Horst Seehofers medienpolitischer Sondermüll

Vor ein paar Tagen soll der CSU-Horst gesagt haben: „Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte.“ Und zwar gegenüber der BILD-Zeitung. In dem nächsten Grundhatzsatzprogramm der CSU soll sich folgende Idee wiederfinden: „Wir streben langfristig die Beseitigung von Doppelstrukturen und die Zusammenlegung von ARD und ZDF unter einem Dach an.“ Und? Was passiert? Wie bei bestimmten anderen Parteien springen die Kommentare an, man distanziert sich hier, kritisiert dort. Und: Man nimmt das oder den ernst? Und warum? Weil er wichtig ist! Weil er Ministerpräsident in Bayern ist! Weil er die politische Treibjagd zur Bundestagswahl eingeleitet hat und man sich dazu verhalten muss – genau wie über jeden politischen Sondermüll einer anderen legalen Partei […]

Weiterlesen

Musikrechte und Demokratie – kaufen und erwerben

Es dürfte sich weithin herumgesprochen haben, dass man in aller Regel für Musiknutzungen irgendwelche Lizenzen erwerben muss, denn das Recht ist nicht käuflich; jedenfalls in einer Demokratie. Ausnahmen sind da eher selten. Für bestimmte Nutzungen muss man außerdem eine Erlaubnis bekommen. Das ist alles nichts Neues. Meinetwegen mag das umständlich sein. Aber es ist eine ganz normale Sache. Oder doch nicht? Dog slips on banana peel Für eine bestimmte Partei ist das doch ein Problem. Nämlich ein Problem der Demokratie! Für einen Wahlwerbespot der AfD in Berlin hat sich offenbar kein „deutscher“ Verlag gefunden, der Musik lizenzieren wollte. Daher ziert den Spot nun ein Vorspann folgenden Inhalts: Zum Mitlesen:  „Demokratie in Deutschland 2016: Wir werden gezwungen, diesen Wahlspot ohne Musik […]

Weiterlesen

Musikalischer Wahlkampf – multidialektischer Wahnsinn

In Presse und YouTube macht gerade ein Wahlkampflied von Jennifer Rostock die Runde. Ihr Text führt lauter Argumente für die Wahl der AfD (einer politischen Partei am rechten Rand und dahinter) auf. Das ist alles gut gemeint, AfD-Anhänger werden sich darin in ihrer Wahlentscheidung wiederfinden. Propaganda für die AfD. Nur der Refrain und das Schlusswort geben zu erkennen, dass man selbst das nicht so gut findet. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Man kann das gelungen finden oder nicht, das spielt nicht so sehr die Rolle. Interessant ist vielmehr, sich die Reaktionen dazu anzusehen, die ich eigens nicht unbedingt verlinken möchte. Interessant ist ja vielmehr, dass die Abwehr des […]

Weiterlesen

Musikalischer Kulturkampf rechts

Kurz vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geht der Fokus ein wenig auf die musikalischen Ereignisse drum herum. In der nmz haben wir eine dpa-Meldung wiedergegeben „Sanfte Töne gegen die AfD – Linke, Rechte und der Polit-Pop“ und angereichert mit YouTube-Videos sowie einigen Links zum Thema Musik im Wahlkampf aus älteren Ausgaben der nmz, die nichtsdestoweniger aktuell bleiben. Für die mittlerweile vom Bayerischen Rundfunk abgesetzte Sendung „taktlos“ hatte ich zum Thema „Braun-Musik“ einen Text verfasst, den man hier nachlesen und -hören kann. Vor gut zehn Jahren war nicht abzusehen, dass sich neben der Jugendkultur auch die Erwachsenenkultur derartig ändern wird. Sie hat ihr Auffangbecken in einer bestimmten Partei gefunden, die offenbar von erstaunlich vielen Menschen als bürgerliche Alternative wahrgenommen […]

Weiterlesen

Nebelbomben auf die KSK

Seit einiger Zeit geistert eine Stellungnahme zur Zukunft der Künstlersozialkasse (KSK) durch die Presse. In der FAZ unter der Überschrift „Wirtschaft läuft gegen die Künstlersozialkasse Sturm“ oder beim Spiegel „Künstler und Journalisten: Arbeitgeber beklagen Bürokratie bei Künstlersozialkasse“. Die ganze Sache verursacht allerhand Trubel, ist aber nur eine gewaltige Wirtschafts- und Presseschleuder von Fehlinformationen. Die KSK ist nicht in Gefahr. Im Gegenteil: Die teilweise hanebüchenen Argumente, die da vorgetragen werden, sind in der Summe lächerlich und tendenziös und fallen auf die Autoren zurück. Da haben wir als Ausgangslage ein Positionspapier mit dem Titel „Künstlersozialversicherung für Unternehmen entbürokratisieren –  andernfalls abschaffen“ (pdf) von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (kurz: VhU). Schon der Titel muss irritieren: Das könnte man von der deutschen Steuergesetzgebung ebenfalls […]

