Turbo-Populismus

Bambi im Wald. Foto: Hufner

Gestern abend ein neues Wort gefunden und zumindest Google findet es sonst nicht. Auch dieses Wort passt gut in die aktuelle Lage: Turbo-Populismus Kritische Masse vom 5. Juni 2005. In bestimmten Momenten erfasst Turbopopulismus das Treiben von Bloggern, Politikern und „offiziellen“ Medien ganz prima. Usprünglich 5. Juni 2005. Beliebt immer wieder: Dazu gehört auch der Versuch, Verbrechen mit Dummheit zu bekämpfen.

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Zustand der Soziologie (nach Amazon-Verkaufsrang)

Verkaufsrang Soziologie 27.1.2020 bei Amazon

Ich weiß zwar gerade auch nicht mehr, was Soziologie ist, aber wenn ich den Verkaufsrängen bei den Amazon-Büchern folge, die dort für diese Rubrik ausgegeben werden, gehe ich davon aus, dass es sich um eine Lifestyle-Sache handelt. Oder präziser Kurz-vor-Die-Style. Oma, Opa, Ruhestand. Gleich vier Einträge. Sarrazin wird hier ebenfalls als Soziologie verstanden. Ein Buch, das seinem Autoren wahrscheinlich eine Vierstundenwoche ermöglichen sollte. Mein Tipp für Thilos nächstes Buch: „Deutschland geht in‘ Ruhestand“

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Die Perücke in der Suppe

Jetzt sind die ersten neun Tage des Jahres 2020 bereits herum. Gut. Wenn man den Empörungswellen auf Twitter so folgt, kann und muss das alles noch verdichtet werden. Es erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit, wenn es in der Klasse sekündlich lauter und lauter geworden ist. Den Grund (oder die Gründe) weiß man ja schon gar nicht mehr. Aber es war alles sofort total wichtig. Dabei war das meiste davon einfach ziellos in die Gegend gebrüllt. Ich erinnere mich aber auch noch gut daran, dass sehr genau beobachtet worden ist, wie die Lehrerinnen und Lehrer den Versuch unternommen haben, das zu beenden. Oder zu steuern. Gegenbrüllen! Schweigen! Leise Reden! Rausgehen? Aber ich erinnere mich nicht, was geholfen hat – […]

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Nähe und Distanz | Moment und Dauer | Technik und Sinn

Ein Mensch hört einem Musiker zu.

In seinem Beitrag für die September-Ausgabe der nmz geht unser Autor Hans-Jürgen Schaal der Frage nach, wie die Art und Weise der Musikdarbietung durch technische Hilfsmittel die Art und Weise des insgesamt Hörens verändert. Welche Folgen hat das Streaming von Musik für das Hören von Musik. „Die Wahrnehmung von Musik wird zunehmend atomisiert – sie schrumpft auf Moment-Erfahrungen.“ Eine Momentkultur entsteht. Vor vier Jahren habe ich darauf bereits in einem Artikel mit dem Titel: Das Geschäft mit der Flüchtigkeit hingewiesen. Das erinnert ein bisschen an die Zeit, als um die Jahrhundertwende (vom 19. zum 20. Jahrhundert) die Großstädte ins Visier der soziologischen Betrachtung fielen. Das Gedränge auf der einen Seite, die auf der anderen Seite eine Distanzierung zur Folge hatte. […]

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Die Reize der Regression – Maria O. und ihre (!) Geschlechtsgenossinnen

Crime Scene. Foto: Hufner

Nachdem Frau O. neulich schon die Antisittenpolizei auf den Plan gerufen hatte, hat sie nun in einem Facebookeintrag nachgelegt. Sie äußert sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur „Causa Domingo, Metoo und Freud“. Besonderes Vergnügen empfinde ich an ihrem Punkt 2 aus der Aufzählung von vier „Argumenten“. „Wie viele mehr oder minder mächtige Männer saßen Frauen gegenüber, die ihre Karriere mit Augenaufschlag und Hauchstimmchen, transparenten Blusen und minimalen Röcken beschleunigen wollten? Ein Hoch auf alle Männer, die solche Ladies ignoriert oder rausgeworfen haben. Bis heute ärgern mich Frauen, die nicht um der Liebe willen, sondern allein auf den beruflichen Vorteil bedacht ihre Reize voll eingesetzt und ausgespielt haben. Besonders niederträchtig: sich hinterher über den Chef und seine Stielaugen […]

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Widerspruch: Maria O.s Kommentar zum „Fall“ Placido D.

