Immer auf die Öffentlichrechtlichen

ARD und ZDF wollen sich wandeln, müssen sich wandeln … das fordern sie in den Gazetten an vielen Stellen. Ob die FAZ(Z) mit ihrem üblen Staatsfunk-Vorwurf kommt, Springerchef Mathias Döpfner faselt spricht von einer Gefährdung nach nordkoreanischem Muster (oder auch nicht, wie Michael Hanfeld mit ein paar sog. sprachlichen Bernd-Höcke-Sprüngen meint) oder der Spiegel etwas von einer „unheimlichen Macht“ titelt. Journalismus sei ein „Werkzeug der Freiheit“, der „Scheinwerfer der Aufklärung oder, eine Nummer kleiner, zumindest die Taschenlampe des mündigen Bürgers“. 01)Was Döpfner wirklich gesagt hat. Michael Hanfeld in der FAZ Und noch kleiner geht’s nicht, oder? Gerade so, als ob es in ARD und ZDF keinen Journalismus gäbe. So trennt man denn die Welten des Journalismus in gebührenfinanziert und privatwirtschaftlich, aber […]

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Wegwerfästhetik – Tränen und Rotz = Trotz

Dein Softie, Deine Musik. Produktwerbung auf einem Produkt. Foto: Hufner

Es ist eine Ewigkeit her, da habe ich auf der Dult in Regensburg dieses Päckchen mit Taschentüchern geschenkt bekommen. Eine Werbung für den privaten Radiosender Gong FM (gibt den noch). Ein Wortspiel mit unendlichen Verbindungen der Interpretation. Softie und Softies (andere Taschentuchmarke). Aber wie man die Sache auch dreht, da fasst ein junger Mann einer jungen Frau unter das Selbstgestrickte. Die Hosenreißverschluss der jungen Frau ist geöffnet und gibt den Blick frei auf Netzstrumpfhose und Slip. Der Mann hält den Kopf der Frau (vermutlich) sanft in seiner Hand. Die Blicke der beiden treffen sich. Ein Armreif, das Strickshirt, die Weste sollen wohl suggerieren, dass es hier um ein bisschen etwas wie Hippieeskes geht. Platsch „Dein Softie“ draufgebappt. Mein den Inhalt, […]

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Das trojanische Orchester und die Deutsche Orchesterverweigerung

opfer müssen begracht werden. Foto: Hufner

Der Clou mit dem trojanischen Pferd war ein lächerlicher Trick dagegen. Mit dem SWR Symphonieorchester hat Deutschland endlich seine eierlegende Wollmilchsau gefunden. Es ist besser als anderen deutschen Rundfunkorchester zusammen, weil auch größer und aus zwei hervorragenden Orchestern zusammengesetzt – die einen nennen es noch wehmütig fusioniert, die anderen ganz im Sinne der Wiedervereinigung von BRD und DDR ein Zusammenwachsen; da blüht eine musikalische Zukunftslandschaft heran. Und das Orchester ist auch billiger als alle anderen deutschen Rundfunkorchester zusammen. Mal ehrlich, alles schnell zusammenwachsen lassen und das ultimative Orchester aufsetzen, das geht. Und dieses Orchester ist schon mit dem ersten Konzert anerkannt. Größte Dirigenten plus größte Solistinnen spielen größte Werke des Dirigenten – der war zwar auch mal Feind dieses Zusammenwachsens […]

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Musik und Gewalt – Geschlagener Schlager

So jetzts ja nicht, lieber MDR. Foto: Hufner

Der Schlager kommt vom Schlag, dem Beat. Schlagermusik ist Beatmusic. Soweit alles richtig. Künstlich hochgekocht wird das Phänomen aber nun beim MDR. Der brachte eine Sendung mit dem Titel: Vanessa Mai – Mein Herz schlägt Schlager Das ist in jeder Hinsicht ungebührlich. Seit wann schlägt das Herz wen und wenn, warum den Schlager? Was kann der Schlager denn dafür? Wir distanzieren uns von solcherleich Bushidoiaden im konventionellen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Eine veritable Schlägerei müsste jetzt folgen. Der MDR geht auf seiner Website aber nocht weiter und lässt die Bosse der Majorlabels höchstpersönlich für Referenzen antanzen: Wer ist diese Frau? „Vanessa Mai ist der Shootingstar des deutschen Schlagers“, sagt Manfred Rolef, Vice President Ariola. „Es gibt, glaube ich, Keinen, den sie kalt […]

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Öffentlichrechtlicher Rundfunk – Trostloses Bild

In gewisser Regelmäßigkeit müssen wir uns hier auch immer wieder mit den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk beschäftigen. Weil er uns lieb und teuer ist und weil es sich schlecht verkauft, indem er sich intern anscheinend auch schlecht aufstellt. Am letzten Freitag war im Deutschlandfunk das Thema „Immer weniger Vielfalt: Wie Radio unseren Musikgeschmack beeinflusst“ – siehe dazu auch die Initiative des VUT gegen heavy rotation etc. Ich habe nebenbei als Tagesbegleitprogramm zugehört. Und ich bin erschrocken. Ein der Gesprächspartnerinnen, Anja Caspary, die Musik-Chefin von rbb radio eins sagte da: Danach ist die Regel: Unsere öffentlich-rechtliche Welle soll so erfolgreich sein wie der private, kommerzielle Konkurrent! Wenn das also das Ziel ist, mit dem öffentlich-rechtlicher Rundfunk gemacht wird, dann ist er in der […]

