Fichte zur Eigentumsfrage

Das Grab von Fichte und seiner Frau in Berlin. Foto: Hufner

„Der Mensch kann weder ererbt, noch verkauft, noch verschenkt werden; er kann niemandes Eigenthum seyn, weil er sein eigenes Eigenthum ist, und bleiben muss.“01)Fichte: Zurückforderung der Denkfreiheit. Quellen Philosophie: Deutscher Idealismus, S. 9159 (vgl. Fichte-W Bd. 6, S. 11) Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Fichte: Zurückforderung der Denkfreiheit. Quellen Philosophie: Deutscher Idealismus, S. 9159 (vgl. Fichte-W Bd. 6, S. 11)

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Wittgenstein und Kierkegaard

Ein Schatten der Erkenntnis. Foto: Hufner

99 Jahre Erkenntnisdifferenz. Wittgenstein (1942): „Ein Mensch ist in einem Zimmer gefangen, wenn die Tür unversperrt ist, sich nach innen öffnet; er aber nicht auf die Idee kommt, sie zu ziehen, statt gegen sie zu drücken.“01)Ludwig Wittgenstein: Über Gewißheit, Werkausgabe Band 8, Frankfurt am Main 1992, S. 509. Kierkegaard (1843): „Ach, die Tür des Glücks geht nicht nach innen, so dass man auf dieselbe losstürmen und sie aufdrücken könnte. Sie geht nach außen; man kann also nichts dabei machen.“02)Sören Kierkegaard, Entweder – oder, München 1975, S. 32. Der eine will aus dem Zimmer heraus, der andere hinein; der eine ist gefangen darin, dem anderen steht es für Glück. Zuerst 2015/05/03 in der Kritischen Masse Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Ludwig Wittgenstein: Über […]

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Baudrillard: Ende der Kunst – Nutzlosigkeit

Kunst baumlos, nach Celan. Foto: Hufner

Es gab wahrscheinlich noch nie so viel Ausdruck wie zur Zeit. Im Prinzip, ja Prinzip, drücken natürlich alle zu jeder Zeit immer etwas aus. Die Dinge sowieso, aber die Menschen in ihrer Existenz auch. Jeder Mensch ist eine Künstler, auch ohne es zu wollen. Jeder Mensch kann vom anderen als Künstler wahrgenommen werden. Noch die ganz bestimmt nicht als Kunst gemeinte Äußerung. Und sei es, dass sie sich im unsinnigen Satz äußert, etwas sei (un-)ästhetisch – oder etwas sei (un-)ästhetischer als etwas anderes. An der Kunst kommt man nicht vorbei. Aber an der Kunst kommt selbst die Kunst nicht mehr vorbei. Und das gesamte Kunstsystem. „So florieren die Kunst, der Kunstmarkt nach dem Maß ihres Niedergangs. Sie sind die modernen […]

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Produzent und Parasit (Michel Serres)

Medizinische Instrumente. Foto: Hufner

„Dem Produzenten geht es um den Inhalt, dem Parasiten um die Position. Wer sich um die Position kümmert, wird den, der sich um den Inhalt kümmert stets schlagen. (…) Wer mit dem Inhalt umgeht, geht mit dem Objekt um. Er ist Künstler, auch Wissenschaftler, und es geht allein um die subtile, listige, aber nicht betrügerische Beherrschung der Welt. Wem es um die Position geht, der geht an die Beziehungen zwischen den Subjekten heran; er gewinnt so die Herrschaft über die Menschen. Und wer Herr über die Menschen ist, ist Herr über die Herren der Welt.“01)Michel Serres: Der Parasit, Frankfurt am Main 1987, S. 63 f. Umgekehrt heißt das, dass sich Künstler und Wissenschaftler das Beherrschungsrepertoire aneignen müssen. Das versuchen die […]

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Relevanz und Firlef-

Kommunikation des Missverständnisses. Foto: Hufner

Durch einen Versuch eines Eintrags in die deutsche Wikipedia gelernt, was Relevanz ist. Relevanz ist ein bloß bürokratisches Kriterium der Geistesbürokratie. Also ein recht objektives Mittel, sich vor einer Entscheidung zu verstecken. Die Menschen entscheiden sich immer seltener. Unter Journalisten im Musikbereich bescheidet man sich dagegen hinter den über Befragungen erhobenen Fakten. Die eigene Willensbildung geht auf in einer Montage von Zitaten, die aber nicht sprechen, sondern selbst Produkte anderer Zitate, anderer übergezogener Hülsen sind. Auf der anderen Seite ein Verfall der Kritikfähigkeit von Kritikern, die immer mehr nur noch somatisch oder im Facebook-Stil erfolgt (siehe Beispiel Stilpirat). Die Angst vor dem Wissen der Welt, wie sie das Netz herstellt, erdrückt vor allem das experimentelle und das simple Wissen. Dabei […]

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Wittgenstein und die Lorbeeren

Ein Stein von Wittgen. Foto: Hufner

Gerade gefunden, zwei Stellen über Lorbeeren bei Wittgenstein, die in einem Zusammenhang denkbar wären. Zuerst eine Sentenz, die auch einem Poeten gut zu Gesicht stünde: Auf seinen Lorbeeren auszuruhen ist so gefährlich, wie auf einer Schneewanderung ausruhen. Du nickst ein, und stirbst im Schlaf. [1939-40]01)Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 499. Dagegen oder daneben: Die populär-wissenschaftlichen Schriften unserer Wissenschaftler sind nicht Ausdruck der harten Arbeit, sondern der Ruhe auf ihren Lorbeeren. [1941]02)Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 508. Also ein Einnicken und im Schlaf sterben? Das passt nicht so zusammen. […]

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Merkwürdiger Wittgenstein: Zu viel wissen …

Ein Stein von Wittgen. Foto: Hufner

Vor der Prosa des Ludwig Wittgenstein habe ich Respekt. Manch ein Satz erscheint mir einfach so vertrackt, dass das Rätsel, welches er auf gibt, interessanter scheint, als die Lösung. Man nehme einmal: Wer zu viel weiß, für den ist es schwer nicht zu lügen.01)Ludwig Wittgenstein, Über Gewißheit – Werkausgabe Band 8 – Bemerkungen über die Farben, Über Gewißheit, Zettel, Vermischte Bemerkungen, Frankfurt/M. 1984, S. 540. Das mag mehrere Probleme in sich bergen. Entweder man weiß so viel, was aber in all dem Wissen selbst zu sich gegenseitig ausschließenden Wissensfragmenten führt. Dann blockiert sich „Wissen” gleichsam. Zu viel Wissen wäre sodann automatisch ein Überwissen [in einem ganz plumpen Sinne vergleichsweise wie beim Überfischen]. Oder aber: Das Wissen setzt sich selbst schachmatt, […]

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