Impression 2007/10 – Mit Jakob van Hoddis

Impression aus dem Jahr 2007. Foto: Hufner

Ein Stillleben. „Ganz vertrackte Katarakte im Tackte …“ (Hoddis) XI Draußen Die Sommernacht ist schwer nur zu ertragen! Vier Herren gehn mit abgeknöpftem Kragen. Ein Lackbeschuter stellt der Schnepse nach … Da polterts her – Ein langgedehnter Krach: Der Donner! Au! Ist die Reklame plump, Blitz! Ein feiner Mensch liebt nicht den lauten Mumpitz! Das klingt ja ganz, als ob der dicke nackte Weltgeist Ganz vertrackte Katarakte im Tackte knackte.01)Jakob van Hoddis, Gedichte, Frankfurt 1990, S. 24 Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Jakob van Hoddis, Gedichte, Frankfurt 1990, S. 24

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Das Lächeln, die Menschlichkeit, die Medizin und die Werbung

Medizin und Menschlichkeit [Plakat]. Foto: Hufner

Ich habe diese Plane vor einem Hospital gesehen. Eingeladen werden soll zu einem Tag der offenen Tür. Slogan: „Medizin und Menschlichkeit“. Ich habe mich zuerst gefragt, ob man hier den Begriff und die Tätigkeit des Lächelns nicht vielleicht arg weit auslegt. Sagen wir mal so: Ja. Ein bisschen wirkt das schon bedrohlich, diesen „lächelnden“ Menschen gegenüberzustehen, da, so auf der Straße. Zumal ja traditionell die Maßzahl auch nicht ganz falsch liegen dürfte. Ein „Lächeln“ am Tag, wenn man als Patient so einen Fachmann zu Gesicht bekommt – mit einem Lächeln tun allerdings andere Menschen auch so manches, was nicht so dolle ist. Der Soziologe, Biologe und Philosoph Helmuth Plessner hat sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem […]

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Das ABC der Kultur – nach Angela M. (Bundeskanzlerin) und die 15 Thesen zur kulturellen Integration

Das ABC der Deutschen. BILD-Zeitung

In der Sonderausgabe der Bild (65) hat sich neben Anne-Sophie Mutter auch die andere Mutter zu Wort melden dürfen oder müssen. Angela M. (Bundeskanzlerin) buchstabiert an dieser Stelle ihr Deutschland von A bis Z. Das wird vor allem die Musikwelt freuen. Denn an drei Stellen geht die Bundeskanzlerin direkt auf die Musikkultur in Deutschland ein. Der erste Jubel dürfte vom Deutschen Musikrat ausgehen. Zum ABC gehört nämlich auf jeden Fall „Jugend musiziert“. Das ist eine wohl unerwartete Ehrung. Die Kanzlerin hat ja schließlich Humor mit Kirchensteuer und Kartoffel. Ich nehme es der Kanzlerin tatsächlich ab, dass „Jugend musiziert“ für sie eine zentrale Bedeutung hat. Genau so wie beim anderen Punkt, der den Deutschen Chorverband freuen wird. Chorgesang!  Wie schön. Da […]

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Die beste Geigerin der Welt [Bild] und die deutschen Kernkompetenzen

Anne Sophie Mutter in der Sonder-Bild!

Zur Feier des Tages hat die Springerpresse eine Sonderausgabe ihres journalistischen Hauptwerkes unter die Leute gebracht. Wie es sich gehört: kostenlos. Ein Geschenk. Und so liegt es dann auch zerknittert im Briefkasten – es hat die Luftfeuchtigkeit des Tages schon in sich aufgesogen. Ganz weich! Ganz bunt! Und sofort als solche zu erkennen. 65 Jahre von irgendwas. Rente ab jetzt für alle oder so ähnlich. Weil aber diese Zeitung ein Kulturblatt ist, widmet sie auch zwei Seiten der Musikkultur. Nämlich Seite 8 und 9. Genau genommen deren obere Hälfte. Denn geschenkt ist nichts. Unten stehen Anzeigen auf der Seite. Musikkultur, das heißt: Anne-Sophie Mutter. Die ist nämlich nach Ansicht der Autorin des fulminanten Artikels, Lien Kaspari, die beste Geigerin der Welt […]

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Vaterland!

