You Tube The World

In einer Studie, die Google beauftragt hat, sollte eine investigative Forschungseinheit untersuchen, ob You Tube den Musikmarkt kannibalisiere. Irgendwie interessiert das so wirklich eher niemanden. Im deutschsprachigen Raum finden sich kaum Lektüren des Textes, der „Privileged and Confidential“ ist und unter dieser Adresse als PDF gelanden werden kann. Nun, es ist ja auch klar, warum sollte man sich des Themas annehmen, wenn man von vornherein eigentlich schon keine besonders „objektive“ Untersuchung erwarten konnte. Freibier kannibalisiert auch schließlich auf keinen Fall Kaufbier. Aber immer mehr machen sich ihr Bierchen selbst. Wem das nicht reicht, der kann auch Leitungwasser abfüllen und „Bier“ drauf schreiben. Man muss sich dem nicht widmen. Die Autorinnen der Studie schreiben zu Erklärung der Grafik: „The solid red […]

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Sprachpsychologischer Irrtum: mehr wäre weniger

unterdurchschnittlich. Screenshot

Mit der Sprache ist es nicht immer einfach. Der Bayer kennt ja die doppelte Verneinung, die das Verneinte doppelt verneint. Aber in der Wissenschaft ist das natürlich anders. Der Deutschlandfunk hat da eine Nachricht so eingeleitet. „In Europa lag diesen Winter unterdurchschnittlich wenig Schnee.“ [Deutschlandfunk, Website] Gemeint war aber, wenn man die Meldung genau liest, dass in diesem Jahr besonders wenig Schnee in Europa gelegen haben soll, nämlich weniger als sonst, verglichen mit anderen Jahren. Also „überdurchschnittlich wenig“. Oder „unterdurchschnittlich viel“. Die Autoren der Überschrift muss ein sprachpsychologischer Irrtum befallen haben. Mehr kann doch nicht weniger sein. Wieder mal ein Beispiel dafür, wie uns die Lügenpresse – oder hier der Lügenrundfunk hinter das Licht führen will. Mehr ist nicht weniger, […]

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Relevanz und Firlef-

Kommunikation des Missverständnisses. Foto: Hufner

Durch einen Versuch eines Eintrags in die deutsche Wikipedia gelernt, was Relevanz ist. Relevanz ist ein bloß bürokratisches Kriterium der Geistesbürokratie. Also ein recht objektives Mittel, sich vor einer Entscheidung zu verstecken. Die Menschen entscheiden sich immer seltener. Unter Journalisten im Musikbereich bescheidet man sich dagegen hinter den über Befragungen erhobenen Fakten. Die eigene Willensbildung geht auf in einer Montage von Zitaten, die aber nicht sprechen, sondern selbst Produkte anderer Zitate, anderer übergezogener Hülsen sind. Auf der anderen Seite ein Verfall der Kritikfähigkeit von Kritikern, die immer mehr nur noch somatisch oder im Facebook-Stil erfolgt (siehe Beispiel Stilpirat). Die Angst vor dem Wissen der Welt, wie sie das Netz herstellt, erdrückt vor allem das experimentelle und das simple Wissen. Dabei […]

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Selbsthilfe für Promovierte (Null Respekt vor dem Respekt)

Osten. Foto: Hufner

I. Wenn mich nicht alles täuscht, legt die Bundesregierung ein Programm auf, dass den Austieg aus der Promotion erleichtern soll. Immer häufiger kommt es ja zu Promotionsfehlern. Doktorarbeiten wurden abegschrieben, in wissenschaftlicher Hinsicht ungenügend angelegt. Hier in Kleinmachnow um die Ecke hat gerade eine CDU-Fraktionsvorsitzender darum gebeten, dass man ihm den Titel wieder aberkenne. Die Reaktionen sind überwiegend freundlich. Graf trat den Schritt von sich aus, nicht, weil er „entdeckt“ wurde. Mit … wird dieser Vorgang über die Parteigrenzen hinweg gesehen. SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte zur Rückgabe des Doktortitels: „Ich habe Respekt vor diesem ausreichenden Schritt des Fraktionsvorsitzenden Florian Graf, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite.“ (So im Tagesspiegel) Im gleichen Artikel wird Piraten-Geschäftsführer Martin Delius zitiert: „Jemand, der ehrlich seine […]

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Soziologen-Clowning … „Es erreicht Bücherschränke“ [Luhmann]

Medien. Foto: hufner

Immer wieder ist Niklas Luhmann, der Soziologe, für eine Grotestke gut. „Soll der Text Wissen werden, soll er also die noch nicht geführte Kommunikation vollenden, muß er einen Leser finden. Aber wie? Die Publikation sichert nicht, daß das Buch gelesen wird; schon gar nicht, wenn vor allem Bibliotheken es kaufen. Das Zusenden von Büchern an ‚Multiplikatoren‘ ist ebenfalls kein wirksamen Mittel, Lektüre zu erreichen. Es erreicht Bücherschränke.“01)Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt 1992, S. 157. Da spricht mir einer aus dem Herzen, oder aus Erfahrung. Oder aus beidem. Und heute kann man ergänzen, im Einzel- oder Vielfall, es erreicht die Datenbank einer Suchmaschine. Dort erreicht es dann gegebenenfalls jemand anderen, nämlich den Plagiator. Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Niklas […]

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Wittgenstein und die Lorbeeren

Ein Stein von Wittgen. Foto: Hufner

Gerade gefunden, zwei Stellen über Lorbeeren bei Wittgenstein, die in einem Zusammenhang denkbar wären. Zuerst eine Sentenz, die auch einem Poeten gut zu Gesicht stünde: Auf seinen Lorbeeren auszuruhen ist so gefährlich, wie auf einer Schneewanderung ausruhen. Du nickst ein, und stirbst im Schlaf. [1939-40]01)Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 499. Dagegen oder daneben: Die populär-wissenschaftlichen Schriften unserer Wissenschaftler sind nicht Ausdruck der harten Arbeit, sondern der Ruhe auf ihren Lorbeeren. [1941]02)Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 508. Also ein Einnicken und im Schlaf sterben? Das passt nicht so zusammen. […]

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