Die Armut der Argumente bei der WELT und „jeder irre Nazihaufen“

Bambi im Wald. Foto: Hufner

Was zum Teufel ist bei der WELT nur los. Erst vergaloppiert sich der Chefredakteur Ulf Poschardt, dann korrigiert ihn sein Kommentator Alan Posener, schließlich werden bei der WELT-Kolumnistin Birgit Kelle irre Nazihaufen fast schon zu Verteidigerinnen der Grundrechte, im Gegensatz zu Aktionskünstlern. Bitte? Bitte! Kelles Sorgen möchte ich wirklich nicht haben. Gewiss, mag sein, dass sie ihre Sorgen mit dem Zentrum für Politische Schönheit so hoch (oder tief) hängt, dass da immer noch genug Sorge vor „Nazihaufen“ bleibe. Aber so wird man es eher nicht lesen, so dürfte es kaum gemeint sein. Zumal der Vorwurf, das die(se) Künstler darüber entscheiden würden, wer in diesem Land noch Grundrechte genießen dürfe, etwas weit hergeholt (um ehrlich zu sein: Von jenseits der Vorstellungskraft) […]

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Ulf Poschardt: Die WELT als intellektuellenbefreite Zone

Die subventionierte Kunst im bequemen Elfenbeinturm. So sieht es Ulf Poschardt. Foto: Martin Hufner

Manchmal weiß man nicht mehr, was den einen oder anderen Chefredakteur einer Zeitung umtreibt. Hier hat sich Ulf Poschardt im Zusammenhang mit den Veränderungen in der CDU weit aus dem Fenster gelehnt und zu bestimmen versucht, welcher Art und wessen Geistes die Intellektuellen oder Künstler in diesem Land sind. Er sagt da wirklich: „Die Intellektuellen und Künstler sind entweder umfassend subventionierte Kostgänger des Staates und singen in bequemen Elfenbeintürmen das linksidealistische Lied – oder sie fantasieren sich als Kunst-Jakobiner in die Allmacht des Staates.“01)Ulf Poschardt: Die kulturelle Katastrophe des Scheiterns von Friedrich Merz. WELT-Online. Die WELT als intellektuellenbefreite Zone Mit anderen Worten: In der WELT sind sie nicht zu finden, denn die ist ja nicht eine Institution die der Staat, […]

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Regelverletzendes Tischtennis unter „Intellektuellen“ [nzz + Andreas Rödder]

Rang rechts. Foto: Hufner

Macht gerade die Runde. Ein Gespräch des Historikers Andreas Rödder mit der Neuen Zürcher Zeitung, auch wegen Friedrich Merz, dem Wohltäter. Aber das mal beiseite. Hier geht es nur um eine Kritik der Gesprächstechnik, deren Suggestivität beeindruckend ist. Ich zitiere: Rödder: So wird zum Beispiel «rechts» umstandslos mit «rechtsextrem» gleichgesetzt. nzz: Warum ist es ein Fehler, die AfD-Anhänger pauschal als Neonazis zu bezeichnen? Rödder: Weil man damit erstens das Selbstverständnis als ausgegrenzte Opfer aufseiten der AfD verstärkt und weil man zweitens viele Menschen stigmatisiert, die keine Nazis sind, sondern gegen die etablierten Parteien protestieren.01)Der Historiker Andreas Rödder: «Alle haben Angst vor Deutschland, einschliesslich der Deutschen selbst» – nzz-online. Belegarmut des Historikers Es beginnt mit einer Mutmaßung, dass rechts umstandslos mit […]

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Tatbestand: Wohltäter Friedrich Merz – zu einem Satirebeitrag der FAZ

Drama Baby, Drama. Foto: Hufner

Besonders perfide ist es, wie die FAZ und ihr Autor Georg Meck mit Friedrich Merz umgeht. In einem Artikel lobt der Autor den Kandidaten auf den CDU-Vorsitz als Wohltäter. Denn er und seine Frau hätten 2005 eine Stiftung gegründet: Die „Friedrich und Charlotte Merz Stiftung“ mit sage und schreibe 10.000 Euro um, wie der Autor sagt, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben und Kinder aus sozial schwachen Schichten zu fördern“. Wie gütig. Die Summe, die die Stiftung dafür bereitstellen kann, gibt der Autor nicht an. Immerhin 2016 stockt dann Merz das Kapital der Stiftung um 371.900 Euro auf. Danach rechnet der Autor, dass, wenn da drei Prozent an Zinsen im rausspringen, etwa 12.000 Euro im Jahr zur Verfügung stehen. Das Geld gibt […]

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Das Internet schließt am 01.07.2019 um 12 Uhr 33 (MESZ)

Das Internet downloaden bei reset.ch

Ja, so ist das. Alles ist dann vorbei. Weil Artikel 13 tritt dann in Kraft irgendwie und dann wird das Internet abgeschaltet. Ja. Keine Frage. Aber so ist das. Folgt dem #hashtag #shaveyourinternet. Echt jezz, kein Spaß. Sagt auch merkur.de „Die Sorgen der YouTuber und ihrer Fans sind auf jeden Fall berechtigt.“ Aber es gibt eine gute Nachricht. Bis zum 1.7.2019 12:33 MESZ kann man das Internet noch benutzen und die ganzen YouTube-Videos gucken. Empfehlenswert sind dabei insbesondere diejenigen zum genannten Thema. Könnte sein, dass die die einzigen sein werden, die den Tod des Internets überstehen, aber leider niemand sie mehr sehen kann. Für die anderen gilt: Jetzt das Internet noch schnell downloaden. Was ist jetzt zu tun? Es ist […]

