Nicht nur E- und U-Musik, sondern auch G-Musik

Deutschland ist gut in Sachen Bürokratie. Für den ganzen Ärger, den man sich damit einhandelt, sollte man auch die Vorteile sehen. Alles lässt sich regeln. Für fast alles gibt es ein Gesetz. In der Musik gibt es zwar ein E- und U-Musik-Gesetz, nachdem man Anspruch auf das eine oder andere stellen kann, überhaupt spielt die Unterscheidung im realen Leben gar keine Rolle. Wenn es aber um Gewichte bei der Verteilung aus Verwertungsansprüchen geht, sie GEMA, dann kommt die Unterscheidung zum Tragen. Viele finden diese Differenzierung doof, überholt, alleingängig. Aber die GEMA lebt damit und das sogar erstaunlich konfliktfrei. Klar, es wird schon mal gestritten. Und es fühlen sich dann die einen oder anderen auch mal ungerecht behandelt. Sei es drum. […]

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Freischütz: Ästhetische Rechnungsleger schlagen Rat

Die CDU hat ein Personalproblem. Mindestens in Hannover. Dort fühlte sich der kulturpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion herausgefordert, sich zur aktuellen Freischütz-Produktion des Staatstheaters Hannover zu äußern. Er war nicht gerade begeistert. In einer Pressemitteilung äußerte sich Dr. Kiamann (Studienschwerpunkt Rechnungslegung) unter anderem so: „Aber dass das German Trash Theatre nun offenbar mit dem ‚Freischütz‘ auch die Schulen in Hannover erreicht, ist in höchstem Maße befremdlich!“ [Pressemeldung der CDU als PDF] Erreicht sie dann aber eben doch nicht, weil die Aufführung erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Was ihm dann auch auffällt und missfällt. Der staatliche Bildungsauftrag sei nicht erfüllt. In der Tat, schrieb ja schon Protagoras: „Der Lehrplan ist das Maß aller Dinge, der seienden, dass sie sind, der nichtseienden, […]

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Musikvermittlung 1966 – Ehrwürdiges Publikum wird maßgeregelt

Unkorrekt: Pausengestaltung! Ich habe dieses Video bei der Suche nach Auftritten von Friedrich Gulda gefunden. Der hätte nämlich gestern seinen 85.  Geburtstag feiern können. Aber bitte Achtung zwischen den Sätzen 1 und 2. lange Pause – die WIENER PHILHARMONIKER sind ja sogar in den Pausen extrem gut und männlich – Maestro Szell erhebt den Stab. Und, und … Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren … das Publikum kommt einfach nicht zur Ruhe, die Musiker setzen ab, der Szell klopft aufs Holz seines Pultes, drei Mal – Petrus! –, wendet sich um und starrt, gefühlte Stunden, ins Publikum. Erst jetzt kehrt etwas Ruhe ein und einer der allerschönsten Sätze unserer […]

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Phantomdiskussion oder: Was man von der „Avantgarde“ lernen könnte

… und vor allem, was nicht! Schon seit Jahren gehört das Gezeter um die Zukunft des klassischen Konzertes zum Betrieb. Dafür orientiert man sich auf Kongressen, dafür bringt man große empirische Studien auf den Weg. Publikumsforschung auf der einen Seite wird gepaart mit Musikvermittlungsversuchen auf der anderen Seite. Immer unter der Annahme, dass das klassische Konzert überholt sei. Aber ist es das denn überhaupt? Es gibt viele Anzeichen dafür, dass der Besuch eine Konzertes oder eines Theaterstück, der Besuch eines Museums doch nicht so ganz seinen Reiz verloren hat. Denn, die Säle sind doch gar nicht so leer. Die Konzert- und Opernhäuser, die Theater und Museen freuen sich über regen Besuch und überbieten sich gegenseitig mit Auslastungszahlen. Was tatsächlich passiert […]

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Musikvermittlungs-Blues (Masse und Individuum)

