Nulla sell piano

Heute Nacht geträumt, ich habe bei einer Oper als Sängerin einspringen sollen. Ein Stück von Puccini, La Boheme, oder so. Die Sängerin sei kurzfristig ausgefallen und so drückte man mir einen Zettel mit dem Text des Parts in die Hand, den ich doch übernehmen möge. Es sei alles nicht so wild, ich kenne ja die Musik (kenne ich nicht) und den Text kenne ich wohl auch (kenne ich nicht). Ich müsse dann nur noch auf die Bühne (wohin da?) und diese kurze Passage singen. Mit Zettel würde mir das vielleicht noch gerade gelingen, aber eher auch das nicht, ich kenne das alles nur so ungefähr, also eben gar nicht. Ich könnte mich unter einer Decke verkriechen und vielleicht so vom […]

Weiterlesen

Früher war es nicht anders: Komponistinnen-Sponsoring im 19. Jahrhundert

Ich sage mal nicht, wo ich das gefunden habe. Ein Pollenflug war schuld daran, dass ich es überhaupt fand. Okay, steht in der Bildunterzeile. Was wäre uns für eine fantastische Oper entgangen, hätte nicht die Brose Unternehmensgruppe die Oper von Dvorak unterstützt. Aber es ist doch wirklich ein Jammer, mit welchen Methoden plötzlich Dinge verbunden werden. Dabei wüsste man gerne mehr, wie denn die großzügige Unterstützung ausgesehen haben mag. Erinnern wir uns doch ganz einfach auch daran, beziehungsweise vergessen wir nie, dass man als Steuerzahler zu den großzügigsten Unterstützern solcher Institutionen gehört, auch wenn es fast nirgendwo erwähnt wird.

Weiterlesen

Verleih‘ uns täglich Firlefanz

Wenn man Werbung betreibt, will man eigentlich auch, dass sie irgendwo ankommt; also sicht- oder hörbar ist, oder irgendwie sonst fühlbar. Ansonsten kann man es auch sein lassen. Nun haben die Opern in Berlin so eine Werbeaktion gestartet, die man kaum bemerkt. Fast hat es den Anschein, als ob den Auftraggebern, hier die Opernstiftung Berlin, die Sache ein bisschen peinlich ist. Denn diese Werbung versteckt sich. Was war, was ist los; beziehungsweise, was nicht? Die Berliner Opernhäuser wollen auf sich aufmerksam machen. Gut. Aber sie wollen dies an anderen Orten machen wie zum Beispiel Frankfurt am Main, München oder Baden-Baden. Man will die dortigen Bewohner nach Berlin ziehen. Wie? Mit Plakaten. 300 davon sollen jetzt oder bald irgendwo in den […]

Weiterlesen

Adventskalender-Check: Staatsoper Berlin vs. Komische Oper Berlin

Der Sperrsitz versteht sich unter anderem als kritischer Serviceleister und -begleiter. Heute im Programm, nachdem ich, Huflaikhan, bei www.kwerfeldein.de im Foto-Sektor was geöffnet (die künftige Kamera für taktlos wahrscheinlich) hatte, die Ventskalender der Berliner Opernhäuser. Ventskalender Staatsoper Berlin Unter den Linden im Schillertheater (kurz: StOBUdLiSt) Drauf gekommen, durch eine Werbung oder eine Suche nach irgendwas. Da sind ja ein paar Türchen schon geöffnet, so dass man sich ein Bild machen kann. Für eine Staatsoper ist der Kalender zwar hübsch eingerichtet, aber im Ergebnis mager. Beim 9. Türchen habe ich zum ersten Mal mitgemacht und erst am Ende gesehen, dass ich als Gewinner gar nicht in Betracht gekommen wäre: Nur für unter 30, die Classic-Card. Das war blöde, kann froh sein, […]

Weiterlesen

Kleiderordnung

Neulich geisterte die Meldung durch die Gazetten, dass in Paris eine Musiktheateraufführung abgebrochen wurde, weil in der ersten Reihe, sozusagen direkt hinter dem Dirigenten, eine Person in Burka gesessen haben soll. Was angeblich die Chorsänger irritiert habe und einen süffisanten Kommentar in der WELT zur Folge hatte, dass es sonst auch nicht vorkäme, dass Sänger in Richtung Dirigent schauen würden. Früher waren es die Jeans oder Turnschuhe, heute sind es also Overalls. Das Publikum, man staune, war derartig abgekocht, dass es kein Problem mit dieser Person äußerte. Vielleicht, ich meine, auf der Bühne, äh, da spielt doch das einzige akzeptable Leben mit Verkleidung und Mord und Totschlag. Aber jetzt mal echt: Dürfen sich jetzt die Akteure ihr Publikum aussuchen? Wäre […]

