Verklaufen™

Sphäre. Hufner

Nach einem Durchtippfehler fiel mir auf, dass mir ein — wie ich finde — schöner Neologismus geglückt ist. Das neue Wort trifft sehr gut eine Verhaltensweise der Musikwirtschaft (aber wohl auch andere Wirtschaftsressorts). Also hier: Verklaufen™ Anwendung: Jemand will einem etwas, was einem selbst gehört verklaufen. Im Besitz von etwas sein, was man nicht besitzen kann, aber jemand anderem, vorzugsweise allen, gehört. Verklauf ist das zentrale Geschäftsfeld der sogenannten Creative Industries. Anwendung: Apple verklauft Downloads. Parteien verklaufen politisches Engagement. Beitrag aus der Kritischen Masse vom 15. Juli 2005.

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Toleranz

Brandenburger Tor. Foto: Hufner

die. Ich war vielleicht nicht immer gegen Toleranz, aber schon seit vielen Jahren. Denn Toleranz ist ein Zeichen für Respektlosigkeit. Man toleriert sich zu Tode. Dagegen war ich immer für Diskussion mit Argumenten. „Toleranz ist tot“ – der Begriff ist leer. Es kommt drauf an, was man zu sagen hat, nicht auf das, hinter welchen Werten man sich verschanzt, um dann tolerant in der eigenen Burg zu wüten. Einvernehmliche Soziophobie. Aus der Enzyklopädie der Kritischen Masse (2015)

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Otto Normalverbrecher

In den Alltag gekrochen. Foto: Hufner

der, die, das Otto Normalverbrecher Personen, die das Verbrechen gegen die Menschlichkeit/Menschheit in ihren Alltag übernommen haben, ohne die Art und Weise ihre Menschenfeindlichkeit erkennen zu können. Sie treten zur Zeit in verstärktem Maße (wieder) auf. Dafür haben sich verschiedene gesellschaftliche oder scheinreligiöse Gruppen eingerichtet, die ihnen Schutz gewähren. Otto Normalverbrecher decken Otto Normalverbrecher. Der Verfassungsschutz beobachtet sie nicht. Sie sind Inventar der Politik und der Stimmung. Hannah Arendt fand dafür einmal in anderem Zusammenhang den Begriff der „Banalität des Bösen“. Damit ist nicht eine Verniedlichung gemeint, sondern die Verbreitung des Bösen in den Schwamm der Gesellschaft. Das Böse ist ein Zustand der Normalität, resistent gegen seine Selbsterkenntnis. Aktive Selbstverdummung durch Einbildung irgendeiner Angst. Sie verhindert den unverstellten Blick auf […]

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Kunsthandel

Handelsware. Foto: Hufner

Kunsthandel, der Handelt mit Gegenständen, denen Kunstcharakter durch Setzung zugesprochen wird. Handelt dem entsprechend theoretisch mit allem; auch mit Gegenständen, denen ausdrücklich kein Kunstcharakter zugesprochen wird, wenn damit die Zuweisung der Abweisung des Kunstzuspruchs bestimmt Bezug nimmt. Abzugrenzen von Händelsware.

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Medienkompetenz, die

pree im Spiegel. Foto: Hufner

Medienkompetenz, die: Kompetenz der Medien, auf Medien einzuwirken. Die Medien fühlen sich zuständig für den Menschen. Medien brauchen Kompetenz, nicht Menschen, wie vielfach angenommen wird. Überhaupt wird die Bedeutung der Kompetenz überbewertet. Ich bin kompetent in Kloreinigung und Rülpsen. Mein Nachbar kennt sich gut aus mit Autos. Ich habe früher nur Quartett gespielt und hatte Matchboxautos. Ich wusste, was es gab. Kompetenz im Umgang mit Computern fordern immer wieder mal ziemlich viele. Man werde abgehängt, wenn man sich nicht früh genug daran mache, ein Smartphone mit einem Desktop-PC zu koppeln und mit irgendwelchen Apps zu synchronisieren? Das Problem mit der Medienkompetenz ist doch ein ganz anderes. Man braucht sie nicht. Man erwirbt sie mit der Zeit. Eine ganze Generation von […]

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Lebenswertes Deutschland

Bernd Neumann. Foto: Martin Hufner

Heute eine neue sinnlose Umfrage. Seit ein paar Stunden haben wir in Germania eine neue Regierung. Die will Kultur als Investition und nicht als Subvention sehen, so gesagt von Frau Kanzler und wiederholt von jemand, der dem Kohl seinerzeit in Bremen das Pult mit verjuckten Worten überließ. Da war der Alt-Kanzler etwas maulfaul, was Spenden angeht und was er so unter Ehre versteht. So hat der Kanzler seine und mancher Berliner Türke die seine und sowieso alle die ihre. So sieht sie aus, die christlich-islamische Wertegemeinschaft in Europa. Man muss wieder zu etwas stehen können, braucht einen Halt in dieser ziellosen wirren Zeit, wo man nicht mehr in öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie selbstverständlich älteren Personen seinen Sitzplatz anbietet. Das können andere […]

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Nutzungswert [Enzyklopädie der Kritischen Masse]

Krampf. Foto: Hufner

Die heutige Pressemeldung aus dem Hause der Deutschen Phonoverbände mit dem Titel: Forum der Rechteinhaber fordert angemessene pauschale Vergütungen und effektivere Regeln zur Pirateriebekämpfung im Urheberrechtsgesetz ist ein bisschen pikant. Die pauschalen Vergütungen auf Geräten und Leermedien befinden sich auf dem Stand von 1985. Die Bundesregierung hat bereits in zwei Vergütungsberichten festgestellt, dass sie nicht mehr angemessen, das heißt zu niedrig, sind, ohne hieran jedoch etwas zu ändern. Wenn schon der Gesetzgeber die Privatkopie erlaubt, also die Rechte des Urhebers durch Ausnahmen eingeschränkt werden, fordern die Rechteinhaber wenigstens eine angemessene pauschale Vergütung. Deren Höhe wird vornehmlich durch den Nutzungswert der urheberrechtlich geschützten Werke und Leistungen bestimmt und weniger durch den Preis der Geräte und Trägermedien. Nutzungswert! Was ist denn das für ein […]

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Wortmüll: Vorratsspeicherung von Daten

Vorratsdatenspeicherung. Foto: Hufner

Unter der Überschrift „Vertrauen der Bürger in elektronische Kommunikation gestört“ kann man heute im Informationsdienst des Deutschen Bundestages etwas über den Versuch des Rates der Europäischen Union erfahren, Daten auf Vorrat zu speichern. Nun, das könnte man ja noch einigermaßen interessant finden, wenn es sich um die Speicherung von Wissen und Kunst handeln würde. Doch darum geht es nicht. Betroffen seien vielmehr Betreiber öffentlicher Kommunikationsnetze oder Anbieter öffentlich zugänglicher elektronischer Kommunikationsdienste. Als Hintergrund vermutet die FDP-Fraktion nicht erwiesene Effekte für die Strafverfolgungsbehörden und befürchtet dagegen den Vertrauensverlust der Bürger in E-Kommunikation und Telefon. Das ist ehrenhaft, obgleich das Vertrauen heute schon so erschöpft sein dürfte, dass es auch egal zu sein scheint. Da hilft nur die Kommunikationsüberflutung, die schließlich auch […]

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