Enzyklopädie der Neuen Musik: „Eigene Welten“

Eben noch gelesen und schön verblüfft. Der NDR verkündet im Rahmen seiner Website zur aktuellen Composerin in Residence: „U. C.s tänzerische und hoch anspruchsvolle Musik entführt in ganz eigene Welten.“ Was die Autorin vielleicht sagen wollte: Die Komponistin macht ihr eigenes Ding mit beatloser Tanzmusik, wo man einfach mitmuss und was man vorher nie zu hören bekam, weil es die Welt der Komponistin ist. Es ist ihre Welt oder zumindest irgendeine eigene, jedenfalls keine, die einem selbst gehört. Weil deren Musik aber auch hochansprchsvoll ist, darf diejenige, die sie hört, wenn sie sich entführen lässt, zu Kreis derjenigen zählen, die auch dieses Niveau selbst erreicht. Schafft man es nicht, war für einen der Anspruch wohl zu hoch. Dann muss man […]

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Sätze, die ich nicht mehr lesen mag

Blumen und Verkehr. Foto: Hufner

In ungezwungener Atmosphäre erleben die Besucher unterschiedliche Hörsituationen. Freie Bewegung beim Wandelkonzert, Liegemöglichkeiten in der Klanginsel und Konzerte in der Musikscheune schaffen besondere Momente. Wie aus einem Urlaubsprospekt eines Reiseveranstalters. Fehlt nur das „einfach mal die Ohren Beine baumeln lassen“.  

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Vertraulichkeits-Pipapo

Internetreiniger. Foto: Hufner

Da kämpft man mit den Regelungen der Datenschutzgrundverordnung (DSVGO), die wahrscheinlich eben einerseits doch nur ein neues Bürokratiemonster ist, das vor allem dazu geeignet sein wird, denjenigen das Leben schwer zu machen, die etwas am Herzen haben, um es mitzuteilen, während diejenigen, denen man ihre Arbeit schwer machen will, es leicht nehmen können, weil sie die Kapazitäten dafür haben, die neuen Regelungen rechtskonform umzusetzen oder gar nicht ins Visier geraten, weil sie im Auftrag des Staates selbst arbeiten, sich eine Stulle mit Butter schmieren können. Nur weniges ist gewonnen damit, aber viel verloren. Gleichwohl gehen mir Disclaimer von Emails zusehends auf die Nerven, die folgenden Inhalt haben wie hier – bei einem großen Musikverlag. „Diese E-Mail ist vertraulich und ausschließlich […]

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Asymmetrische Konsequenz

Marktrelevanter Kannibalismus. Foto: Hufner

Werbetechnische Maßnahmen sind nicht immer einfach. Schon gar nicht, wenn sie zweifach sind. Die Werbemaßnahmen scheinen dann womöglich auch schon mal unter Denkmalschutz zu stehen. Man merkt, Symmetrie wirkt erst dann, wenn sie asymmetrisch ist. Wie bei den beiden Türen, die nicht spiegelsymmetrisch aufgehen. Symmetrisch sind aber auch die Produkte nicht. Links die Dienstleistung des Haarschneidens, rechts zum Verzehr gedachte Produkte. Zum Problem wird hier allerdings, dass sich die Art und Weise der Bildreihe links in der Bildreihe rechts fortsetzt. Da fragt man sich willkürlich, was können die Produkte miteinander zu tun haben. Und da wir es gewohnt sind, von links nach rechts die Dinge zu lesen, gehen die Köpfe in die zum Verzehr gedachten Produkte (bzw. in die Abbildungen […]

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Die schlimmsten Musikvideos I: „Klassik airleben“

Willkommen in der Kitschhochburg Leipziger Wiese. Das fahren die Kameras über die Wiese und verbreiten gute Stimmung, zumindest das, was man in den 70er Jahren dafür gehalten hat. So rama(-mäßig) macht die Klassik gut. Dabei ist es ein Drama. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren   Man versteht es wirklich nicht, da hat man ein Orchester vor Ort, das sich zu den besten der ganzen Welt zählen darf und dann  das. Wollen die damit vielleicht das nächste Sülzburger-Festspiele-Orchester in Residenz werden. Okay, mein Fehler. Eigentlich wollte ich zweitens nämlich ein Wortspielverbot für mindestens 48 Stunden ausrufen. „airleben“ – versteht ihr? Da sind „er“ und „air“ ausgetauscht worden. „air“ steht […]

