Rat-, hilf- und trostloser Musikindustrie-Beirat – ECHO Pop

Wolfgang Börnsen. Beiratssprecher. Foto: Hufner

Nach 2013 hat der ECHO Pop auch dieses Jahr wieder ein Problem. Ging es vor fünf Jahren um die Gruppe Frei.Wild, die nominiert war, was teilweise unter den Mitnominierten zu Übellaune führte, ist es in diesem Jahr Farid Bang und Kollegah. Es ist klar, dass in der Popmusik nicht immer alles nach heiler Schlagerwelt klingt und tönt – und textet. Es geht da auch schon mal „zur Sache“. Und eben auch darüber hinaus. Präzise wurden Künstler nominiert, bei denen aktuell die Textzeile „Mein Körper definierter als vom Auschwitzinsassen“ auftaucht. Eigens für diese Zwecke hat sich der Bundesverband Musikindustrie [BVMI], die den ECHO betreibt, einen Beirat geschaffen, der unabhängig von Weisungen sich in Problemfällen dazu äußern soll, ob die nominierten Künstler […]

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Kein ECHO aus der Echokammer der Musikindustrie. Oder: Über die deutsche Mehrheit

Erfolg ist relativ. Foto: Hufner

Der Musikpreis der Musikindustrie, der Echo, der hat jetzt sogar eine eigene Seite mit Fragen und Antworten. Man ist bemüht um Aufklärung. Viele Frage werden in den sozialen Netzwerken ja auch immer wieder gestellt und da kann man bequemerweise nun auf strukturierte Antworten verweisen. Die Antworten sind durchaus heiter im Tonfall. Man muss die sozialen Mediennutzer da abholen wo sie sind. Nämlich bei ihrer tippfritzeligen sturmerprobten Nervosität. Die Idee ist gut. Die Durchführung ist eigenartig. So lautet die Antwort auf die Frage bzw. These: Letztendlich geht es doch nur um reinen Kommerz. [Das ist so abgründig wie alltäglich formuliert „doch“ „nur“ „reiner Kommerz“ – als gäbe es doch auch mindestens der unreinen Kommerz.] Ja genau und das im positivsten aller Sinne! […]

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Kulturinstitut? Die Deutsche Phono-Akademie

Durchaus mehr Kultur. Foto: Hufner

Gestern lief der großartige Film über Anna-Lena Schnabel im TV. Zur Sprache kamen dabei eigenartigen Verhältnisse beim Zustandekommen des ECHO Jazz. Ich habe in der JazzZeitung.de einiges angedeutet: TV-Tipp: Der Preis der Anna-Lena Schnabel (3sat) – und ein medienpolitisches Ärgernis Was man sich dabei immer vor Augen halten muss, ausgerichtet wird der ECHO Jazz von der Deutschen Phonoakademie. Nach eigenen Worten. Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie e. V., ehrt mit dem Preis jährlich herausragende und erfolgreiche Leistungen nationaler und internationaler Künstler. (Quelle) Manchem kommt die Kombination schon etwas eigenartig vor. Das klingt ein bisschen wie das Freiheitsministerium von Nordkorea. Aber eben so handelt es. Wenn es kaum Honorare für die auftretenden Künstler beim ECHO Jazz verteilt. Oder […]

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You Tube The World

In einer Studie, die Google beauftragt hat, sollte eine investigative Forschungseinheit untersuchen, ob You Tube den Musikmarkt kannibalisiere. Irgendwie interessiert das so wirklich eher niemanden. Im deutschsprachigen Raum finden sich kaum Lektüren des Textes, der „Privileged and Confidential“ ist und unter dieser Adresse als PDF gelanden werden kann. Nun, es ist ja auch klar, warum sollte man sich des Themas annehmen, wenn man von vornherein eigentlich schon keine besonders „objektive“ Untersuchung erwarten konnte. Freibier kannibalisiert auch schließlich auf keinen Fall Kaufbier. Aber immer mehr machen sich ihr Bierchen selbst. Wem das nicht reicht, der kann auch Leitungwasser abfüllen und „Bier“ drauf schreiben. Man muss sich dem nicht widmen. Die Autorinnen der Studie schreiben zu Erklärung der Grafik: „The solid red […]

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(Pop)Musik, Recht und Raum

Eine Krähe. Foto: Hufner

Man kann es kurz sagen und dabei eine lustige Weisheit abwandeln: (Pop)Musik ist kein rechtsfreier Raum. Wenn (Pop)Musiker*innen gelegentlich dazu neigen, in ihren Texten (denn es geht ja regelmäßig nur um Texte) sich explizit zu Politik zu äußern, so ist dagegen ja nichts zu sagen. Es gehört zum Spiel der Kunst dazu, mit Worten und Inhalten zu spielen. Keine Frage, (Pop)Musik ist gesellschaftlich relevant. Innerhalb bestimmter Gruppen und dazwischen ist viel Wortwurst möglich. Gelegentlich führt das zu manchem Todesfall. Was aber immer mehr nicht mehr differenziert wird, ist, in welchem Umfeld sich Kritik darstellen kann. In manchen Gesellschaften ist ja sogar Musik selbst eine Sache, die nicht zu dulden ist. Man handelt schon gesellschaftskritisch, bobald jemand überhaupt einen Ton riskiert. […]

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Danke, dass Du Dich um uns sorgst, liebe Musikindustrie