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Aus kultur wird figaro, aus figaro wird kultur (mdr)

Damals, 2004, war man etwas verwundert. mdr kultur benannte sich in mdr figaro um. Begründet wurde das von der Hörfunkchefin Barbara Mohlsen seinerzeit so: „Der Begriff Kultur ist sehr tradiert besetzt und schafft eher eine Zugangsbarriere.” Der Begriff der Kultur wirke elitär und schrecke ab. Noch neulich führte wir bei Twitter eine kleine Diskussion über Sex, Mozart, Partner, Kultur und Figaro. Ausgangspunkt war dieser Tweet: Na, heute schon mit Ihrem Partner gesprochen? http://t.co/73rGR2t2OY #figarospezial pic.twitter.com/wEWbkJsR1r — MDR KULTUR (@mdrkultur) October 14, 2015 Partnergespräche bei MDR Figaro und auch gemein, was ist mit denen die keine(n) „Partner(in)“ haben. Das fand ich verwunderlich und ich verwickelte die Twitterer in der Folge in ein Gespräch über den Begriff der Kultur und seine Beziehung […]

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Die Musikindustrie von oben

Die Musikindustrie von oben. Foto: Hufner

Bei der Kulturkonferenz des Bundesverbandes der Musikindustrie (ich weiß immer nicht genau, welchen Part der Veranstaltung man in Anführungszeichen setzen sollte) ging es in diesem Jahr drunter und drunter. Das Gebäude spukte unbekannte und unberührbare Gäste in die erste Reihe vor dem Podium, es scheuchte das Publikum und alle anderen anwesenden hinaus. Feuerwehralarm. Die Karawane zog vor die Tür, wo es dann zu allem Überfluss noch regnete. Es war die erste Keynote von Dieter Gorny, die ich nicht auch nur im kleinsten Teil verstanden hätte. Irgendwas mit Verantwortungs- und mit Haftungskultur. Ein phänomenaler philosophischer Wurf wahrscheinlich. Das geliebte Haus der Akademie der Künste wirkte irgendwie im Abbruch und wehrte sich mit Hände und Füßen. Nee, Dieter Gorny, das war in […]

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Als heute gestern war

Fernsehen gestern. Screenshot

Es ist ja nur ein Bild aus einer Fernsehaufzeichnung der Nachrichten des ZDF von vor 30 Jahren. Man beachte einmal, mit wieviel Technik man damals ausgekommen ist. Ein paar Monitore auf Rollwägen. Und vor allem: Ein Schreibtisch, so wie ich auch einen Schreibtisch habe: Eckig, mit vier Beinen, unten offen. Hinten ein paar Fenster! (Ja, Fenster!!) Man kann nicht sagen, dass der Gegenstand selbst, die Nachricht, sich in den letzten 30 Jahren so sehr geändert hätten.  Das Brimborium hat zugenommen: Ausleuchtung, Interieur sind gewaltig aufgemotzt worden seither. Ist deswegen alles besser geworden? Kann man wohl so nicht sagen. Es wird Zeit für „historische Nachrichtenpraxis“.

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Die Reform, die es nie gab – Funkhaus Europa

Radio Europa damals. Foto: Hufner

Vor einigen Tagen schreckten Meldungen und Artikel bei Spiegel-Online auf. Funkhaus Europa soll umgemodelt werden zu einem Dudelfunk. Die Quoten seien im Keller und die leichten Veränderungen, die man unternommen habe, zeigten keine Wirkung. Man braucht eine Reform:  Reform von „Funkhaus Europa“: Hitradio Dudelfunk. Von Christoph Twickel Darin führt der Autor aus: Noch senden auf „Funkhaus Europa“ die DJ-Größen der globalen Musikszene. Der Berliner Produzent Daniel Haaksman spielt die neuesten Clubsounds von Brasilien bis Angola. Die britische DJ-Legende Gilles Peterson wühlt für den WDR in seinen Plattenkisten. Der Autor und Musiker Danko Rabrenovic gibt den „Balkanizer“. (…) Eine unverzichtbare Farbe im öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramm? So sieht man es beim WDR nicht mehr. Die Musiksendungen, die in den Nachtstunden liefen, sollen verschwinden; […]

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Total exklusiv und schnell – Musikmedien

Musik, schneller als der Schall. Foto: Hufner

Vor kurzem gab es einen Zwischenfall zwischen Musiker und Publikum in Köln. Das Publikum reagierte lautstark während der Cembalist von Steve Reich die „Piano Phase“ tickerte. Ich hatte darüber auch im Sperrsitz geschrieben und auch die Reaktionen gesammelt „Achtung Konzert, bitte bewahren Sie Ruhe“. Es machte für den Klassik-Bereich wirklich sehr und schnell die Runde. Wer da nicht schnell genug mitspielt, überlässt den anderen das Netzfeld. Aber dieses mal ging es wirklich rund. Nicht nur hagelte es Kommentare in größeren und kleineren Publikationsorganen, auch die Rundfunkanstalten waren bald schnell dabei und das Musikmagazin Van – jeweils mit Interviews mit dem Musiker Mahan Esfahani – der war noch nicht so ein ganz großes Licht im Schein seiner Plattenfirma. Bei dem Instrument […]

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