verkauft, noch verschenkt werden; er kann niemandes Eigenthum seyn, weil er sein eigenes Eigenthum ist, und bleiben muss.“01)Fichte: Zurückforderung der Denkfreiheit. Quellen Philosophie: Deutscher Idealismus, S. 9159 (vgl. Fichte-W Bd. 6, S. 11) Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Fichte: Zurückforderung der Denkfreiheit. Quellen Philosophie: Deutscher Idealismus, S. 9159 (vgl. Fichte-W Bd. 6, S. 11)

Weiterlesen

Kalibrierung der Gesellschaft – Wiedervorlage

Hinter Gittern. Foto: Hufner

Man kann seinen Monitor mit einigen Mitteln kalibrieren. Dazu nimmt man wohl am besten ein System, welches einen Sensor hat, der die Farben prüft. Rot ist dann Rot, Grün Grün, Blau Blau und Grau Grau. Was das Kalibrieren nicht bringt, ist, ob das was auf dem Bildschirm an Bildern sich zeigt, ein gutes Bild ist. Es ist nur ein technisches Mittel, ein quantitatives Mittel, kein qualitatives. Das weiß jeder, der dieses Mittel nutzt, oder er sollte es wissen. Das Kalibrierungssystem macht keine Inhalte. Wenn man sich auf die Situation der Gesellschaft bezieht kann man die Politik, so wie sie heute betrieben wird auf diese Funktion reduziert sehen. Nur, dass es hier nicht um Monitore oder andere Ausgabegeräte geht sondern um […]

Weiterlesen

Hausmeister einer Kunsthochschule 2007 – Eine Begegnung

Hinter den Kartoffeln her. Foto: Hufner

Es war im Jahr 2007, ich war verabredet zum Gespräch mit Holger Schulze. Das ging erst schief, dann aber klappte es vorzüglich. Mir fällt da gerade beim Aufräumen der „Kritischen Masse“ ein Blogeintrag in die Hände, der deutlich macht: Die Personen, die heute rechtspopulistische Parteien wählen, die gab es damals auch. Natürlich gab es die, aber es gab keine Partei, die ihr Weltbild abbilden hätte können. Die gleichen Töne findet man heute genau so. Die Pointe ist aber auch die gleiche: Ein faktische Kenntnis in realen Dingen ist quasi nicht vorhanden. [Reaktiviert aus der Kritischen Masse vom 28.9.2007] Eine Verabredung zum Gespräch an einer typisch deutschen Kunsthochschule. Termin für 16:40, Raum 312. Unten an der Pforte dann freundliche Nachfrage und […]

Weiterlesen

Frühe Amerika-Kritik bei Tocqueville

Shitstrom - Die Alternative. Foto: Hufner

Alexis de Tocqueville hat mit seinen Schriften „Über die Demokratie in Amerika“ eine erste große Schrift der Neuzeit mit soziologischem und politikwissenschaftlichem Anspruch geschaffen. So wie Engels 1845 den englischen Slums nachspürte und die sie umgebenden gesellschaftlichen Ketten bezeichnete ohne zugleich „die“ Theorie daraus zu entwickeln, hat Alexis de Tocqueville die 1830/40 mit der amerikanischen Gesellschaft gemacht. Von Kennern der Materie wird dieser Text als geradezu prophetisch gelobt. Aber die Stärke liegt in der Beschreibungsgenauigkeit, die eigene Wertungen weitgehend ausspart. Amerika liegt bei Tocqueville wie unter einem Mikroskop mit größtmöglicher Tiefenschärfe. An einer Stelle kommt er zu einer für mich ebenso erstaunlichen wie naheliegenden These: „geistige Freiheit ist in Amerika unbekannt“ schreibt er im Kapitel über den „Einfluss der Mehrheit […]

Weiterlesen

1845 – Engels in England

Engels und Marx. Foto: hufner

“Bei Gelegenheit einer Totenschau, die Herr Carter, Coroner für Surrey, über die Leiche der 45jährigen Ann Galway am 14. November 1843 abhielt, erzählen die Journale folgendes von der Wohnung der Verstorbenen: Sie hatte in Nr. 3, White Lion Court, Bermondsey Street, London, mit ihrem Mann und ihrem 19jährigen Sohne in einem kleinen Zimmer gewohnt, worin sich weder Bettstelle oder Bettzeug noch sonstige Möbel befanden. Sie lag tot neben ihrem Sohn auf einem Haufen Federn, die über ihren fast nackten Körper gestreut waren, denn es war weder Decke noch Bettuch vorhanden. Die Federn klebten so fest an ihr über den ganzen Körper, daß der Arzt die Leiche nicht untersuchen konnte, bevor sie gereinigt war, und dann fand er sie ganz abgemagert […]

Weiterlesen

Max Weber: „Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß“

Ein Gitter. Foto: Hufner

Ein Ratschlag: „Man kann sagen, daß drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß. (…) Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich zu überwinden: die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz, sich selbst gegenüber. (…) Der bloße „Machtpolitiker“, wie ihn ein auch bei uns eifrig betriebener Kult zu verklären sucht, mag stark wirken, aber er wirkt in der Tat ins Leere und Sinnlose.“01)Max Weber: Politik als Beruf [1919], Berlin 1987, S. 51 ff. Ich weiß ja auch nicht. Aber irgendwas ist aktuell ziemlich anders. Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Max Weber: Politik als Beruf [1919], Berlin 1987, S. 51 […]

Weiterlesen

Toleranz

Brandenburger Tor. Foto: Hufner

die. Ich war vielleicht nicht immer gegen Toleranz, aber schon seit vielen Jahren. Denn Toleranz ist ein Zeichen für Respektlosigkeit. Man toleriert sich zu Tode. Dagegen war ich immer für Diskussion mit Argumenten. „Toleranz ist tot“ – der Begriff ist leer. Es kommt drauf an, was man zu sagen hat, nicht auf das, hinter welchen Werten man sich verschanzt, um dann tolerant in der eigenen Burg zu wüten. Einvernehmliche Soziophobie. Aus der Enzyklopädie der Kritischen Masse (2015)

Weiterlesen

Wittgenstein und Kierkegaard

Ein Schatten der Erkenntnis. Foto: Hufner

99 Jahre Erkenntnisdifferenz. Wittgenstein (1942): „Ein Mensch ist in einem Zimmer gefangen, wenn die Tür unversperrt ist, sich nach innen öffnet; er aber nicht auf die Idee kommt, sie zu ziehen, statt gegen sie zu drücken.“01)Ludwig Wittgenstein: Über Gewißheit, Werkausgabe Band 8, Frankfurt am Main 1992, S. 509. Kierkegaard (1843): „Ach, die Tür des Glücks geht nicht nach innen, so dass man auf dieselbe losstürmen und sie aufdrücken könnte. Sie geht nach außen; man kann also nichts dabei machen.“02)Sören Kierkegaard, Entweder – oder, München 1975, S. 32. Der eine will aus dem Zimmer heraus, der andere hinein; der eine ist gefangen darin, dem anderen steht es für Glück. Zuerst 2015/05/03 in der Kritischen Masse Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Ludwig Wittgenstein: Über […]

Weiterlesen
1 2 3 7