Kulturinstitut? Die Deutsche Phono-Akademie

Durchaus mehr Kultur. Foto: Hufner

Gestern lief der großartige Film über Anna-Lena Schnabel im TV. Zur Sprache kamen dabei eigenartigen Verhältnisse beim Zustandekommen des ECHO Jazz. Ich habe in der JazzZeitung.de einiges angedeutet: TV-Tipp: Der Preis der Anna-Lena Schnabel (3sat) – und ein medienpolitisches Ärgernis Was man sich dabei immer vor Augen halten muss, ausgerichtet wird der ECHO Jazz von der Deutschen Phonoakademie. Nach eigenen Worten. Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie e. V., ehrt mit dem Preis jährlich herausragende und erfolgreiche Leistungen nationaler und internationaler Künstler. (Quelle) Manchem kommt die Kombination schon etwas eigenartig vor. Das klingt ein bisschen wie das Freiheitsministerium von Nordkorea. Aber eben so handelt es. Wenn es kaum Honorare für die auftretenden Künstler beim ECHO Jazz verteilt. Oder […]

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Klamauk-Radio (2017) – Reichweiten

Radio Europa damals. Foto: Hufner

Man weiß es nicht, ist es nicht doch eher eine Art Drohung? Das, höre ich sagen, entscheiden doch die Hörerinnen. Wo es einen Markt gibt, gibt es auch ein Angebot. Nehmen wir einen öffentlich-rechtlichen Sender, der diesem Angebot am nächsten kommt, so fällt man zuerst auf mdr-kultur, ehemals mdr-figaro. Aus Informationen der mdr-Marktforschung wissen wir nun auch, dass man diesen Sender als trimedial auffasst. „Die trimediale Marke MDR KULTUR erzielt 2,8 Prozent im Sendegebiet. Das sind 215.000 Personen, die täglich das gehobene Kulturangebot der Welle schätzen. Mit den Werten nimmt MDR KULTUR den dritten Platz unter den ARD-Kulturprogrammen ein.“ [Quelle] Dritter Platz. Das könnte Mut machen. Oder das Gegenteil. In jedem Fall wird so geschönt, dass man einen Verlust zu […]

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Das trojanische Orchester und die Deutsche Orchesterverweigerung

opfer müssen begracht werden. Foto: Hufner

Der Clou mit dem trojanischen Pferd war ein lächerlicher Trick dagegen. Mit dem SWR Symphonieorchester hat Deutschland endlich seine eierlegende Wollmilchsau gefunden. Es ist besser als anderen deutschen Rundfunkorchester zusammen, weil auch größer und aus zwei hervorragenden Orchestern zusammengesetzt – die einen nennen es noch wehmütig fusioniert, die anderen ganz im Sinne der Wiedervereinigung von BRD und DDR ein Zusammenwachsen; da blüht eine musikalische Zukunftslandschaft heran. Und das Orchester ist auch billiger als alle anderen deutschen Rundfunkorchester zusammen. Mal ehrlich, alles schnell zusammenwachsen lassen und das ultimative Orchester aufsetzen, das geht. Und dieses Orchester ist schon mit dem ersten Konzert anerkannt. Größte Dirigenten plus größte Solistinnen spielen größte Werke des Dirigenten – der war zwar auch mal Feind dieses Zusammenwachsens […]

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Musik und Gewalt – Geschlagener Schlager

So jetzts ja nicht, lieber MDR. Foto: Hufner

Der Schlager kommt vom Schlag, dem Beat. Schlagermusik ist Beatmusic. Soweit alles richtig. Künstlich hochgekocht wird das Phänomen aber nun beim MDR. Der brachte eine Sendung mit dem Titel: Vanessa Mai – Mein Herz schlägt Schlager Das ist in jeder Hinsicht ungebührlich. Seit wann schlägt das Herz wen und wenn, warum den Schlager? Was kann der Schlager denn dafür? Wir distanzieren uns von solcherleich Bushidoiaden im konventionellen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Eine veritable Schlägerei müsste jetzt folgen. Der MDR geht auf seiner Website aber nocht weiter und lässt die Bosse der Majorlabels höchstpersönlich für Referenzen antanzen: Wer ist diese Frau? „Vanessa Mai ist der Shootingstar des deutschen Schlagers“, sagt Manfred Rolef, Vice President Ariola. „Es gibt, glaube ich, Keinen, den sie kalt […]

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Öffentlichrechtlicher Rundfunk – Trostloses Bild

In gewisser Regelmäßigkeit müssen wir uns hier auch immer wieder mit den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk beschäftigen. Weil er uns lieb und teuer ist und weil es sich schlecht verkauft, indem er sich intern anscheinend auch schlecht aufstellt. Am letzten Freitag war im Deutschlandfunk das Thema „Immer weniger Vielfalt: Wie Radio unseren Musikgeschmack beeinflusst“ – siehe dazu auch die Initiative des VUT gegen heavy rotation etc. Ich habe nebenbei als Tagesbegleitprogramm zugehört. Und ich bin erschrocken. Ein der Gesprächspartnerinnen, Anja Caspary, die Musik-Chefin von rbb radio eins sagte da: Danach ist die Regel: Unsere öffentlich-rechtliche Welle soll so erfolgreich sein wie der private, kommerzielle Konkurrent! Wenn das also das Ziel ist, mit dem öffentlich-rechtlicher Rundfunk gemacht wird, dann ist er in der […]

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Aus kultur wird figaro, aus figaro wird kultur (mdr)