Drama Baby, Drama. Foto: Hufner

Dass ich das noch einmal in meinem Leben erleben würde? Die Musikindustrie sorgt sich um das Wohl der Verbraucher! Ja, da ist jetzt keine Ironie bei. Das ist die nackte, reine Wahrheit. Heute hat sich ja was in Sachen Störerhaftung für private WLANs getan. Im Detail wird man das bei manchem klugen Juristen besser nachlesen können. Muss ich nicht jetzt referieren. Thomas Stadler scheint mit seiner vorsichtigen Einschätzung aber präziser den Sachverhalt und vor allem seine Folgen darzustellen als Dutzende Titelzeilen der Gazetten links und rechts des Breitbandkabels. Zurück zur Sache. Die Musikindustrie sieht jetzt jedenfalls auch alle Felle fortschwimmen und das Unheil nimmt seinen Lauf. Der zweite Untergang der Urheberinnen und ihrer Verwerterinnen steht vor der Tür. Na gut, […]

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Die Musikindustrie von oben

Die Musikindustrie von oben. Foto: Hufner

Bei der Kulturkonferenz des Bundesverbandes der Musikindustrie (ich weiß immer nicht genau, welchen Part der Veranstaltung man in Anführungszeichen setzen sollte) ging es in diesem Jahr drunter und drunter. Das Gebäude spukte unbekannte und unberührbare Gäste in die erste Reihe vor dem Podium, es scheuchte das Publikum und alle anderen anwesenden hinaus. Feuerwehralarm. Die Karawane zog vor die Tür, wo es dann zu allem Überfluss noch regnete. Es war die erste Keynote von Dieter Gorny, die ich nicht auch nur im kleinsten Teil verstanden hätte. Irgendwas mit Verantwortungs- und mit Haftungskultur. Ein phänomenaler philosophischer Wurf wahrscheinlich. Das geliebte Haus der Akademie der Künste wirkte irgendwie im Abbruch und wehrte sich mit Hände und Füßen. Nee, Dieter Gorny, das war in […]

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Klassik ohne Kris, Klassik ohne Krise

Free The Classics. Screenshot

Nach wie vor wird an vielen Stellen des Kulturmarktes von eine Krise der Klassik im Musikbereich gesprochen. Mindestens eben so häufig ist zur Zeit auch die gegenteilige Meinung zu hören. Es gäbe keine Krise der Klassik, sondern eine Krise der Klassik-Krisen-Kritik(er). Ja wie denn nun, ja was denn nun? So lange es diese Verunsicherung gibt, und es ist wichtig, dass es sie gibt, bleibt man ja gut im Gespräch. Und was wäre heute unter Gesichtspunkten der Markterschließung nicht wichtiger als: Im Gespräch bleiben. (Siehe die aktuellen Newsströme.) Da kommt es gerade recht, dass das Label Naxos eine Platte auf den Markt geworfen hat, um selbigen kollabieren zu lassen. „Klassik ohne Kris“ passt noch so gerade in die Titelzeile. Aber es […]

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Popkomm auf Verschiebebahnhof: Hat sich die Musikindustrie verpoppt?

Gemeinsame Sache: Dieter Gorny und Hans Bäßler. Foto: Hufner Gemeinsame Sache: Dieter Gorny und Hans Bäßler. Foto: Hufner

Es gibt Pressemeldungen, bei denen man zunächst ungläubig stutzt, sich danach an die Nase fasst, noch einmal liest und dann die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: „Musikindustrie bekennt sich zur Popkomm – Branchentreff wird um ein Jahr verschoben“ heißt es da. Mit normaler Lebenslogik ist dem nicht beizukommen. Dieser Titel trägt in der Tat dialektische Züge. „Deutsche Bahn bekennt sich zum Personalverkehr – Weitere 30 Strecken werden stillgelegt“ oder Ähnliches. Dabei geht es offenbar um eine Denkpause, die man sich genehmigen will: „Wir stehen zur Popkomm, die der wichtigste Branchentreffpunkt und das Schaufenster für die Leistungsfähigkeit der deutschen Musikwirtschaft ist und bleibt“, erklärten Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des BVMI, und VUT-Präsident Mark Chung übereinstimmend in Berlin. „Gemeinsam mit der Popkomm GmbH […]

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Neues aus dem Grand-Tokio-Hotel-Abgrund – Urheberrecht als musikalische Warenkunde

Kunst wie Heu. Foto: Hufner

Das Gezerre um die angemessene Vergütung von urheberrechtlichen Leistungen will kein Ende nehmen. Seit einigen Jahren werden sogenannte Körbe zum Urheberrecht gepackt. Teilweise sind Ergänzungen und Korrekturen nötig, weil es Auflagen der europäischen Kommission gibt, teilweise werden diese Anforderungen genutzt, um weitergehende neue Ansprüche zu begründen. Dieses tat zuletzt ein „Offener Brief“, der im Namen der Musikindustrie anlässlich des „Tages des geistigen Eigentums“ direkt an die Bundeskanzlerin ging. Unterschrieben haben ihn Dutzende der in der sogenannten Kreativwirtschaft tätigen Autorinnen und Autoren. Speziell aus dem Bereich der E-Musik haben ihn beispielsweise Wolfgang Rihm, Peter Eötvös und Lothar Voigtländer unterzeichnet. In diesem Brief wurde behauptet, dass „allein 70 Prozent des Internetverkehrs in Deutschland auf die – leider meist illegale – Tauschbörsennutzung entfallen. […]

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