Produzent und Parasit (Michel Serres)

Medizinische Instrumente. Foto: Hufner

„Dem Produzenten geht es um den Inhalt, dem Parasiten um die Position. Wer sich um die Position kümmert, wird den, der sich um den Inhalt kümmert stets schlagen. (…) Wer mit dem Inhalt umgeht, geht mit dem Objekt um. Er ist Künstler, auch Wissenschaftler, und es geht allein um die subtile, listige, aber nicht betrügerische Beherrschung der Welt. Wem es um die Position geht, der geht an die Beziehungen zwischen den Subjekten heran; er gewinnt so die Herrschaft über die Menschen. Und wer Herr über die Menschen ist, ist Herr über die Herren der Welt.“ 01)Michel Serres: Der Parasit, Frankfurt am Main 1987, S. 63 f. Umgekehrt heißt das, dass sich Künstler und Wissenschaftler das Beherrschungsrepertoire aneignen müssen. Das versuchen […]

Weiterlesen

Großer Wunderlicher …

Schiller war schon schlauer. Foto: Hufner

Der Chefredakteur der MusikWoche ist ulkig geworden. Er beschwört in letzter Zeit die Bedeutung der GEMA in einigen Texten in einer Weise, die nachdenklich macht, weil sie so schief sind. „Selbstverständlich gibt es oft genug berechtigte Anlässe für Kritik – es wäre unheimlich, würde ein solcher Apparat völlig geräusch- und reibungslos funktionieren.“01)Manfred Gillig-Degrave: Apropos: GEMA-Kritik mit der Ressentimentkeule Die Formulierung ist gut. Es gibt berechtige Anlass für Kritik, sonst wäre die Gema einem ja unheimlich. Reibungs- und geräuschlos wäre die Arbeit eben nicht gut, weil sie dann gut wäre. Da steckt wohl eher ein Motiv aus der Literatur dahinter. Pistolen mit Schalldämpfer, Dinge, die man totschweigt oder derart. Anders müsste man es ja nicht erwähnen, wenn es doch eine Binse […]

Weiterlesen

Selbsthilfe für Promovierte (Null Respekt vor dem Respekt)

Osten. Foto: Hufner

I. Wenn mich nicht alles täuscht, legt die Bundesregierung ein Programm auf, dass den Austieg aus der Promotion erleichtern soll. Immer häufiger kommt es ja zu Promotionsfehlern. Doktorarbeiten wurden abegschrieben, in wissenschaftlicher Hinsicht ungenügend angelegt. Hier in Kleinmachnow um die Ecke hat gerade eine CDU-Fraktionsvorsitzender darum gebeten, dass man ihm den Titel wieder aberkenne. Die Reaktionen sind überwiegend freundlich. Graf trat den Schritt von sich aus, nicht, weil er „entdeckt“ wurde. Mit … wird dieser Vorgang über die Parteigrenzen hinweg gesehen. SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte zur Rückgabe des Doktortitels: „Ich habe Respekt vor diesem ausreichenden Schritt des Fraktionsvorsitzenden Florian Graf, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite.“ (So im Tagesspiegel) Im gleichen Artikel wird Piraten-Geschäftsführer Martin Delius zitiert: „Jemand, der ehrlich seine […]

Weiterlesen