Kunst in den Grenzen der „Demokratie“ von 2018

Leere Wände ins Blaue hinein. Foto: Hufner

Es ist schon alles zur Debatte um die Bemalung einer Hochschulwand in Berlin gesagt worden. Könnte man denken. Denn es gibt zahlreiche Kommentare, Polemiken, Diskussionen zur Verwendung eines Gedichts von Eugen Gomringer im öffentlichen Raum. Da geht es um die Interpretation von Texten, da geht es um Vorwürfe wie Zensur oder Kulturbarbarei, da geht es um die Hochschulautonomie etc. Vorweg: Darum geht es jetzt nicht. Der Austausch einer Wandbemalung gegen eine andere ist – jedenfalls gegenwärtig – sicher keine Zensur im engeren Sinn. Sich daran aufzuhängen ist ein bisschen verrückt. Was interessant ist, ist ja der Vorgang, der a) zur Begründung führte, ein Gedicht als unangenehm für die Betrachterinnen zu sehen (auch darüber muss man nicht streiten, kann man aber) […]

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Baudrillard: Ende der Kunst – Nutzlosigkeit

Kunst baumlos, nach Celan. Foto: Hufner

Es gab wahrscheinlich noch nie so viel Ausdruck wie zur Zeit. Im Prinzip, ja Prinzip, drücken natürlich alle zu jeder Zeit immer etwas aus. Die Dinge sowieso, aber die Menschen in ihrer Existenz auch. Jeder Mensch ist eine Künstler, auch ohne es zu wollen. Jeder Mensch kann vom anderen als Künstler wahrgenommen werden. Noch die ganz bestimmt nicht als Kunst gemeinte Äußerung. Und sei es, dass sie sich im unsinnigen Satz äußert, etwas sei (un-)ästhetisch – oder etwas sei (un-)ästhetischer als etwas anderes. An der Kunst kommt man nicht vorbei. Aber an der Kunst kommt selbst die Kunst nicht mehr vorbei. Und das gesamte Kunstsystem. „So florieren die Kunst, der Kunstmarkt nach dem Maß ihres Niedergangs. Sie sind die modernen […]

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Kunsthandel

Handelsware. Foto: Hufner

Kunsthandel, der Handelt mit Gegenständen, denen Kunstcharakter durch Setzung zugesprochen wird. Handelt dem entsprechend theoretisch mit allem; auch mit Gegenständen, denen ausdrücklich kein Kunstcharakter zugesprochen wird, wenn damit die Zuweisung der Abweisung des Kunstzuspruchs bestimmt Bezug nimmt. Abzugrenzen von Händelsware.

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Relevanz und Firlef-

Kommunikation des Missverständnisses. Foto: Hufner

Durch einen Versuch eines Eintrags in die deutsche Wikipedia gelernt, was Relevanz ist. Relevanz ist ein bloß bürokratisches Kriterium der Geistesbürokratie. Also ein recht objektives Mittel, sich vor einer Entscheidung zu verstecken. Die Menschen entscheiden sich immer seltener. Unter Journalisten im Musikbereich bescheidet man sich dagegen hinter den über Befragungen erhobenen Fakten. Die eigene Willensbildung geht auf in einer Montage von Zitaten, die aber nicht sprechen, sondern selbst Produkte anderer Zitate, anderer übergezogener Hülsen sind. Auf der anderen Seite ein Verfall der Kritikfähigkeit von Kritikern, die immer mehr nur noch somatisch oder im Facebook-Stil erfolgt (siehe Beispiel Stilpirat). Die Angst vor dem Wissen der Welt, wie sie das Netz herstellt, erdrückt vor allem das experimentelle und das simple Wissen. Dabei […]

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Kunst und Mensch (Bildkritik)

Jazz- oder Auto-Festival. Foto: Quelle neue musikzeitung (Spahrbier)

