Die Reize der Regression – Maria O. und ihre (!) Geschlechtsgenossinnen

Crime Scene. Foto: Hufner

Nachdem Frau O. neulich schon die Antisittenpolizei auf den Plan gerufen hatte, hat sie nun in einem Facebookeintrag nachgelegt. Sie äußert sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur „Causa Domingo, Metoo und Freud“. Besonderes Vergnügen empfinde ich an ihrem Punkt 2 aus der Aufzählung von vier „Argumenten“. „Wie viele mehr oder minder mächtige Männer saßen Frauen gegenüber, die ihre Karriere mit Augenaufschlag und Hauchstimmchen, transparenten Blusen und minimalen Röcken beschleunigen wollten? Ein Hoch auf alle Männer, die solche Ladies ignoriert oder rausgeworfen haben. Bis heute ärgern mich Frauen, die nicht um der Liebe willen, sondern allein auf den beruflichen Vorteil bedacht ihre Reize voll eingesetzt und ausgespielt haben. Besonders niederträchtig: sich hinterher über den Chef und seine Stielaugen […]

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Widerspruch: Maria O.s Kommentar zum „Fall“ Placido D.

Behandlung wäre gut. Foto: Hufner

In einem Kommentar zum „Fall“ Placido D. hat sich die Musikjournalistin Maria O. positioniert. Sie wird als Verteidigerin des Sängers angekündigt. Der Text wird von zahlreichen Personen aus dem Musikleben als brillant bezeichnet. Aber er ist im Kern nur eine Meinung und dazu eine, die selbst mit den Mitteln agiert, die sie anderen vorwirft. Sie schreibt da: „Der Fall zeigt, wie erbarmungslos eine schnell urteilende, teilweise moralinsaure Erotikpolizei über einen Menschen herfällt und sein Lebenswerk zerstört.“ Nun wird man beim Begriff einer „moralinsauren Erotikpolizei“ spätestens aufmerksam. Was kann das denn sein, eine Erotikpolizei, welche Befugnisse sind ihr eigen, wer hat sie wie ausgestattet. Welche Bedeutung kann ihr Urteil haben. Der Vorgang ist ja vielmehr, dass eine Presseagentur eine Recherche betrieben […]

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Google wird unterschätzt – von allen Seiten. Oder die Frage: Wo kommen die Bots her und wo geht die Meinungsfreiheit hin

Hängt man am Haken. Foto: Hufner

Bei den ganzen „Diskussionen“ um die Zukunft von Kreativität im Zeitalter des wilden Internet-Kapitalismus von Unternehmen, die viel von Technologie verstehen, viel von Steuerrecht (finanziell und im Sinne von Führung von Menschen), haben es Individuen, die sich in vergleichsweise kleinen Gruppen zur Vertretung ihrer Rechte zusammentun, schwer. Dass ihnen nun auch noch Steine in den Weg gelegt werden von denen, die an ihrer Tätigkeit partizipieren, erstaunt einen dann doch sehr. Dass es ihnen nicht gelingt, aus ihrem Egozentrismus herauszutreten, einerseits, und andererseits im Gegenteil diese Personen sich auf die Seite der Mächtigen Technologieunternehmen schlagen, macht einen gerade schon unglücklich. Dabei werden schon mal Begriffe transformiert oder Texte umgelesen, die dann in ihrer neuen Leseweise zu ein Eigenleben entwickeln, Die Geschichte: […]

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Volksanmaßung, Volksfälschung

Achtung. Halt! Foto: Hufner

Punkt 1: Unter Volksanmaßung versteht man das Fürsichgeltendmachen eines ganzen Volkes zur Durchsetzung höheren oder einfachen Rechts. Bestimmte kleine Volksgruppen maßen sich dabei an, sie stünden für ein ganzes Volk. Sie maüßen sich die Repräsentation der ganzen Gruppe an, sind aber nur eine kleine Gruppe. Zur Zeit in Deutschland verbreitet bei Männern die sich zu Gruppen zusammenrotten, um den Satz „Wir sind das Volk“ zu grölen. Dabei beziehen sie sich auf ein historisches Ereignis aus dem Jahr 1989, als die Bevölkerung der DDR diesen Satz gegen die politische und persönliche Unterdrückung des dort herrschenden politischen Systems einsetzte. Aus Staatssicht waren damals die Bevölkerung nämlich „Volkes eigen“. Der Spruch leitet sich aber aus einer Situation her, als es in der DDR […]

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Recht & Kunst II

Ein schwarzes Quadrat vor grauem Hintergrund. Hufner

Ich glaube, es gilt ein grundlegendes Missverständnis aufzulösen. Recht und Kunst kommen nicht zur Deckung. Gerade vorausschreitende Kunst ist häufig nicht mit Mitteln des Rechts zu fassen. Offenbar sind ja Kunstgegenstände wie das „Schwarze Quadrat“ von Malewitsch oder Fountain von Marcel Duchamp nicht durch das Urheberrecht als Werke geschützt, so wenig wie John Cages 4’33“. Aber, dass es sich um Gegenstände der Kunst handelt, die auch kommunikativen Einfluss hatten, also kunstgeschichtliche Relevanz haben, dürfte allgemein außer Zweifel stehen. Punkt I – Kunst läuft dem Recht davon Aber fällt damit nicht am einen Ende das Urheberrecht aus seiner Funktion. Das Recht schützt eben Urheber, aber der Schutzgegenstand, das Werk, ist mit den Mitteln der Sprache gefasst, damit es im Rechtssystem seinen […]

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Wie einmal die Atomkraft die Seelen der Kinder einer großkotzigen Kleinstadt rettete

