Gewissen, das

Dei Maus auf der Flucht. Foto: Hufner

„Aber man gibt den Menschen kein gutes Gewissen, wenn man ihnen sagt, daß sie überhaupt keins zu haben brauchen.“ Helmuth Plessner, Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus (1924), in ders: Macht und menschliche Natur, Gesammelte Schriften V, Frankfurt am Main 1981, S. 30.  

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Zustand der Soziologie (nach Amazon-Verkaufsrang)

Verkaufsrang Soziologie 27.1.2020 bei Amazon

Ich weiß zwar gerade auch nicht mehr, was Soziologie ist, aber wenn ich den Verkaufsrängen bei den Amazon-Büchern folge, die dort für diese Rubrik ausgegeben werden, gehe ich davon aus, dass es sich um eine Lifestyle-Sache handelt. Oder präziser Kurz-vor-Die-Style. Oma, Opa, Ruhestand. Gleich vier Einträge. Sarrazin wird hier ebenfalls als Soziologie verstanden. Ein Buch, das seinem Autoren wahrscheinlich eine Vierstundenwoche ermöglichen sollte. Mein Tipp für Thilos nächstes Buch: „Deutschland geht in‘ Ruhestand“

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Enzyklopädie der Neuen Musik: „Tautochronie“ & „Mensch und Maschine“

Störung auf einer Website.

Eine neue Woche mit Neuer Musik im Radio. Hier Kalenderwoche 38 (16. bis 22. September) 2019. Ein Titel stammt dabei aus meiner Feder „op.3 g für Violine und Tonband“ wars glaube ich. Da ich aber vollständig chronophob (oder war es phonophob, Herr Doktor?) bin, traue ich mich auch nicht zu fragen, ob das wohl jemand errät. Heute vor einem Jahr starb übrigens Paul Virilio, falls sich noch jemand für Dromologie interessieren sollte. Amadé | Natur/Ton/Tanz | Tautochronie | Linie und Block | small difference | Klingende Zeit | Feld | Monologe | Angel of Dusk | Alt-Nürnberg | Psalmenkantate | chordis canam | Vision | Alfabet | Atlas I: In principio | Artefacts #2 | Ekstasis | Aggression | Anatolia […]

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Google wird unterschätzt – von allen Seiten. Oder die Frage: Wo kommen die Bots her und wo geht die Meinungsfreiheit hin

Hängt man am Haken. Foto: Hufner

Bei den ganzen „Diskussionen“ um die Zukunft von Kreativität im Zeitalter des wilden Internet-Kapitalismus von Unternehmen, die viel von Technologie verstehen, viel von Steuerrecht (finanziell und im Sinne von Führung von Menschen), haben es Individuen, die sich in vergleichsweise kleinen Gruppen zur Vertretung ihrer Rechte zusammentun, schwer. Dass ihnen nun auch noch Steine in den Weg gelegt werden von denen, die an ihrer Tätigkeit partizipieren, erstaunt einen dann doch sehr. Dass es ihnen nicht gelingt, aus ihrem Egozentrismus herauszutreten, einerseits, und andererseits im Gegenteil diese Personen sich auf die Seite der Mächtigen Technologieunternehmen schlagen, macht einen gerade schon unglücklich. Dabei werden schon mal Begriffe transformiert oder Texte umgelesen, die dann in ihrer neuen Leseweise zu ein Eigenleben entwickeln, Die Geschichte: […]

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Beleglose Argumentation, die

Musikerinnen im Einsatz. Foto: Hufner

Eigentlich nicht möglich, ohne Beleg, zu argumentieren. Eine Argumentation braucht Argumente, wenigstens mindestens eines. Im Moment, anders als das papierlose Büro, das nie Realität wurde, boomt die beleglose Argumentation (übrigens nicht nur im Internet). Als Bedingung dafür ist Voraussetzung, dass man etwas gehört oder aufgeschnappt hat. Das reicht. Man muss es dann im Zweifelsfall auch nicht einmal zitieren. Der Vorteil der beleglosen Argumentation liegt auf der Hand. Man kann ihr nicht mit Argumenten widersprechen. Sondern nur mit belegloser Argumentation; oder in dem man sich erst gar nicht auf die Diskussion einlässt, sondern gleich die Geschäftsordnung anruft. Zuerst in der Kritischen Masse vom 1. März 2016. Nachtrag: Beispiel: Heute die Fragestunde zur Urheberrechtsreform mit etwas absurden Beiträgen seitens der FDP, der […]

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30 Jahre Internet – Selbstkontrolle und das Elend einer kritischen Öffentlichkeit

