Die Perücke in der Suppe

Jetzt sind die ersten neun Tage des Jahres 2020 bereits herum. Gut. Wenn man den Empörungswellen auf Twitter so folgt, kann und muss das alles noch verdichtet werden. Es erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit, wenn es in der Klasse sekündlich lauter und lauter geworden ist. Den Grund (oder die Gründe) weiß man ja schon gar nicht mehr. Aber es war alles sofort total wichtig. Dabei war das meiste davon einfach ziellos in die Gegend gebrüllt. Ich erinnere mich aber auch noch gut daran, dass sehr genau beobachtet worden ist, wie die Lehrerinnen und Lehrer den Versuch unternommen haben, das zu beenden. Oder zu steuern. Gegenbrüllen! Schweigen! Leise Reden! Rausgehen? Aber ich erinnere mich nicht, was geholfen hat – […]

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Propaganda heute – Theodor W. Adorno vor 50 Jahren gestorben

Wiesengrund. Foto: Hufner

Heute jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Theodor W. Adorno. Hans-Jürgen Schaal hat sich in der aktuellen nmz mit seinem Konzept einer “informellen Musik” auseinandergesetzt, die er bis in seine Jugend und aus ihr heraus rekonstruiert. Ein paar Sendungen im Rundfunk, die an Adorno erinnern, hat Martin Hufner gesammelt – viel ist es nicht. Da steht allerdings nicht alles drin. Zum Beispiel fehlt Michael Rebhahns “etwas andere Interview”, das man online nachhören kann und das sich eher mit kulinarischen Fragen beschäftigt. Noch mehr vom SWR finden Sie hier. Im Südosten dann: “Wer hat Angst vor Theodor W.?” von Bernhard Neuhoff auf BR-KLASSIK. “Adorno und der Jazz” hat ein kleiner Beitrag bei den Österreichischen Kolleginnen von Ö1 zum Gegenstand. […]

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Die Nullte Gewalt

Ein toter Vogel. Foto: Hufner

Heute kann der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas seinen 90. Geburtstag feiern. Den meisten unserer Leserinnen und Lesern dürfte er nicht aufgefallen sein durch eine besondere Affinität zu musikalischen oder auch im weiteren Sinn ästhetischen Fragestellungen. Gleichwohl ist er einer der bedeutendsten Vertreter in Fragen der Analyse von Veränderungen im Gewebe der Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Kommunikation. In seinem Buch “Faktizität und Geltung” hat er kurz einen Faden aufgegriffen, der heute seine volle Wucht entfaltet hat. Er schreibt dort beispielsweise: “Die Personalisierung von Sachfragen, die Vermischung von Information und Unterhaltung, eine episodische Aufbereitung und die Fragmentierung von Zusammenhängen schießen zu einem Syndrom zusammen, das die Entpolitisierung der öffentlichen Kommunikation fördert. Das ist der wahre Kern der Theorie der Kulturindustrie” (Frankfurt 1997 [1992], […]

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Die Idee ist falsch, weshalb sie auch nicht richtig war

In der Passage der Kommunikation. Foto: Hufner

Es ist der unbeschreibliche Vorteil der einseitigen Kommunikation, dass sie einen versperrten Rückkanal hat. So wie beim Rundfunk auch heute vom Grundgedanken her. Es wird etwas hinaus gesendet, das einen Hörer oder mehrere findet. Diese können darauf alleine oder zusammen reagieren, aber es bleibt ihre Reaktion, die fast nie zum Sender zurückläuft. Brechts Gedanke aus der Radiotheorie, dass jeder Mensch zum Sender werden könne, solle ist noch inspiriert davon. Es ist nur die Umkehrung des Prinzips. Der offene Kanal. Aber so oder so: Ohne Rückleitung. In der Kunst ist das nicht viel anders. Überall Sender, da und dort Empfänger, die bis zu einem bestimmten Punkt sich dazu äußern, aber das Kunstwerk ändert sich dadurch in der Regel nicht. Mit dem […]

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Bruchstücke: Alte Geister Meister – Musikindustrie bei Bernhard | Hmmm

Rechtschreibung. Foto: Hufner

Alte Geister Meister – Musikindustrie bei Bernhard Joshua von Brain farts empfahl mir doch die Lektüre von Thomas Bernhards “Alte Geister Meister” – mein erstes Bernhard-Werk. Darin wunderbare Zeilen über die Musikindustrie, die einen mit Musik zumülle und einen “krankhaften Musikkonsumatismus” erzeuge. 1985 wurde der Text verfasst – visionär. „Den von der Musikindustrie total vernichteten Menschen sehe ich schon, sagte Reger, diese Massen von Musikindustrieopfern, die die Erdteile schließlich mit ihrem musikalischen Leichengestank bevölkern, mein lieber Atzbacher, die Musikindustrie hat die Menschen einmal auf dem Gewissen, hat am Ende mit der größten Wahrscheinlichkeit die gesamte Menschheit auf dem Gewisssen, nicht nur die Chemie und der Müll, das sage ich Ihnen. Die Musikindustrie ist der Menschenmörder, die Musikindustrie ist der eigentliche […]

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Kommunikationsschwäche im Yorck-Loch