Weiterlesen

Kulturpolitik: Wie man Infografiken zur Desinformation nutzt

Wie man der Grafik entnehmen kann, werden sich die laufenden Ausgaben im Geschäftsbereich Kultur der Landeshauptstadt Dresden von Plan 2016 nach Plan 2017 fast verdoppeln. Das zumindest könnte die Grafik (Folie 14) nahelegen, die ich über einen Tweet heute gesehen habe. Dramatisiert wird das alles noch durch die Hinzufügung der absoluten Zahl von 9,5 Mio in rot und mit Pfeil. Die absoluten Zahlen dagegen gehen von einer Steigerung von etwas über 10 Prozent aus. Das mag viel oder wenig sein, es mag dafür Gründe geben, gute oder weniger gute: Warum aber setzt man diese suggestive Infografik ein? Um Angst zu erzeugen? Oder um anzuzeigen, dass man sich so großzügig zeigt? Vergrafikte Zahlen sind alles andere als wertfrei, sie täuschen Realitäten […]

Weiterlesen

Tropfen auf den kalten Stein: Bundesfonds für zeitgenössische Musik

„Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.“ Mit den Sprichworten hat es so etwas komisches – sie versprechen manchmal Glück, wo sie Unglück produzieren. Gestern gab die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, die Einrichtung eines neuen Förderfonds für zeitgenössische Musik bekannt. Jährlich stünden demnach  1,1 Mio Euro jährlich (wie lange eigentlich) zur Vefügung. Entscheiden soll darüber eine Fachjury, die wahrscheinlich von sieben Verbänden und Einrichtungen ausgewählt werden wird. Dazu gehören: Dazu gehören der Deutsche Musikrat, der Deutsche Komponistenverband, der Deutsche Tonkünstlerverband, die Gesellschaft für Neue Musik, die Union Deutscher Jazzmusiker, die Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik und die Initiative Musik. Und natürlich sind zuvor Förderkriterien zu entwickeln. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Die Hälfte des Jahres 2016 […]

Weiterlesen

Desolate Situation der selbständigen Kreativen

Gerade eben sorgte noch die große Jazzstudie für Aufregung, in der sich zeigte, in welchen Einkommensverhältnissen die Musikerinnen so leben. Dabei gehts denen noch knusper! Also im Verhältnis. Schon letztes Jahr kam eine große Musikwirtschaftsstudie heraus, die zu noch übleren Ergebnissen gekommen ist. Hier die entsprechende Tabelle aus der Studie, die man übrigens, sehr lesenswert, hier als PDF herunterladen kann. Nur etwas mehr als 10% aller Komponistinnen sind weiblich. Erschreckend wenig, das Jahreseinkommen beträgt insgesamt durchschnittlich 17.520 Euro, bei den Frauen nur 11.777 Euro. Bei den Textdichterinnen ist das Einkommensgefälle noch eklatanter: 23.199 zu 10.846 Euro. Einkommensdifferenzen gibt es überall bei den genannten Gruppen. Bei den Künstlern verdienen Interpreten in Rock/Pop/Jazz-Musik immerhin noch durchschnittlich 1.000 Euro im Jahr mehr als […]

Weiterlesen

It’s Gordi-Time – Loyalität und Gehorsam

Mitten in die Fastenzeit hinein lassen neue musikzeitung und das musikforum – die Zeitschrift des Deutschen Musikrates – aufhorchen. Denn da werden die drei Anwärter für den Musik-Gordi nominiert. Das ist eine besondere Ehre. Aber nicht jeder ist gleichermaßen qualifiziert. Wie sehr aber manche dann doch qualifiziert sind, zeigt sich in dem Rummel und den Wellen, den eine Nominierung dann auszulösen in der Lage ist. Um Sandra Scheeres ist es sehr ruhig, obwohl sie in Berlin ein echtes Musikschulchaos angerichtet hat. Schon letztes Jahr war sie nominiert, konnte sich aber gegen Mathias Brodkorb mit seiner Kahlschlag-Kultur in Mecklenburg-Vorpommern nicht durchsetzen. Eigentlich schade. Aber das Ergebnis war eindeutig. Benjamin-Immanuel Hoff hält in Thüringen mit seiner „Perspektive 2025“ das Kulturland in Atem […]

Weiterlesen

Achtung Konzert – Bitte bewahren Sie Ruhe

Keith Jarretts Köln Concert verliert dadurch nicht seinen legendären Charakter, aber was in der Kölner Philharmonie sich vor wenigen Tagen ereignet hat, ist dafür geeignet, den Ort Köln musikalisch zu beschädigen. Was bekannt ist: Das Konzert des iranischen Musikers Mahan Esfahani wurde so sehr gestört als dieser seine Version von Steve Reichs „Piano Phase“ von 1967 zu Gehör bringen wollte, dass das Stück nicht zuende gespielt werden konnte. Zischen und Klatschen, man gab sich alle Mühe, das Konzert zu sabotieren. Berichtet hat der Kölner Stadtanzeiger, der Augenzeugenbericht des Musikers ist in Norman Lebrechts „Slipped Disc“ veröffentlicht worden. Uneinig ist man sich in den Reaktionen, ob die Störungen rassistisch motiviert gewesen sein sollen oder sich gegen die Musik von Reich richteten. […]

Weiterlesen
1 2 3 7