Technik und Natur. Traktor und Gülle. Foto: Hufner

Die Kontrollfähigkeit des Netzes und seiner Bewohnerinnen fängt an, diese Kontrolle gegen sich selbst auszuüben. Nicht nur die Institutionen sind es, die einen tracken, auch nicht die kommerziellen Angebote von Pornoplattform bis Schuhgeschäft, die Menschen setzen sich gegenseitig unter Verdacht und das konsequent, sofort und mit einem gelegentlich gerne zujubelnden Mob in der Tasche. Egal, was man in dieser Öffentlichkeit sagt, es wird gegengelesen und je nach Interessenlage kommentiert, korrigiert, aber auch diffamiert, diskreditiert, gemobbt, gestalkt – aber auch verfälscht und verfälschend verbreitet. Gerne auch von den Personen, die das sonst kritisieren. Fake News kommt nicht nur von einer fehlgeleiteten Presse.

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Verklaufen™

Sphäre. Hufner

Nach einem Durchtippfehler fiel mir auf, dass mir ein — wie ich finde — schöner Neologismus geglückt ist. Das neue Wort trifft sehr gut eine Verhaltensweise der Musikwirtschaft (aber wohl auch andere Wirtschaftsressorts). Also hier: Verklaufen™ Anwendung: Jemand will einem etwas, was einem selbst gehört verklaufen. Im Besitz von etwas sein, was man nicht besitzen kann, aber jemand anderem, vorzugsweise allen, gehört. Verklauf ist das zentrale Geschäftsfeld der sogenannten Creative Industries. Anwendung: Apple verklauft Downloads. Parteien verklaufen politisches Engagement. Beitrag aus der Kritischen Masse vom 15. Juli 2005.

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Toleranz

Brandenburger Tor. Foto: Hufner

die. Ich war vielleicht nicht immer gegen Toleranz, aber schon seit vielen Jahren. Denn Toleranz ist ein Zeichen für Respektlosigkeit. Man toleriert sich zu Tode. Dagegen war ich immer für Diskussion mit Argumenten. „Toleranz ist tot“ – der Begriff ist leer. Es kommt drauf an, was man zu sagen hat, nicht auf das, hinter welchen Werten man sich verschanzt, um dann tolerant in der eigenen Burg zu wüten. Einvernehmliche Soziophobie. Aus der Enzyklopädie der Kritischen Masse (2015)

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Happylepsie

Francisco de Goya y Lucientes: Zeichnungen für »Los Caprichos«: »Neunzehnter Traum, Die alten Lachen sich tot, weil sie wissen, daß er nicht einen Pfennig besitzt«, 1797–1798, Feder in Sepia, mit Chinatusche laviert, auf Papier, 24,5 × 18,5 cm. Madrid, Museo del Prado.

die, das, des, der, dings, dusel, dasel, Verkrampfter Lachanfall, vozugsweise beim Rezipieren von Telemedien oder Sozialmedien. Ursache: Unter H. leiden all diejenigen, die vor Schreck nicht mehr heulen können. Rauschhafte Erkrankung des Nervensystems, das in dialektischer Umkehr, das Gegenteil von dem bezeugt, was diese Person gerade fühlt. Folgen: Muskelkater, feindliche Haltung von Mitmenschen Therapie: Aus dem Fenster gucken. Menschen meiden. Keine sozialen Medien nutzen. Witzebuch kaufen. Guinnessbuch der Rekorde. Samuel Beckett: Watt! Selbstgehostetes Blog eröffnen oder Support ein solches übernehmen und Selbstkontrolle wiedererlangen. Viel Trinken, aber nicht zu viel.

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Volksanmaßung, Volksfälschung

Achtung. Halt! Foto: Hufner

Punkt 1: Unter Volksanmaßung versteht man das Fürsichgeltendmachen eines ganzen Volkes zur Durchsetzung höheren oder einfachen Rechts. Bestimmte kleine Volksgruppen maßen sich dabei an, sie stünden für ein ganzes Volk. Sie maüßen sich die Repräsentation der ganzen Gruppe an, sind aber nur eine kleine Gruppe. Zur Zeit in Deutschland verbreitet bei Männern die sich zu Gruppen zusammenrotten, um den Satz „Wir sind das Volk“ zu grölen. Dabei beziehen sie sich auf ein historisches Ereignis aus dem Jahr 1989, als die Bevölkerung der DDR diesen Satz gegen die politische und persönliche Unterdrückung des dort herrschenden politischen Systems einsetzte. Aus Staatssicht waren damals die Bevölkerung nämlich „Volkes eigen“. Der Spruch leitet sich aber aus einer Situation her, als es in der DDR […]

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