Das Vaterland hat einen Platten. Foto: Hufner

Das Vaterland hat einen Platten. Heute in der Nähe des Wochenmarktes in Kleinmachnow gesehen. Es gab schon Marken mit Position! Wenn man sich über Wikipedia etwas schlau macht, dann wird man feststellen, dass die bei „Vaterland“ zuerst eigentlich als „Firma Herfeld & Co. zunächst Blasinstrumente und Akkordeons“ herstellte. Man „war damals einer der führenden Versandgeschäfte von Musikinstrumenten und Hersteller in Deutschland. Das Unternehmen ging aus dem Betrieb der Familie Herfeld hervor und stellte bis 1933 weiterhin vor allem Musikinstrumente her, ehe es 1933 die Produktion auf Fahrräder umstellte.“ [Wikipedia-Eintrag] Liegt ja auch irgendwie auf der Hand. Hat viel mit Rohren zu tun. 1933? Besser, man fragt nicht nach. Eine kleine Playlist zum Thema. Mit dabei das leider ganz furchtbare Stück […]

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Wegwerfästhetik – Tränen und Rotz = Trotz

Dein Softie, Deine Musik. Produktwerbung auf einem Produkt. Foto: Hufner

Es ist eine Ewigkeit her, da habe ich auf der Dult in Regensburg dieses Päckchen mit Taschentüchern geschenkt bekommen. Eine Werbung für den privaten Radiosender Gong FM (gibt den noch). Ein Wortspiel mit unendlichen Verbindungen der Interpretation. Softie und Softies (andere Taschentuchmarke). Aber wie man die Sache auch dreht, da fasst ein junger Mann einer jungen Frau unter das Selbstgestrickte. Die Hosenreißverschluss der jungen Frau ist geöffnet und gibt den Blick frei auf Netzstrumpfhose und Slip. Der Mann hält den Kopf der Frau (vermutlich) sanft in seiner Hand. Die Blicke der beiden treffen sich. Ein Armreif, das Strickshirt, die Weste sollen wohl suggerieren, dass es hier um ein bisschen etwas wie Hippieeskes geht. Platsch „Dein Softie“ draufgebappt. Mein den Inhalt, […]

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Planung und Realität

Weg und Umwege. Foto: Hufner

Man kann Dinge noch so gut planen, die Art der Nutzung des Plans ist oft eine andere. Warum soll man man den Weg einer Barriere wählen, wenn links oder rechts ein weniger komplizierter Durchgang zur Weiterführung des Weges möglich ist. Der direkte Geradeausweg wäre hier nur der wahrscheinlich bessere, wenn man in den Weg weiterginge, der geradeaus führt – in eine Sackgasse. Das ist aber nur für wenige Nutzer tatsächlich eine Alternative. Warum überhaupt ist hier die Zickzackbarriere nötig? Die Straße hinter der Barriere ist eine Spielstraße, auf der man motorisiert nur in Schrittgeschwindigkeit fahren darf. Wie immer der Plan auch gewesen sein mag, er taugt offensichtlich nicht besonders.

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Bildredaktion im Musikbereich: Linkshändergeiger

Story in der Welt. Screenshot aus der APP

Heute sprang mich beim Lesen einer Netztageszeitung ein Bildkopf mit eine Musiker an, der ziemlich prominent ist. Die WELT hat ein Interview mit David Garrett geführt. Wenn es der optische Wunsch des Art Directors wünscht, muss man eben schon mal ein Foto spiegeln. Der Linkshändergeiger und Scheitelwechseler David Garrett prangt da. Was darf man daraus lernen? In der öffentlichen Wahrnehmung ist es egal, ob die Dinge in der Sache oder wie hier der Bilddarstellung nicht stimmen. So wie neulich im heute journal  des ZDF „E-Musik“ als Abk. f. „Ernsthafte Musik“ herhalten durfte. Alles kein großes Ding, aber doch Kennzeichen für eine Missachtung des gewollten Gebrauchs.

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Sabotage der Kultur

Entleerung der Öffentlichkeit. Foto: Hufner

Es ist sicher nicht ganz falsch, wenn man sich ab und zu einem älteren Buch zuwendet. Mittelmaß und Wahn von Hans Magnus Enzensberger ist so ein altes Buch, das einem da in die Hände fallen kann. Gleich im ersten Essay über Ignoranz gibt es bemerkenswerte Beobachtungen der Zeit (vor dem Internet). Erstaunlich ist es auch deshalb, weil damals die Diagnose auf die Unbeherrschbarbeit der Vielfalt von Wissen eingegangen worden ist. Jedes Wissen wird potentiell, aber wahrscheinlich auch prinzipiell, innerhalb von wenigen Tagen umgeworfen. Was haben wir denn heute erst recht. Das Fernsehen ist geradezu ein Seismograph dafür. Aus drei Kanälen wurden fünf, dann neun, später Dutzende. Durch das Netz sind es mittlerweile Millionen. Enzensberger lebte noch zu Zeiten, als man […]

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