Die Armut der Argumente bei der WELT und „jeder irre Nazihaufen“

Bambi im Wald. Foto: Hufner

Was zum Teufel ist bei der WELT nur los. Erst vergaloppiert sich der Chefredakteur Ulf Poschardt, dann korrigiert ihn sein Kommentator Alan Posener, schließlich werden bei der WELT-Kolumnistin Birgit Kelle irre Nazihaufen fast schon zu Verteidigerinnen der Grundrechte, im Gegensatz zu Aktionskünstlern. Bitte? Bitte! Kelles Sorgen möchte ich wirklich nicht haben. Gewiss, mag sein, dass sie ihre Sorgen mit dem Zentrum für Politische Schönheit so hoch (oder tief) hängt, dass da immer noch genug Sorge vor „Nazihaufen“ bleibe. Aber so wird man es eher nicht lesen, so dürfte es kaum gemeint sein. Zumal der Vorwurf, das die(se) Künstler darüber entscheiden würden, wer in diesem Land noch Grundrechte genießen dürfe, etwas weit hergeholt (um ehrlich zu sein: Von jenseits der Vorstellungskraft) […]

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Ulf Poschardt: Die WELT als intellektuellenbefreite Zone

Die subventionierte Kunst im bequemen Elfenbeinturm. So sieht es Ulf Poschardt. Foto: Martin Hufner

Manchmal weiß man nicht mehr, was den einen oder anderen Chefredakteur einer Zeitung umtreibt. Hier hat sich Ulf Poschardt im Zusammenhang mit den Veränderungen in der CDU weit aus dem Fenster gelehnt und zu bestimmen versucht, welcher Art und wessen Geistes die Intellektuellen oder Künstler in diesem Land sind. Er sagt da wirklich: „Die Intellektuellen und Künstler sind entweder umfassend subventionierte Kostgänger des Staates und singen in bequemen Elfenbeintürmen das linksidealistische Lied – oder sie fantasieren sich als Kunst-Jakobiner in die Allmacht des Staates.“01)Ulf Poschardt: Die kulturelle Katastrophe des Scheiterns von Friedrich Merz. WELT-Online. Die WELT als intellektuellenbefreite Zone Mit anderen Worten: In der WELT sind sie nicht zu finden, denn die ist ja nicht eine Institution die der Staat, […]

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Das Internet schließt am 01.07.2019 um 12 Uhr 33 (MESZ)

Das Internet downloaden bei reset.ch

Ja, so ist das. Alles ist dann vorbei. Weil Artikel 13 tritt dann in Kraft irgendwie und dann wird das Internet abgeschaltet. Ja. Keine Frage. Aber so ist das. Folgt dem #hashtag #shaveyourinternet. Echt jezz, kein Spaß. Sagt auch merkur.de „Die Sorgen der YouTuber und ihrer Fans sind auf jeden Fall berechtigt.“ Aber es gibt eine gute Nachricht. Bis zum 1.7.2019 12:33 MESZ kann man das Internet noch benutzen und die ganzen YouTube-Videos gucken. Empfehlenswert sind dabei insbesondere diejenigen zum genannten Thema. Könnte sein, dass die die einzigen sein werden, die den Tod des Internets überstehen, aber leider niemand sie mehr sehen kann. Für die anderen gilt: Jetzt das Internet noch schnell downloaden. Was ist jetzt zu tun? Es ist […]

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Hausmeister einer Kunsthochschule 2007 – Eine Begegnung

Hinter den Kartoffeln her. Foto: Hufner

Es war im Jahr 2007, ich war verabredet zum Gespräch mit Holger Schulze. Das ging erst schief, dann aber klappte es vorzüglich. Mir fällt da gerade beim Aufräumen der „Kritischen Masse“ ein Blogeintrag in die Hände, der deutlich macht: Die Personen, die heute rechtspopulistische Parteien wählen, die gab es damals auch. Natürlich gab es die, aber es gab keine Partei, die ihr Weltbild abbilden hätte können. Die gleichen Töne findet man heute genau so. Die Pointe ist aber auch die gleiche: Ein faktische Kenntnis in realen Dingen ist quasi nicht vorhanden. [Reaktiviert aus der Kritischen Masse vom 28.9.2007] Eine Verabredung zum Gespräch an einer typisch deutschen Kunsthochschule. Termin für 16:40, Raum 312. Unten an der Pforte dann freundliche Nachfrage und […]

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Klimawandel!

