Die Perücke in der Suppe

Jetzt sind die ersten neun Tage des Jahres 2020 bereits herum. Gut. Wenn man den Empörungswellen auf Twitter so folgt, kann und muss das alles noch verdichtet werden. Es erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit, wenn es in der Klasse sekündlich lauter und lauter geworden ist. Den Grund (oder die Gründe) weiß man ja schon gar nicht mehr. Aber es war alles sofort total wichtig. Dabei war das meiste davon einfach ziellos in die Gegend gebrüllt. Ich erinnere mich aber auch noch gut daran, dass sehr genau beobachtet worden ist, wie die Lehrerinnen und Lehrer den Versuch unternommen haben, das zu beenden. Oder zu steuern. Gegenbrüllen! Schweigen! Leise Reden! Rausgehen? Aber ich erinnere mich nicht, was geholfen hat – […]

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Armes sociales Netz – Nö

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Vielleicht kapiert jetzt auch der Letzte (nach NetzDG), dass es sich bei den sozialen Netzen nicht um solche handelt, sondern um von Unternehmen bereitgestellte Infrastrukturen, die man ggf. auch zur sozialen Kommunikation nutzen kann (könnte [konnte]). Hätte können. Anpassungen der Geschäftsmodelle FACEBOOK: Die Aufregung ist etwas absurd. Hate Speech soll von den Institutionen verfolgt werden, die den Raum dafür anbieten. Das Geschäftsmodell wäre dann neu aufzusetzen. Vielleicht kommen dann auf 1000 Nutzer jeweils ein Sprachblockwart, auf 100 Sprachblockwarte ein Megablockwart, auf zehn Megablockwarte ein Superblockwart. Etc. Also insgesamt ca. 1 Million Kontrolleurinnen bei 1 Milliarde Nutzerinnen. Ob sich das dann noch rechnet? TWITTER: Für Twitter gäbe es dann eine andere Lösung. Umgekehrt wird erst einmal alles geblockt. Und dann Stück […]

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Soziale Medien als Elfenbeintürme der Gesellschaft

Die Straße, die es nicht mehr gibt. Foto: Hufner

Immer häufiger hört man in Radio, Fernsehen und natürlich auch im Netz davon, dass irgendwer irgendwas auf einer sozialen Plattform wie Twitter oder Facebook gesagt habe. Politikerinnen müssen da aufpassen, alle müssen da aufpassen. Ein Shitstorm droht allerdings nur denen, die unter dauernder Beobachtung stehen oder wenn diese dann von Leuten gesehen werden, die unter dauernder Beobachtung stehen. Personen kann man auf diese Weise bis zu einem gewissen Grad geradezu ruinieren, aber nicht das Ganze – allenfalls dort, wo sie für das Ganze selbst stehen. Das meiste verpufft. Das meiste ist ja auch dünne Luft. Da schließe ich mich nicht aus. Aber ich bin schon irritiert, jeden Tag mehr, wie sehr zwei Plattformen eine Öffentlichkeit technisch herstellen können und diese […]

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Happylepsie

Francisco de Goya y Lucientes: Zeichnungen für »Los Caprichos«: »Neunzehnter Traum, Die alten Lachen sich tot, weil sie wissen, daß er nicht einen Pfennig besitzt«, 1797–1798, Feder in Sepia, mit Chinatusche laviert, auf Papier, 24,5 × 18,5 cm. Madrid, Museo del Prado.

die, das, des, der, dings, dusel, dasel, Verkrampfter Lachanfall, vozugsweise beim Rezipieren von Telemedien oder Sozialmedien. Ursache: Unter H. leiden all diejenigen, die vor Schreck nicht mehr heulen können. Rauschhafte Erkrankung des Nervensystems, das in dialektischer Umkehr, das Gegenteil von dem bezeugt, was diese Person gerade fühlt. Folgen: Muskelkater, feindliche Haltung von Mitmenschen Therapie: Aus dem Fenster gucken. Menschen meiden. Keine sozialen Medien nutzen. Witzebuch kaufen. Guinnessbuch der Rekorde. Samuel Beckett: Watt! Selbstgehostetes Blog eröffnen oder Support ein solches übernehmen und Selbstkontrolle wiedererlangen. Viel Trinken, aber nicht zu viel.

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