Pyramiden. Foto: Hufner

Nix mit Grass, Fest und Habermas. Obwohl ich mir nicht verkneifen kann, zu sagen, der Fest hatja über den Grass über die Bild-„Zeitung“ verlauten lassen, dass er bei ihm keinen Gebrauchtwagen kaufen würde. Brauchte er ja auch nicht. Er hat den alten Schlitten vom Oberfritzen Speer. (Siehe hier — allzumal ein lesenswerter Text von Albrecht von Lucke zum Thema, so dass ich mich enthalten kann meiner Stimme dazu (gestelzt).) Nein, heute nach langerlanger Zeit wieder eingestiegen U-Bahn-Yorckstraße. Mit dabei ein ältere Dame, die gerne nach Dahlem-Dorf wollte. Soll sie ja auch. So erkläre ich: Fahrense bis Fehrbelliner Platz mit der U7 und steigense da um in die U3. Mit Fingercher nachgewiesen auf der Netzplan, den die Dame mit sich führte. […]

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Container I: Sarah Kuttner – 2004

Sarah Kuttner 2004. Fernsehen

Shooting Star (das sollte man mal wörlich nehmen) bei Viva mit einer urkomischen bis total bekloppten Geschwätzshow. Dazu dann diese Handbewegung des Haare-aus-dem-Gesicht-Streichens. Man mag einwenden, zum Fernsehen gehören immer mindestens zwei. Ja, das lässt kaum sich leugnen. Schlimmer wirds, wenn drei oder vier dazu gehören. Eines Nachts war dort zu Gast so ein Volltrottel names Ferris EmmSziieeh oder ähnlich, den man unter normalen Umständen nicht aus dem Heim lassen würde, aber da Viva selbst so eines führt wenn nicht sogar ist, traf Depp Zicke. Heraus kam nichts, weil auch nichts drin war. Komisch dann der Auftritt des Bernd Begemann in dieser Sendung, der durfte zwar nicht schwatzen dafür aber an Mikro und Gitarre hohe Kunst in Vollzug bringen. Ganz […]

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Politik: Vertrauen und Gemeinheit [Karl Jaspers]

Vertrauen im Gewirr. Foto: Hufner

Moe verweist auf eine „Pro-Hartz Anzeige einiger „Prominenter Deutscher“ in der kommenden SZ. Unter ihnen Leute wie Flimm, Luepertz, Grass, Glotz, selbst den Rechtsphilosophen und -gechichtler Uwe Wesel (den ich im Gegensatz zu den andern immer sehr geschätzt habe). Angeblich wird da drin stehen etwas wie: „Wir, die Initiatoren dieser Anzeige, wählten und wählen ganz unterschiedliche Parteien. Wir arbeiten in diesem Land, wir bezahlen Steuern in diesem Land, wir bekennen uns zu diesem Land. Wir haben das Jammern über Deutschland satt.“ Aber ich möchte den gar so gescheiten Herrschaften ein paar Worte ihres Kollegen Karl Jaspers mitgeben, die er in einem Aufsatz mit dem bezeichnenden Titel „Werden wir richtig informiert?“ 1960 dem sog. freien Deutschland mit auf den Weg gab. […]

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Elektro-Schutzjacke und Spion-Chips

Website no contact - screenshot

Der Polizei-Newsletter Nr. 59 berichtet wieder einmal über ein paar aktuelle Kuriositäten. Dazu gehört: Schutz-Jacke teilt Elektroschocks aus Eine Jacke, die bei Berührung durch Dritte leichte Elektro-Schocks austeilt, entwickelt eine amerikanische Firma (derzeit nur für Frauen). Selbst mit äußerster Willenskraft soll so ein Angreifer den Träger nicht ergreifen können. Auf der Innenseite ist die Jacke (natürlich) isoliert. Sie wird mit einem Schlüssel und einem Schalter am Ärmeln aktiviert und über eine 9-Volt-Batterie mit Strom versorgt. Quelle: Trendletter 7, 2003, S. 12; http://www.no-contact.com (mit eindrucksvollen Videoaufnahmen). TF An und für sich ist das überraschend einleuchtend. Man muss sich einmal andere Nutzanwendungen vorstellen. Man will ins Konzert, hat keine Karte und viele, viele Leute versperren den Weg zum Kassenhäuschen. Schlüssel am Ärmel […]

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Die Aktie Mensch

Die Musikindustrie von oben. Foto: Hufner

Die Zeiten haben sich grundlegend gewandelt. Zwar hat mein Vater vor 20 Jahren auch eine Aktie gehabt, aber es war nur eine und die war von einem Autokonzern, dessen Autos er nie gekauft hätte. Er berichtete gerne von den vor Ort stattfindenden Aktionärshauptversammlungen. Denn es gab Grillwurst und er konnte mal alle Autotypen testfahren. Ab und an gab es auch eine Dividende. Als Kind vor 25 Jahren spielte ich gerne das Börsenspiel und ich liebte vor allem die Shell-Aktie der Form und Farbe wegen. Das wussten meine Mitspieler natürlich und so konnte aus mir nix werden – ich verlor grundsätzlich. Aber auch den Führerschein habe ich nie gemacht und sowieso meide ich verhäckseltes gegrilltes Fleisch. Als nun in meiner Umgebung […]

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