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Musikbeschreiberinnen und Leichtigkeitslügen

einfach mit takt1

Der Markt machts nötig. Auf der Website eines Menschen, der die Leichtigkeitslüge einstens beklagte – und zwar richtigerweise – wird gleichwohl mit einer Leichtigkeit „gelogen“, dass sich die Notenlinien biegen. Die Beschreibung einer Symphonie von Lutoslawski, hier der dritten, da weiß man – Zack – Bescheid. Natürlich kann man auch mit viel mehr Worten noch weniger ausdrücken. Kein Problem. Das enthebt einen aber nicht einer gewissen Verantwortung in Sachen Pointen. Gegen derlei Kritik hat man sich aber in Sicherheit gebracht. Auf der Website kann man über takt1 lesen: „takt1 ist die digitale Bühne, die klassische Musik in ihrer Vielfalt zum Leuchten bringt. Als reines Hör-Erlebnis. Als Konzert-Video. In guten Geschichten und mit dem Wissen von Experten, die von Musik bewegt […]

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Impression 2007/10 – Mit Jakob van Hoddis

Impression aus dem Jahr 2007. Foto: Hufner

Ein Stillleben. „Ganz vertrackte Katarakte im Tackte …“ (Hoddis) XI Draußen Die Sommernacht ist schwer nur zu ertragen! Vier Herren gehn mit abgeknöpftem Kragen. Ein Lackbeschuter stellt der Schnepse nach … Da polterts her – Ein langgedehnter Krach: Der Donner! Au! Ist die Reklame plump, Blitz! Ein feiner Mensch liebt nicht den lauten Mumpitz! Das klingt ja ganz, als ob der dicke nackte Weltgeist Ganz vertrackte Katarakte im Tackte knackte.01)Jakob van Hoddis, Gedichte, Frankfurt 1990, S. 24 Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Jakob van Hoddis, Gedichte, Frankfurt 1990, S. 24

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2004 – Neue Digitale – Siegeszug des Internets

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Es ist manchmal erschreckend, wie bereits im Jahr 2004 die Perspektive des Internets von Agenturen beinahe hellseherisch vorausgeahnt wurde. Da schreibt die „Neue Digitale (Link obsolet) – Kreativagentur für digitale Markenführung GmbH“: „Kinder surfen lieber im Internet, als Fernsehen zu gucken“ – eine hervorragende Nachricht für unsere Branche! Der Siegeszug des Internets ist wohl kaum noch aufzuhalten. Interessant ist dies vor allem für Unternehmen, sind doch die Kinder von heute die kaufkräftigen Konsumenten von morgen. Andererseits ist natürlich die Ehrlichkeit von besonderer Eleganz. Und von extremer Kreativität.

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Kalibrierung der Gesellschaft – Wiedervorlage

Hinter Gittern. Foto: Hufner

Man kann seinen Monitor mit einigen Mitteln kalibrieren. Dazu nimmt man wohl am besten ein System, welches einen Sensor hat, der die Farben prüft. Rot ist dann Rot, Grün Grün, Blau Blau und Grau Grau. Was das Kalibrieren nicht bringt, ist, ob das was auf dem Bildschirm an Bildern sich zeigt, ein gutes Bild ist. Es ist nur ein technisches Mittel, ein quantitatives Mittel, kein qualitatives. Das weiß jeder, der dieses Mittel nutzt, oder er sollte es wissen. Das Kalibrierungssystem macht keine Inhalte. Wenn man sich auf die Situation der Gesellschaft bezieht kann man die Politik, so wie sie heute betrieben wird auf diese Funktion reduziert sehen. Nur, dass es hier nicht um Monitore oder andere Ausgabegeräte geht sondern um […]

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„Ein Trauerspiel in der komischen Oper“: ARD-Kommentar von Evi Seibert – nicht komisch

Politischer Untergang. Foto: Hufner

„Ein Trauerspiel in der komischen Oper“ überschreibt Evi Seibert in einem ARD-Kommentar ihren Artikel. Das macht neugierig. Denn, fragt man sich, was ist denn schon wieder in der Komischen Oper los. Es ist ja doch klar, wenigstens das, dass es nicht um eine Analyse eines „Trauerspiels“ geht, so wie man es vielleicht von Walter Benjamin kennt. Sondern um die „Komische Oper“ in Berlin. Nur macht die keine negativen Schlagzeilen, soweit ich das aktuell verfolgen konnte. Interessant! Man liest da gleich vorneweg: „Die Beförderung Maaßens war eine Entscheidung, bei der es nur Verlierer gibt – und steht symptomatisch für die Verfassung der Großen Koalition. Eine funktionierende Regierung sieht anders aus.“ Also Pustekuchen. Augenblicklich ist klar: Es geht gar nicht um die […]

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