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Buchmarkt mit Charme

Der Deutsche Sachbuchmarkt. Foto: Hufner

Well, so is it, wenn man mal wieder in einer Drogerie gelandet ist, man schlägt hart auf. Ja, in einer Drogerie, nicht in einem Schreibwarengeschäft, nicht in einer Buchhandlung, obwohl es dort ganz sicher die nämlichen Regale gibt – eher Egale. Das Egal Sachbuch ist ja nicht unbedingt sofort erkennbar gewesen. Aber der Zusammenhang mit Drogerie war nicht mehr wegzudenken. Man war schließlich ganz in der Nähe zu Toilettenartikeln, Klopapier – trocken und feucht – in Familienpackungen, kleineren für das Heckfenster im Hakle Häkelbereich. Platz 4 – Darm mit Charme Gut plaziert, muss man sagen. Mittlerweile dürfte die Autorin auch schon in den 40er Jahren sein, so fühlt sich die Präsenz des Buches jedenfalls an. Und man hat ja auch […]

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Meisterwerke des Musikvideos I – „Pagare Please“ (Zentralkapelle Berlin)

Was soll man dazu sagen? Nicht viel. Es handelt sich um ein ausgemachtes Meisterwerk der Filmkunst. Bode Brodmüller hat hier ein Drehbuch entwickelt, das punktgenau auf die Musik abgestimmt worden ist. Es scheint alles fast in einem durch gedreht worden zu sein (habe vielleicht zwei Schnitte gefunden). „Durchgedreht“ beschreibt auch am besten die Wirkung des Stücks von drei Minuten. Man fragt sich, warum das Werk nicht schon längst weitere Verbreitung gefunden hat. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Director: Bode Brodmüller Cinematography: Michael Multhoff Production: Zentralkapelle Berlin Set Design: Philipp Müller Music: Harold L. Walters „Instant Concert“ Conductor: Tobias Haussig Sound Editor: Peter Weinsheimer www.zentralkapelle.de There is nothing worse […]

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Trauerspiel Musikerleben heute: Der Musiker Mark F. beim Lieferservice

Immer mehr Musikern geht es immer schlechter. Gerade heute hat mich der Fall Mark F. auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass es selbst „Riesen“ der Popmusik trifft. Mark F. macht Musik, seit einigen Jahren mit wechselndem Erfolg. Wahrscheinlich war er sogar schon Juror bei einer Castingshow im Fernsehen, 2015 noch geehrt mit dem Musikautorenpreis der GEMA, jetzt abkommandiert von seiner Downloadfirma am Rande des Servers. Jetzt hat er eine neue (also eine andere) Platte herausgebracht – so sagt man es im altehrwürdigen Journalismus –, weiß aber nicht, wie er diese unter die Leute bringen soll. Die geht wohl nicht. Und da kam sein Marketing-Vorzimmer wohl auf den genialen Gedanken, „dann tingel damit doch vor der Tür, so wie Gebrauchtwagenhändler oder […]

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Geschenkt ist nix

Apotheken-Geschenk. Geschenkt. Quelle: Werbemail

Geschenke sollen Freude machen. Vor allem den Beschenkten. Aber das kennt man häufig genug aus dem Leben: Mit dem Beschenkten schenkt man sich auch mal um die Ecke sich selbst. Das Geschenk aus der Werbung ist dabei fast nie wirklich ein Geschenk. Das Smartphone für 1 € ist die Angel, die Kaffeemaschine ebenso. Wenn man von einer Online-Apotheke dann ein Treue-Geschenk zum Weltfrauentag bekommt mit einer Handcreme, dann reicht man die Hand zum Einkauf. Und der muss in diesem Fall mindestens den Umfang von 40 € erreichen. „Gutschein gültig bei Bestellung rezeptfreier Artikel (ausgenommen preisgebundene Bücher und Tabakprodukte). Mindestbestellwert 40 Euro. Vorteilscode bei der Bestellung angeben. Nur ein Gutschein pro Bestellung und Person. Keine Kombination mit anderen Gutscheinen. Keine Barauszahlung. […]

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Klassik ohne Kris, Klassik ohne Krise

Free The Classics. Screenshot

Nach wie vor wird an vielen Stellen des Kulturmarktes von eine Krise der Klassik im Musikbereich gesprochen. Mindestens eben so häufig ist zur Zeit auch die gegenteilige Meinung zu hören. Es gäbe keine Krise der Klassik, sondern eine Krise der Klassik-Krisen-Kritik(er). Ja wie denn nun, ja was denn nun? So lange es diese Verunsicherung gibt, und es ist wichtig, dass es sie gibt, bleibt man ja gut im Gespräch. Und was wäre heute unter Gesichtspunkten der Markterschließung nicht wichtiger als: Im Gespräch bleiben. (Siehe die aktuellen Newsströme.) Da kommt es gerade recht, dass das Label Naxos eine Platte auf den Markt geworfen hat, um selbigen kollabieren zu lassen. „Klassik ohne Kris“ passt noch so gerade in die Titelzeile. Aber es […]

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