Damals, 2004, war man etwas verwundert. mdr kultur benannte sich in mdr figaro um. Begründet wurde das von der Hörfunkchefin Barbara Mohlsen seinerzeit so: „Der Begriff Kultur ist sehr tradiert besetzt und schafft eher eine Zugangsbarriere.” Der Begriff der Kultur wirke elitär und schrecke ab. Noch neulich führte wir bei Twitter eine kleine Diskussion über Sex, Mozart, Partner, Kultur und Figaro. Ausgangspunkt war dieser Tweet: Na, heute schon mit Ihrem Partner gesprochen? http://t.co/73rGR2t2OY #figarospezial pic.twitter.com/wEWbkJsR1r — MDR KULTUR (@mdrkultur) October 14, 2015 Partnergespräche bei MDR Figaro und auch gemein, was ist mit denen die keine(n) „Partner(in)“ haben. Das fand ich verwunderlich und ich verwickelte die Twitterer in der Folge in ein Gespräch über den Begriff der Kultur und seine Beziehung […]

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Die Musikindustrie von oben

Die Musikindustrie von oben. Foto: Hufner

Bei der Kulturkonferenz des Bundesverbandes der Musikindustrie (ich weiß immer nicht genau, welchen Part der Veranstaltung man in Anführungszeichen setzen sollte) ging es in diesem Jahr drunter und drunter. Das Gebäude spukte unbekannte und unberührbare Gäste in die erste Reihe vor dem Podium, es scheuchte das Publikum und alle anderen anwesenden hinaus. Feuerwehralarm. Die Karawane zog vor die Tür, wo es dann zu allem Überfluss noch regnete. Es war die erste Keynote von Dieter Gorny, die ich nicht auch nur im kleinsten Teil verstanden hätte. Irgendwas mit Verantwortungs- und mit Haftungskultur. Ein phänomenaler philosophischer Wurf wahrscheinlich. Das geliebte Haus der Akademie der Künste wirkte irgendwie im Abbruch und wehrte sich mit Hände und Füßen. Nee, Dieter Gorny, das war in […]

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Die Reform, die es nie gab – Funkhaus Europa

Radio Europa damals. Foto: Hufner

Vor einigen Tagen schreckten Meldungen und Artikel bei Spiegel-Online auf. Funkhaus Europa soll umgemodelt werden zu einem Dudelfunk. Die Quoten seien im Keller und die leichten Veränderungen, die man unternommen habe, zeigten keine Wirkung. Man braucht eine Reform:  Reform von „Funkhaus Europa“: Hitradio Dudelfunk. Von Christoph Twickel Darin führt der Autor aus: Noch senden auf „Funkhaus Europa“ die DJ-Größen der globalen Musikszene. Der Berliner Produzent Daniel Haaksman spielt die neuesten Clubsounds von Brasilien bis Angola. Die britische DJ-Legende Gilles Peterson wühlt für den WDR in seinen Plattenkisten. Der Autor und Musiker Danko Rabrenovic gibt den „Balkanizer“. (…) Eine unverzichtbare Farbe im öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramm? So sieht man es beim WDR nicht mehr. Die Musiksendungen, die in den Nachtstunden liefen, sollen verschwinden; […]

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…dung

Medien. Foto: hufner

Der Aufschrei war groß, aber das Gejammer blieb klein, als Marcel Reich-Ranicki die Annahme des Deutschen Fernsehpreise ablehnte: Vor einem teils ungläubigen Publikum, das sich in seiner glotzenden Einfältigkeit hinsonnte. Zaghaft schubste man den alten Mann von der Bühne mit dem Versprechen, öffentlich die Sache auszudiskutieren. Denn es gehe schließlich um Kultur und Bildung. Eine ganz erstaunliche Angelegenheit in dem sonst so komplett zur Verblödung tendierenden Medium, das Hans Magnus Enzensberger einmal ein Nullmedium nannte. Nur wurde nichts draus, aus der Diskussion. Aus einer Stunde wurde eine halbe, aus der besten Sendezeit wurde Freitag 22:30 Uhr. Das ZDF hat damit offensichtlich seinen Kultur- und Bildungsauftrag für das restliche Jahr erfüllt. Ist doch alles Bestens, zumal niemand ernsthaft geschädigt wurde. Es […]

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Grotzky als Rundfunkfeldherr – Mobilmachung der Klassikhörer

Johannes Grotzky. Foto: Hufner

Der Bayerische Rundfunk denkt intensiv über die Abschaffung des Senders Bayern4Klassik nach. Siehe diesen Leitartikel „Jugendwahn“ in der nmz. Das hat für erstaunlich viel Wirbel gesorgt. Nun legt die SZ mit einem Interview des Hörfunkdirektors nach. Auffällig ist die Wortwahl von Herrn Grotzky. Da gilt es wie in einer Schlacht, „Menschen ins Feld zu führen“ und „Leute zu mobilisieren“. Angeordnet wird also eine Mobilmachung der Klassikhörer. Die sollen nicht mosern sondern BAyern4Klassik hören. Grotzky: „Mir tut es sehr leid, wenn zwei hochwertige Angebote gegeneinander ausgespielt werden. Bayern 4 Klassik hatte natürlich einen Vorteil von der Debatte — es sind viel mehr Menschen über den Kanal informiert worden, als Bayern 4 Klassik hören. Und wenn der Bayerische Musikrat sein Mitgliederpotenzial von […]

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