Aus dem Leben eines Taugenichts: Theodor W. Adorno nach Tilmann Krause [Die WELT]

Joseph Werner: Diana von der Jagd ausruhend. 1663, Guache, 11,7 × 16,7 cm.

„Selbst die Studenten, die sich gegen ein Gomringer-Gedicht an der Wand ihrer Hochschule empören, weil es angeblich sexistisch ist, sind in dieser Hinsicht Kinder von Adorno, auch wenn sie den Namen nie gehört haben sollten.“ [Quelle: Die Welt. Tilmann Krause: Der Meisterdenker der 68er taugte einfach nichts] In welcher Hinsicht? „Die Beurteilung eines Kunstwerkes nach moralpolitischen Kriterien.“ Der so argumentiert will damit die Untauglichkeit des Meisterdenkens eines Theodor W. Adorno darstellen. Und hat damit vollkommen ins Weiße getroffen. Man kann nun einfach einmal 1. Adorno nicht über seine philosophische Entwicklung en bloc analysieren und man kann 2. nicht moralpolitische Kriterien als Beurteilungsmethode Adornos entdecken. Das setzte voraus, er habe diese eigenartige Beurteilungsmethode als Grundlage gesehen. Bei jemandem jedoch, der aus […]

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To whom it may concern II [Kierkegaard | Aphorismus]

Handelsware. Foto: Hufner

Auch das hatte Kierkegaard recht fein herausgearbeitet und pointiert. Das Wesen der Kritik mal anders: „Der beste Beweis, der sich für die Jämmerlichkeit des Daseins führen läßt, ist der, den man aus der Betrachtung seiner Herrlichkeit herleitet.“ Der geneigte Leser der „Kritische Masse“ mag sich da langsam fragen. „Mein lieber Hufi, was ist denn nur mit dir los. Warum tust du dir diesen Dänen an? Diesen waschechten Jammerlappen aus Smörreland und Selbstmordistan?“ [Ich glaube, die Dänen haben sich da sehr verbessert, heute bringt man sich eher im Baltikum selbst um die Ecke.] Nun Jungs und Mädels, die Antwort ist recht einfach. Der Däne spinnt — also genauer: Dieser Däne spinnt, wie es nur ein literarisch fühliger Mensch tun kann. Der […]

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Konstellation, Montage, Komposition, Zitat

Tief gesunken. Foto: Hufner

Zitieren oder zitieren; das Recht hat sein recht. Und die Frankfurter Rundschau lässt sich wissenschaftlich erklären, wann ein Zitat ein Zitat ist. Zitate dürfen kein Selbstzweck sein, sagt man. Das stimmt. Doch was bedeutet das. Die Wissenschaft, aber die Interpretation von Phänomenen im allgemeinen, funktioniert nicht zwingend nach dem Prinzip der Deduktion oder der Induktion. Also, ich zitiere etwas, dann kommentiere ich es, oder das Zitat belegt die Aussage, die man entwickelt hat. Das ist aber nur eine Form des Schöpfens von Er(Kenntnissen). Man folgt hier streng der zweidimensionalen Logik. Dialektische Logik kennt auch andere Wege. Ihren vielleicht prominentesten Ausdruck findet sie in der Materialsammlung von Walter Benjamins “Passagenwerk”. Es besteht zu großen Teilen aus Zitaten, die nicht kommentiert oder […]

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