Weiterlesen

Opernstoff-Correctness – Viel Rauch um Rauch

Kürzlich hat hier Kollege Kurtz über das Jugendverbot für Opernbesuche geschrieben. Dabei haben Jugendliche auch außerhalb der Oper längst mehr und Schlimmeres gesehen, als es in der Oper möglich ist. Man erinnert sich aber an eine Tannhäuser-Premiere in Düsseldorf, wo es angeblich zu Anfällen der Blässe bei Erwachsenen kam oder eine Dresdner Operetten-Aufführung, wo zu viel Schützengraben und zu viel Blut geflossen sein soll und der Schock tief saß. Viel Nebel um Carmen In Australien verbannt man Stoffe auf weitaus geschicktere Art und Weise aus dem Programm. Man lässt sich von einer entsprechenden Organisation sponsern, der es um Gesundheit (wer definiert, was das ist) geht und entfernt problematische Stücke, die dazu im Gegensatz stehen aus dem Programm. So viel Glaubwürdigkeit, […]

Weiterlesen

Piraten adé – Zukunft statt Piraten …

Bonner Piraten als Bürgerpolizisten. Foto: Hufner

Manchmal ärgert man sich, dass man nicht in eine Partei eingetreten ist, weil man dann auch nicht austreten kann. Was sich die Piraten in Bonn jetzt probieren, ist affig. Sie wählen die falschen Mittel für den falschen Zweck. Ein Bürgerbegehren zur Abschaffung der Oper dort? [Link obsolet: Facebook-Seite dazu gibt es nicht mehr.] Gehts noch. Geht es hier um Leben oder Tod etwa. Oder um Bevormundung und Gängelung? Es geht nicht einmal um eine seltene Fledermaus-Art. Es gibt zwei Wege, das Mittel des Bürgerbegehrens und -entscheides zu korrumpieren. Durch das Ziehen seines demokratischen Zahns oder durch die Belanglosigkeitmachung und Verfolgung von Randgruppen mit Kultur- und Bildungsauftrag. Die Piraten von Bonn sind schief gewickelt, wenn das ihre Absicht ist. Vielleicht sollten […]

Weiterlesen

Vertreibung durch Opernmusik

Gar nicht schön. Foto: Hufner

Berlin. Wie schlecht es um die sog. Klassik-Welt bestellt ist, zeigt deren angebliche Wirkung auf, ich zitiere, „Drogenhändler, Wohnungslose und andere“. Berlin will mit Musik Menschen verscheuchen. Aber nicht mit Heino und Moik, sondern mit Musik aus italienischen Opern, aber mit ohne Gesang. Das berichten sowohl Tagesspiegel und Berliner Zeitung. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass eine Klangberieselung Drogenhändlern, Wohnungslosen und anderen, die unberechtigt oder zu lange in den Stationen verweilen, gehörig auf die Nerven geht. Meist mit der Folge, dass sie sich lieber woanders aufhalten – was dazu führt, dass sich die Fahrgäste sicherer fühlen. Berliner Zeitung – Berlin – Orpheus in der Unterwelt [Link ist leider obsolet] Menschen, „die zu lange in den Stationen verweilen“, wer damit wohl […]

Weiterlesen

Die N400-Anomalie

Macht sich unsichtbar. Foto: Hufner

Haacki fragte mich, was denn das N400-Phänomen sei. Ich kann sie beruhigen. Wissen muss man das natürlich nicht. Ich kannte es bis letzten Sonntag nachmittag auch nicht. Dann kam nämlich das Feature “Eine Oper schreiben heißt: Keinen anderen Ausweg wissen” – Das inspirierende Wechselspiel von Wissenschaft und Musik · Von Mathias Schulenburg. Dort heißt es ausführlich: „Die Module, die sich bei als falsch erkannten Klängen erregen, sind die gleichen, die auf grammatische Fehler beim Sprechen hin aktiv werden. Auch unerwartete Bedeutungs-Schräglagen rufen EEG-Reaktionen hervor, etwa den „N400″ genannte Effekt. Er tritt – gut messbar – auf, wenn dem Gehirn Unerwartetes widerfährt, etwa beim Lesen. Folgt auf den Satz “ Die Blicke schweifen in die Ferne“ das Wort „Weite“ auf einem […]

Weiterlesen