„Ein Trauerspiel in der komischen Oper“: ARD-Kommentar von Evi Seibert – nicht komisch

Politischer Untergang. Foto: Hufner

„Ein Trauerspiel in der komischen Oper“ überschreibt Evi Seibert in einem ARD-Kommentar ihren Artikel. Das macht neugierig. Denn, fragt man sich, was ist denn schon wieder in der Komischen Oper los. Es ist ja doch klar, wenigstens das, dass es nicht um eine Analyse eines „Trauerspiels“ geht, so wie man es vielleicht von Walter Benjamin kennt. Sondern um die „Komische Oper“ in Berlin. Nur macht die keine negativen Schlagzeilen, soweit ich das aktuell verfolgen konnte. Interessant! Man liest da gleich vorneweg: „Die Beförderung Maaßens war eine Entscheidung, bei der es nur Verlierer gibt – und steht symptomatisch für die Verfassung der Großen Koalition. Eine funktionierende Regierung sieht anders aus.“ Also Pustekuchen. Augenblicklich ist klar: Es geht gar nicht um die […]

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Meinten Sie vielleicht Hitler? [2006]

Meinten Sie vielleicht Hitler?

Wie bitte? Ich suche nur Fotos zum Thema Hitze. Yahoos Zooomr-Technologie. Passend dazu die Meldung aus dem Bundestag: Im Mai dieses Jahres wurden insgesamt 1.177 ausländerfeindliche und rechtsextremistische Straftaten gemeldet. Dies teilt die Regierung in der Antwort (16/2195) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/1950) mit. Die Zahl der Gewalttaten wird mit 88 angegeben und die Anzahl der Propagandadelikte mit 853. Bei 201 Straftaten innerhalb der „politisch motivierten Kriminalität – rechts“ wurde darüber hinaus ein fremdenfeindlicher Hintergrund bei 43 Gewalttaten und bei 47 Propagandadelikten festgestellt. Bei den Straftaten wurden 758 Tatverdächtige ermittelt und 90 Personen festgenommen. Gegen fünf wurde Haftbefehl erlassen. Dabei gab es im Rahmen der rechtsmotivierten Straftaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund 183 Tatverdächtige und eine Festnahme in 33 Fällen. […]

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Früher war es nicht anders: Komponistinnen-Sponsoring im 19. Jahrhundert

Ich sage mal nicht, wo ich das gefunden habe. Ein Pollenflug war schuld daran, dass ich es überhaupt fand. Okay, steht in der Bildunterzeile. Was wäre uns für eine fantastische Oper entgangen, hätte nicht die Brose Unternehmensgruppe die Oper von Dvorak unterstützt. Aber es ist doch wirklich ein Jammer, mit welchen Methoden plötzlich Dinge verbunden werden. Dabei wüsste man gerne mehr, wie denn die großzügige Unterstützung ausgesehen haben mag. Erinnern wir uns doch ganz einfach auch daran, beziehungsweise vergessen wir nie, dass man als Steuerzahler zu den großzügigsten Unterstützern solcher Institutionen gehört, auch wenn es fast nirgendwo erwähnt wird.

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Aus dem Leben eines Taugenichts: Theodor W. Adorno nach Tilmann Krause [Die WELT]

Joseph Werner: Diana von der Jagd ausruhend. 1663, Guache, 11,7 × 16,7 cm.

„Selbst die Studenten, die sich gegen ein Gomringer-Gedicht an der Wand ihrer Hochschule empören, weil es angeblich sexistisch ist, sind in dieser Hinsicht Kinder von Adorno, auch wenn sie den Namen nie gehört haben sollten.“ [Quelle: Die Welt. Tilmann Krause: Der Meisterdenker der 68er taugte einfach nichts] In welcher Hinsicht? „Die Beurteilung eines Kunstwerkes nach moralpolitischen Kriterien.“ Der so argumentiert will damit die Untauglichkeit des Meisterdenkens eines Theodor W. Adorno darstellen. Und hat damit vollkommen ins Weiße getroffen. Man kann nun einfach einmal 1. Adorno nicht über seine philosophische Entwicklung en bloc analysieren und man kann 2. nicht moralpolitische Kriterien als Beurteilungsmethode Adornos entdecken. Das setzte voraus, er habe diese eigenartige Beurteilungsmethode als Grundlage gesehen. Bei jemandem jedoch, der aus […]

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Kunst in den Grenzen der „Demokratie“ von 2018