Lichterkette. Foto: Hufner

Apropos Klimawandel: Dass es den gibt, erhellt sich allein schon aus der Tatsache, wie sehr die Menschen immer weiter verdummen. (Da schließe ich mich ausdrücklich gar nicht mal bei aus.) Interessant ist, wie die These vom totalen Verblendungszusammenhang dadurch wieder neues Gewicht bekommt. Ein Spaziergang durch das Netz belegt die Situation sehr gut. Da gibt es jetzt tatsächlich so etwas wie zuckerfreie Schulen, da will man Kinder, weil sie nicht mehr sinnentnehmend Lesen können mit zwei Jahren zwangsweise in Kindergärten stecken (anstatt deren Eltern!). Das geht so quer durch die Landschaft zumindest in der Gegend, die ich noch einigermaßen überblicken kann (also Deutschland). Erkrankte Personen sollen sich künftig selbst behandeln. Nein, das müssen sie schon. Gerade im Bereich psychischer Erkrankungen […]

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Shitstorm und 1935 [Karl Mannheim]

Crime Scene. Foto: Hufner

Irgendwie sind Shitstorms manchmal auch nicht weniger als die Schlägertruppen des 21. Jahrhunderts (des Internetzeitalters). Karl Mannheim hat in Mensch und Gesellschaft01)Darmstadt 1958. zu erklären versucht, warum Dikaturen totalitär werden müssen. „Der Widerstand, den moderne Diktaturen zu überwinden haben, ist infolge der vorausgegangenen durchgehenden Aktivierung der Gesellschaft so groß, daß man in die kleinsten Zellen und Verbände (bis in die Stammtischgesellschaften) eindringen muß, um die Macht zu erringen und zu behalten.“[S. 130] Darum braucht man heute (Mannheims Text stammt von 1935) auch einen riesigen Propagandaapparat. Außerdem müsse man bestimmte „Volksgruppen zu Kontrollinstanzen der übrigen machen“ (S. 131). Vieles davon trifft heute in ähnlicher Weise zu. Nur der Begriff der kontrollierenden „Volksgruppen“ ist etwas fluider geworden. Und er ist von der […]

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YouTubes kostenlose Armee der geistigen Verarmung

Alles so stumpf. Foto: Hufner

Ich muss schon sagen, so manche Saftsäcke gehen mir langsam ziemlich auf die Nerven. Im Moment solche, die Online-Plattformen als „kostenlose Werbung“ für den Künstler zwangsweise verticken wollen. Das Schlimme: Sie meines es ja gut, wahrscheinlich, in Wirklichkeit sind sie auch nur schlimme Exploitationsverlängerer. Jawohl. Sieht denn niemand, dass YouTube längst nicht mehr zentral eine Kreativitätsmaschine ist, so wenig wie Ebay Dachbodenverkauf? Aber nee. Die Kreativitätsindustrie nähert sich in Haltung, Gebaren und Gehirnwäsche der guten alten Rüstungsindustrie an. Bald marschieren sie im Namen von Google und YouTube als kostenlose Armee der geistigen Verarmung. PS: Ich mag mich täuschen, aber die genannten Personenkreise nehmen an Zahl immer mehr ab. Aber ihre Aggressivität steigert sich zuweilen. Immer noch so, geschrieben 2001, am […]

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2006 – Als ich einmal fast AOL deinstallierte

Sorry. Kann Probleme geben. Ich habe mal wieder eine neue, unnötige Spamstrategie für nucleus im Einsatz-Versuch. Bisher hat ja alles prima geklappt, es kam fast kein Müll mehr durch. Warum soll das so bleiben? Spamfight ist doch eine schöne Sache, vor allem, wenn man davon nix versteht, so wie ich. Es ist mir so auch mehrfach gelungen, meine eigenen Kommentare auszusperren. So sitzt man wieder mal völlig unsinnigerweise am Rechner und installiert und deinstalliert. Gestern beispielsweise wäre es mir fast gelungen AOL komplett zu deinstallieren: Ich kann mir das Gezeter im Netz dann vorstellen. Bei Heise laufen die Foren heiß. „Wer hat AOL deinstalliert?“ – „Mit Linux wäre das nicht passiert …“ etc. pp. Nachts dann Anrufe von besorgten AOL-Kunden. […]

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Hochschule für Musik und Theater München: Präsident Redmann im Argumentationschaos

Für die Tonne. Foto: Hufner

Die Hochschule für Musik und Theater München kommt nicht zur Ruhe – und sie kommt nicht einmal zu einer geordneten Unruhe. Für BR-KLASSIK hat Bernhard Neuhoff kürzlich den wiedergewählten Präsidenten, Bernd Redmann, für ein Interview gewinnen können. Wir erinnern uns: Es handelt sich um die Hochschule, in der während der alten Amtszeit des Präsidenten Redmann einige höchst ungute Verhaltensweisen seines Vorgängers und wohl auch eines Kompositionsprofessors das Licht der Gerichte erblickten. Während dieser Amtszeit hat deshalb die Hochschule eine Umfrage zu sexuellen Übergriffen am Haus gestartet, die, sagen wir es mal höflich, mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse dieser Umfrage sind nicht wirklich bekannt. Bernd Redmann äußert sich zu dieser Thematik im Gespräch mit Bernhard […]

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Toleranz

Brandenburger Tor. Foto: Hufner

die. Ich war vielleicht nicht immer gegen Toleranz, aber schon seit vielen Jahren. Denn Toleranz ist ein Zeichen für Respektlosigkeit. Man toleriert sich zu Tode. Dagegen war ich immer für Diskussion mit Argumenten. „Toleranz ist tot“ – der Begriff ist leer. Es kommt drauf an, was man zu sagen hat, nicht auf das, hinter welchen Werten man sich verschanzt, um dann tolerant in der eigenen Burg zu wüten. Einvernehmliche Soziophobie. Aus der Enzyklopädie der Kritischen Masse (2015)

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