Postfaktisch?

Gymnastik. Foto: Hufner

Kein Wort wird gegenwärtig wahrscheinlich so gerne und umfassend genutzt wie die Rede vom postfaktischen Zeitalter. Dabei ergibt es keinen Sinn. Gemeint sei, laut Wikipedia, „Der Begriff postfaktische Politik bezeichnet ein politisches Denken und Handeln, bei dem evidenzbasierte Fakten nicht mehr im Mittelpunkt stehen.“ [Wikipedia] Was man aber wirklich meint, ist, das gelogen wird auf Biegen und Brechen. Weil man die Daten anders liest und versteht. Das passiert in der Politik und in der Wissenschaft aber fast immer und überall. Es wäre falsch anzunehmen, dass es überhaupt „Fakten“ gäbe. Vielleicht gibt es Ereignisse, nämlich all das, was sich ereignet. Aber das wären wirklich eben nur Fakten, die schlechterdings vollkommen sinnlos sind, sofern sie eben nicht auch etwas bedeuten. Sobald sie […]

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Fotografie ist keine Kunst

Die Kunst, kein Haus zu bauen. Foto: Hufner

Warum eigentlich sowieso alles ziemlich wurscht ist, weil sich alles schneller ändert, als man denken kann. Negative züchten sich noch bevor sie sich manifestieren. Photographie ist keine Kunst. Mit den neuen Medien ist Photographie überall und immer. Wir überschwemmen die Welt mit Abbildern von Kurzmomenten. Die Chemie allein wandelte sich in digitale Arbeitsprozesse der Manipulation, die ihre Herkunft nicht unterschlagen haben: Abwedeln, Retuschieren, Härtegrade des photographischen Papiers simulieren … Über das Internet vervielfältigt sich jeder Moment in bis zu millionenfacher Reproduktion. Und bleibt eben doch häufig ein flüchtiger Moment, der wieder aus dem Wahrnehmungsfeld so schnell herausfällt wie er in ihr mit großer Unwahrscheinlichkeit erschienen ist. Gleichwohl bleibt die Manipulation. Während man früher die Wirklichkeit zur Wahrheit verfremdete, entfremdet man […]

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Das Weltgeheimnis & der Kitsch

Örtchen. Foto: Hufner

Ein Junkie erklärt nichts. Nein, das tut er nicht. Aber er mag um Rücksicht bitten dafür, dass er gerne in alten Büchern herumliest und sich immer wieder aufs neue angeregt fühlt. Durch Typographie, durch Gestaltung, durch Texte, durch die Zeit selbst. Denn auch die Vergangenheit kann ein (vielleicht auch heilsamer) Spiegel sein. So entdeckt, ein namenloses Bekenntnis zum Kitsch in „Europa 1925“, einem Buch von dem Tucholsky sagte, dem Setzer müssten die Ausrufungszeichen wohl ausgegangen sein und der das Werk „unlesbar“ fand. „Möchtest du in Prenzels Haut stecken, Maximilian?“ „Gewiß, Lothar, denn Prenzel ist Geist.“ „Aber Geist ist Kitsch.“ „Aber ich bekenne mich zum Kitsch.“ „Und dieses Bekenntnis zeugte von Geist?“ „Von tiefstem Geist.“ „Aber Geist ist Kitsch. So zeugt […]

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