Leere Wände ins Blaue hinein. Foto: Hufner

Es ist schon alles zur Debatte um die Bemalung einer Hochschulwand in Berlin gesagt worden. Könnte man denken. Denn es gibt zahlreiche Kommentare, Polemiken, Diskussionen zur Verwendung eines Gedichts von Eugen Gomringer im öffentlichen Raum. Da geht es um die Interpretation von Texten, da geht es um Vorwürfe wie Zensur oder Kulturbarbarei, da geht es um die Hochschulautonomie etc. Vorweg: Darum geht es jetzt nicht. Der Austausch einer Wandbemalung gegen eine andere ist – jedenfalls gegenwärtig – sicher keine Zensur im engeren Sinn. Sich daran aufzuhängen ist ein bisschen verrückt. Was interessant ist, ist ja der Vorgang, der a) zur Begründung führte, ein Gedicht als unangenehm für die Betrachterinnen zu sehen (auch darüber muss man nicht streiten, kann man aber) […]

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Gast, Kunde, Übel [Kulturinvest 2017]

Lutherbrötchen. Foto: Hufner

Der Tagesspiegel berichtet von einer Veranstaltung, die er mitorganisiert und schreibt über einen Vortrag von H.C. Brinker, bzw. zitiert ihn sinngemäß: „Der Gast, erklärt Henry C. Brinker, werde in der Met nicht als nötiges Übel angesehen, sondern als Kunde.“ [Quelle: Tagesspiegel Online, Kongress Kulturinvest – Am digitalen Lagerfeuer] Mit Met ist die Metropolitan Opera gemeint. Als Nagtivbeispiel erwähnt er die Pariser Philharmonie. Was daran so erstaunlich ist? Die Sprache der Kulturverwaltung, die offenbar den Gast eben als Übel oder als Kunden sieht. Aber offenbar in jedem Fall nicht als Gast! Beziehungsweise ist eine Transformation zu leisten, die aus einem Gast den Kunden macht. Natürlich hat Adorno diesen „Prozess“ schon vor einiger Zeit kritisiert: „Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie […]

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Enzyklopädie der Neuen Musik: „Gutmenschentremolo“

Kein Feuer. Foto: Hufner

Es sei „einwandfrei politisch korrektes Gutmenschentremolo,“ schreibt Eleonore Büning über die Transit-Performance des Ensemble Kaleidoskop bei den Donaueschinger Musiktagen in ihrer Kolumne des Netzmagazins takt1.de in der „society of music“. Das wundert, denn eigentlich empfand sie die Aufführung ziemlich daneben. Zur Sache sagt sie: „Danach steigt das Ensemble Kaleidoskop aus, flüchtlingsmäßig verkleidet. Baut sich auf in einer Reihe, guckt uns betroffen an, ob wir mit eingeschlafenen Füßen wohl auch inzwischen ein bisschen flüchtlingsmäßige Betroffenheit entwickelt haben und spielt Memory Spaces von Slavnics. Kollektive Erkundung eines Tones und seiner Obertöne. Reine Stimmung, reinen Herzens.“ Um dann den Schluss zu ziehen: „Einwandfrei politisch korrektes Gutmenschentremolo.“ Gutmenschentremolo, das: Wortschöpfung von Eleonore Büning in der „society of music“. Erste außermusikalische Verwendung in der WELTWOCHE […]

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Unterschied von E- und U-Musik

Scrennshot nmz.de (5.10.2017)

Von vielen bestritten und als falsch oder überflüssig empfunden: Die Unterscheidung von E- und U-Musik, also von Ernst und Unterhaltung. Abrechnungstechnisch für die Urheber nicht unwesentlich, empfindet sie manch einer als lästig, grausam und überholt. Die eine Ausfassung ist dem Wunsch, die andere der ökonomischen Realität geschuldet. In der Musikästhetik hält man unter Umständen ganz gerne daran fest, neigt dann das eine dem anderen zu und das anderem dem einen. Die größten Probleme zeigen sich da im und beim Jazz. Da weiß man nie so ganz genau, was was ist. Wenn man nicht dazu tanzen kann, ist es E, wenn doch, dann U. Jetzt hatte ich einmal in der Redaktion des Onlinebereichs der neuen musikzeitung die Chance, das Thema ein […]

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Extended Techniques

Extended Techniques. Prospekt Charles Vögele

Die Initiative Jedem Kind ein Instrument trägt endlich Früchte auch im Bereich der experimentellen neuen Musik. Ein Beleg dafür findet sich im letzten Prospekt der Charles Vögele Switzerland Modefirma. Hier scheint es sich um die Realisation eines frühen Werks eines ungenannten Komponisten zu handeln, vermutlich aus der Gruppe der sonst abgebildeten Personen. Das Bild zeigt zugleich die kommunikative Funktion von Musik im alltäglichen Leben.  Eine Einlandung zum gemeinsamen Musizieren am gleichen Instrument. Das rockt. „Kannst du die Flöte blasen, so lass den Kindern ihre Pfennigpfeifen.“ Sprichwörterlexikon: Flöte. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 11421 (vgl. Wander-DSL Bd. 1, S. 1078) „Wer nicht Flöte blasen kann, muss Zither spielen.“ Sprichwörterlexikon: Flöte. Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 11422 (vgl. Wander-DSL Bd. 1, S. 1078) „Wenn Gott der […]

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