RIP Penny. Foto: Hufner

In meinem kleinen Städtchen ist die Bevölkerung von ausgesuchter Klugheit. Wir haben hier die angeblich kinderstärkste Population innerhalb Deutschlands. Hierher hat es viele Berliner verschlagen. Viele Ostler hat es dagegen heraus geschlagen. Sie mussten wegen Alt-Ansprüchen oft ihre Buden räumen. In Kleinmachnow liegt so manches Kriegsbeil offen auf der Straße. Obwohl? Jetzt auch nicht mehr. Man hat sich ausgetauscht. Nicht im Sinne von Kommunikation, sondern im Sinne örtlichen Bewohner. Statt Trabbis oder Wartburgs fahren oder stehen hier Suffs. Als Zweitwagen wohlgemerkt. Man achtet sehr auf Ökologie. Hunde dürfen frei laufen und frei scheißen. Inoffiziell. Offiziell natürlich nicht. Reichtum ging einher mit dem Besitzertausch. Bedroht wurde er allerdings vom Bau eines Flughafens, 25 Kilometer östlich. Der Wind will es aber so, […]

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Popkomm auf Verschiebebahnhof: Hat sich die Musikindustrie verpoppt?

Gemeinsame Sache: Dieter Gorny und Hans Bäßler. Foto: Hufner Gemeinsame Sache: Dieter Gorny und Hans Bäßler. Foto: Hufner

Es gibt Pressemeldungen, bei denen man zunächst ungläubig stutzt, sich danach an die Nase fasst, noch einmal liest und dann die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: „Musikindustrie bekennt sich zur Popkomm – Branchentreff wird um ein Jahr verschoben“ heißt es da. Mit normaler Lebenslogik ist dem nicht beizukommen. Dieser Titel trägt in der Tat dialektische Züge. „Deutsche Bahn bekennt sich zum Personalverkehr – Weitere 30 Strecken werden stillgelegt“ oder Ähnliches. Dabei geht es offenbar um eine Denkpause, die man sich genehmigen will: „Wir stehen zur Popkomm, die der wichtigste Branchentreffpunkt und das Schaufenster für die Leistungsfähigkeit der deutschen Musikwirtschaft ist und bleibt“, erklärten Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des BVMI, und VUT-Präsident Mark Chung übereinstimmend in Berlin. „Gemeinsam mit der Popkomm GmbH […]

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Reinsberg 2008 – Unwohnliches Dorf

Garagentor. Foto: Hufner

Gestern las ich in der Berliner Zeitung unter der Überschrift „Die Stille im Dorf“ einen Bericht über Vorgänge im sächsischen Reinsberg. Man kann eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei um einen erfundenen Ort handelt. Die Realität sieht doch anders aus, oder? Jedenfalls soll dort eine Art Terror Jugendlicher um sich greifen, der nicht in den Griff zu bekommen ist. Fast alle haben Angst, selbst zum Opfer dieses Terrors zu werden, und so wird dieser Ort unwohnlich. Man kann im Text lesen: Aber König gibt keine Ruhe. Auch wenn sich niemand im Dorf öffentlich auf seine Seite schlagen mag. „Im Gespräch unter vier Augen klopfen sie mir auf die Schulter und sagen, halte durch“, erzählt er. Aber […]

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Abschaffung der Künstlersozialkasse [2008]

Bild. Foto: Hufner

Gestern berichtete der Deutsche Kulturrat über eine ungeheuerliche Entwicklung. Danach bestreben es einige Bundesländer, die Künstlersozialversicherung abzuschaffen oder zumindest zu reformieren. Hingewiesen hat mich darauf allerdings der Siggi Becker. Der Deutsche Kulturrat schreibt: „Klammheimlich, versteckt in einer Empfehlung (Bundesratsdrucksache 558/1/08 vom 08.09.2008) zum ‚Entwurf des Dritten Gesetzes zum Abbau bürokratischer Hemmnisse insbesondere der mittelständischen Wirtschaft (Drittes Mittelstandsentlastungsgesetz)‘ (Bundesratsdrucksache 558/08) haben der federführende Wirtschaftsausschuss, der Ausschuss für Frauen und Jugend, der Ausschuss für Innere Angelegenheiten sowie der Finanzausschuss des Bundesrates mit den Stimmen der genannten Länder beschlossen: ‚Der Bundesrat fordert, dass die Künstlersozialversicherung abgeschafft oder zumindest unternehmerfreundlich reformiert wird.‘ Die Reaktionen darauf von ver.di, Deutschem Kulturrat und dem Deutschen Musikrat ließen nicht lange auf sich warten. „Die gestern von vier Ausschüssen […]

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Verletzungen im Knie [Satire und Glaube]

Wald, verdammt. Foto: Hufner

Neulich sind Karikaturen über die Scientology Church aufgetaucht, irgendwo in Chile. Dazu sagte die Chefin der Goethe-Institute: „Wir können uns die Verletzlichkeit anderer Kulturen bzw. Religionen kaum vorstellen.“ Weniger also aus presserechtlicher Sicht, als aus dem Ethos einer verantwortlichen Presse heraus, hält Jutta Limbach die Veröffentlichung der Karikaturen für bedenklich: „Es ist eine Geschmacklosigkeit höchsten Grades, wenn man Menschen dort trifft, wo sie, weil es um das ihnen Heilige geht, am verletzbarsten sind.“ [Abgewandelte Pressemeldung!] Taliban, ick hör dir trapsen. https://www.kritische-masse.de/blog/media/1/knie.mp3 Anscheinend hat sich wieder mal niemand die Mühe gemacht, sich über den Inhalt von Satire Gedanken zu machen. Nein, das Heilige, das jeder für sich bestimmen mag, das ist es. Wie viele Verletzungen es ganz ohne Karikaturen täglich gibt, […]

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