Behandlung wäre gut. Foto: Hufner

In einem Kommentar zum „Fall“ Placido D. hat sich die Musikjournalistin Maria O. positioniert. Sie wird als Verteidigerin des Sängers angekündigt. Der Text wird von zahlreichen Personen aus dem Musikleben als brillant bezeichnet. Aber er ist im Kern nur eine Meinung und dazu eine, die selbst mit den Mitteln agiert, die sie anderen vorwirft. Sie schreibt da: „Der Fall zeigt, wie erbarmungslos eine schnell urteilende, teilweise moralinsaure Erotikpolizei über einen Menschen herfällt und sein Lebenswerk zerstört.“ Nun wird man beim Begriff einer „moralinsauren Erotikpolizei“ spätestens aufmerksam. Was kann das denn sein, eine Erotikpolizei, welche Befugnisse sind ihr eigen, wer hat sie wie ausgestattet. Welche Bedeutung kann ihr Urteil haben. Der Vorgang ist ja vielmehr, dass eine Presseagentur eine Recherche betrieben […]

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Propaganda heute – Theodor W. Adorno vor 50 Jahren gestorben

Wiesengrund. Foto: Hufner

Heute jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Theodor W. Adorno. Hans-Jürgen Schaal hat sich in der aktuellen nmz mit seinem Konzept einer “informellen Musik” auseinandergesetzt, die er bis in seine Jugend und aus ihr heraus rekonstruiert. Ein paar Sendungen im Rundfunk, die an Adorno erinnern, hat Martin Hufner gesammelt – viel ist es nicht. Da steht allerdings nicht alles drin. Zum Beispiel fehlt Michael Rebhahns “etwas andere Interview”, das man online nachhören kann und das sich eher mit kulinarischen Fragen beschäftigt. Noch mehr vom SWR finden Sie hier. Im Südosten dann: “Wer hat Angst vor Theodor W.?” von Bernhard Neuhoff auf BR-KLASSIK. “Adorno und der Jazz” hat ein kleiner Beitrag bei den Österreichischen Kolleginnen von Ö1 zum Gegenstand. […]

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Vom Elend des Modernen: Das neue Sounddesign auf Bayern 2

Sounddesign ist wichtig. Sounddesign muss sein. Es ist eine exakte Technologie, die zudem ungeheuer kompliziert ist. Im Fersehen und Radio sind Veränderung zwar nicht häufig, aber durchaus durchdringend. So wie eben auch die Sendestationen (vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) dann ihren Stationsnamen ändern, das Logo, die Webadresse. Da ist eine Änderung an Jingles und Stationskennungen fast eine unmerkliche Änderung. Die ist aber ab und zu nötig, sagen diejenigen, die das veranlassen. Jetzt also Bayern 2: Der Jingle vor den Bayern 2-Nachrichten oder zu Beginn einer Sendung, aber auch diverse Jingles für Rubriken wurden modernisiert, sodass sie in der akustischen Tradition von Bayern 2 klingen, aber eben auch moderner. [Quelle] Genau, so wie Schumann in der akustischen Tradition Beethovens steht, nur […]

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Enzyklopädie der Neuen Musik: „Eigene Welten“

Eben noch gelesen und schön verblüfft. Der NDR verkündet im Rahmen seiner Website zur aktuellen Composerin in Residence: „U. C.s tänzerische und hoch anspruchsvolle Musik entführt in ganz eigene Welten.“ Was die Autorin vielleicht sagen wollte: Die Komponistin macht ihr eigenes Ding mit beatloser Tanzmusik, wo man einfach mitmuss und was man vorher nie zu hören bekam, weil es die Welt der Komponistin ist. Es ist ihre Welt oder zumindest irgendeine eigene, jedenfalls keine, die einem selbst gehört. Weil deren Musik aber auch hochansprchsvoll ist, darf diejenige, die sie hört, wenn sie sich entführen lässt, zu Kreis derjenigen zählen, die auch dieses Niveau selbst erreicht. Schafft man es nicht, war für einen der Anspruch wohl zu hoch. Dann muss man […]

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Die Nullte Gewalt

Ein toter Vogel. Foto: Hufner

Heute kann der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas seinen 90. Geburtstag feiern. Den meisten unserer Leserinnen und Lesern dürfte er nicht aufgefallen sein durch eine besondere Affinität zu musikalischen oder auch im weiteren Sinn ästhetischen Fragestellungen. Gleichwohl ist er einer der bedeutendsten Vertreter in Fragen der Analyse von Veränderungen im Gewebe der Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Kommunikation. In seinem Buch “Faktizität und Geltung” hat er kurz einen Faden aufgegriffen, der heute seine volle Wucht entfaltet hat. Er schreibt dort beispielsweise: “Die Personalisierung von Sachfragen, die Vermischung von Information und Unterhaltung, eine episodische Aufbereitung und die Fragmentierung von Zusammenhängen schießen zu einem Syndrom zusammen, das die Entpolitisierung der öffentlichen Kommunikation fördert. Das ist der wahre Kern der Theorie der Kulturindustrie” (Frankfurt 1997 [1992], […]

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