Brummbrummbrumm. Der Jazz geht um. Ich habe lange nachdenken müssen, bis mir der tiefgreifendere Sinn dieses Bühnenaufbaus aufgefallen ist. Es handelt sich um eine aufgeklärte Veranstaltung. Als Besucher wird man nicht bevormundet, welche Bühnen man sein Augenmerk schenken möchte. Links die stillgestellte Variante, die gezähmte Vision einer Welt der Mobilität, der Freiheit schlechthin: Das Auto. Der Gott unserer Eltern, vielleicht sogar unser eigener. Rechts ungeordnetes Gezappel, Lichtergefunkel, wahrscheinlich mit gewissem akustischen Terror versetzt: Eine Jazzveranstaltung. Davor dennoch ein bisschen eingezwängt, zwischen Absperrungen, ein Hör- und Sehvolk, das wie in einem Trichter zur Musik ausgerichtet wird. Die Attraktivität geht nicht von der Bühne mit dem Auto aus (Hamburg Süd). Man könnte glatt Mitleid empfinden mit diesem Metallwesen, das minimal mit einem Scheinwerfer im Kasten […]

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Spamffiti – Kool Killer und Spam [2007]

Seifenblasen. Foto: Hufner

Vor einiger Zeit habe ich geschwind mich durch den „Aufstand der Zeichen“ des französischen Autors Jean Baudrillard durchgelesen. Zunächst wegen eines Textes zur Medientheorie. Auch weil ich Baudrillard immer für einen Trottel hielt, es aber Hinweise darauf gab, dass manche in seinen Analysen so etwas wie eine total überdrehte fortentwickelte, absolut negative und schwarze Form von Adorno zu sehen meinten. Was die Negativität und Trostlosigkeit angeht, kann ich es nun bestätigen. Im Titelaufsatz „Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen“ beschreibt und analysiert Baudrillard die Graffiti-Bewegung in New York um 1972. Es heißt dort, Seite 29 folgende: „Mit den Graffiti von New York wurden zum erstenmal in großem Ausmaß und in höchst offensiver Freiheit die urbanen Bahnungen und beweglichen Träger […]

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Killerspiele und Musikrat

Krähe- Foto: Hufner

Der Deutsche Musikrat moniert den Umgang der Gesellschaft mit so genannten Killerspielen. Heute hat er sich dazu geäußert. Sanktionen allein seien nicht der Weisheit letzter Schluss. „Insbesondere aktives Musizieren“, sei, so liest man dort, „die beste Schutzimpfung gegen Verrohung und Gewalt.“ Ob das so stimmt, sei mal dahingestellt. In der Regel jedenfalls schadet aktives Musizieren auch nicht und häufig genug zeitigt es auch wohltuende Nebeneffekte. Dazu braucht man keine vielen Untersuchungen. Das ergibt sich aus eigener Erfahrung. Man kennt aber auch aktives Musizieren, welches nicht weit vom durchgeführten Mobbing entfernt ist. Musik kann viel und Musik kann wenig. Auf jeden Fall kann man sie für zahllose Ziele einsetzen. Aber Schutzimpfung, das ist vielleicht doch etwas weit hergeholt. Die Sache wäre […]

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Eisenman in Berlin – Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Foto: Hufner

Nur eine Woche nach dem öffentlichen Zugang zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ nutzte ich einen Besuch in Berlin zum Besuch dieser Stadtskulptur. Gelesen darüber hatte ich nur wenig, die alten, jahrelangen Diskussionen wurden nur sporadisch verfolgt. Erwartet hatte ich dennoch ein mächtiges „Mahnmal“ mit einer gewissen Überwältigungsästhetik. „2.700 Betonpfeiler sind auf einer Fläche von 19.000 m² wohl geordnet verteilt“, meinte Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates in seiner Hauszeitung „Politik & Kultur“. Wohlgeordnet? Schaut man von oben, mag das vielleicht einigermaßen stimmen und auch auf den ersten Blick wirkt dieses Denkmal geradezu mechanisch und leer. Aber das stimmt so nicht. Je genauer man den Aufbau sich ansieht, von außen und von innen, desto diffenrenzierter wirkt es in […]

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