Einen der ersten großen Musikalisierungsversuche ist durchs Fernsehen der DDR dokumentiert worden. 1983 füllte man sich mit Musik die Arenen und man verfolgte damit ein ehrgeiziges Ziel. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Getarnt war dies als Sportveranstaltung, in Wirklichkeit wurden hier Musikmanager ausgebildet. Und Intendanten aller künftigen Rundfunkanstalten. Es passt alles so wunderbar zusammen. Mitreißend gestaltet, so sozialistisch, so frisch, so aufgeklärt. Nein, ernsthaft, Musikmachen geht anders. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Der Gitarrist Joseph Spence von den Bahamas zeigt, wie man komplett flexibel in Ton und Text umherfliegt. Aber das kann man natürlich nicht so […]

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Mit Fast Food füllt man Bildungslücken

Man muss immer von anderen lernen können und siegen lernen können. Völlig überraschend für mich kam gestern abend im Bildungsfernsehen von SAT1 eine Werbung in der zum Lesen gereizt werden sollte. Jedem Happy Meal einer hier ungenannten Fast-Food-Kette wird den kaufenden Kindern ein pädagogisch wertvolles Buch beigelegt, die Auswahl trifft ein lesepädagogisch hochausgebildetes Sonderpersonal, bazahlt nach Mindestlohn. Die Stiftung Lesen macht es möglich. (Wie ich jetzt sehe, schon zum dritten Mahl – kleiner Wortwitz). Wer nicht richtig lesen kann, hat schlechte Chancen in unserer Gesellschaft, denn Lesen ist der Schlüssel zum Lernen und damit die Grundlage für Chancengleichheit, Erfolg in der Schule und im Beruf. Dennoch ist eine umfassende Lesekompetenz nicht selbstverständlich. Um allen Kindern und Jugendlichen das Lesen näher […]

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Offene Kunst verdampft an sich durch ihre neugewonnene Bratwurstigkeit

Das ist eine Bratwurst. Foto: Hufner

Das von mir hochgeschätzte musikalische Feuilleton der Berliner Zeitung wartet in all den zahlreichen Besprechungen von musikalischen Ereignissen immer wieder einmal auch mit noch tiefergehenden Erläuterungen auf. Peter Uehling und Wolfgang Fuhrmann sind wunderbar präzise in ihren Berichten und ich lese sie immer gern – weil ich die Konzerte leider selten selbst besuchen kann. Zur Oper für alle in Berlin macht sich Uehling einige Gedanken, denen ich in fast allen Punkten zustimmen kann. Sein Kernsatz: „Für die Kultur sind solche abgespeckten Vermittlungsformen am Ende ruinöser als geringere Saal-Auslastungen, und man meint die Folgen schon am Drum und Dran des Konzerts ablesen zu können.“ (Quelle: Berliner Zeitung, 1.9.2008) Dann geht es um musikalische Diskurse und Partituren. Und darum, dass es problematisch […]

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Vermitteln, vermitteln, vermitteln

Theo Geißler und Reinhard Schulz am Rauchpilz im BR. Foto: Hufner

In zwei aufeinanderfolgenden Sendungen hat sich taktlos, das musikmagazin der neuen musikzeitung und des Bayerischen Rundfunks mit der Situation der Neuen Musik in Deutschland beschäftigt. Im November ging es in Karlsruhe um die Frage: „Neue Musik im Off?“ – welche Rolle spielt neue Musik im Konzertleben und in der Öffentlichkeit. Jetzt, im Dezember, ging man der Frage nach: „Neue Musik am Tropf?“ und spielte auf die großartige Initiative der Bundeskulturstiftung „Netz Neue Musik“ an, die insgesamt 11 Millionen Euro an ausgewählte Initiativen und sich selbst verteilen konnte. Das ist wie ein Lotto-Jackpot, wenn man ihn allein bekommt. Über die Projektzeit verteilt sind es aber pro Nase und Bundesbürger 5 Cent, die er und sie der Szene schenkt. Ein bisschen widersprüchlich […]

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