Ulf Poschardt: Die WELT als intellektuellenbefreite Zone

Die subventionierte Kunst im bequemen Elfenbeinturm. So sieht es Ulf Poschardt. Foto: Martin Hufner

Manchmal weiß man nicht mehr, was den einen oder anderen Chefredakteur einer Zeitung umtreibt. Hier hat sich Ulf Poschardt im Zusammenhang mit den Veränderungen in der CDU weit aus dem Fenster gelehnt und zu bestimmen versucht, welcher Art und wessen Geistes die Intellektuellen oder Künstler in diesem Land sind. Er sagt da wirklich: „Die Intellektuellen und Künstler sind entweder umfassend subventionierte Kostgänger des Staates und singen in bequemen Elfenbeintürmen das linksidealistische Lied – oder sie fantasieren sich als Kunst-Jakobiner in die Allmacht des Staates.“01)Ulf Poschardt: Die kulturelle Katastrophe des Scheiterns von Friedrich Merz. WELT-Online. Die WELT als intellektuellenbefreite Zone Mit anderen Worten: In der WELT sind sie nicht zu finden, denn die ist ja nicht eine Institution die der Staat, […]

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Max Weber: „Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß“

Ein Gitter. Foto: Hufner

Ein Ratschlag: „Man kann sagen, daß drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß. (…) Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich zu überwinden: die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz, sich selbst gegenüber. (…) Der bloße „Machtpolitiker“, wie ihn ein auch bei uns eifrig betriebener Kult zu verklären sucht, mag stark wirken, aber er wirkt in der Tat ins Leere und Sinnlose.“01)Max Weber: Politik als Beruf [1919], Berlin 1987, S. 51 ff. Ich weiß ja auch nicht. Aber irgendwas ist aktuell ziemlich anders. Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Max Weber: Politik als Beruf [1919], Berlin 1987, S. 51 […]

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Kommunikativer Kapitalismus

Da beißt der Pfau keine Nuss ab. Foto: Hufner

Durchgedreht alle, äh: einige. Heute kann man den größten Blödsinn von sich geben und es werden sich Menschen finden, die diejenigen, die den Blödsinn benennen als „politisch korrekt“ abtun und den Blödsinnautoren in Schutz nehmen mit dem Hinweis: „Man wird das ja wohl noch mal sagen dürfen.“ Wer das kritisiert hat dann eiligst den Stempel aufgedrückt, er zensiere Meinungen. Gerne verbunden mit dem Hinweis, wenn den Blödsinn mehrere Personen bemerken, jetzt hetze denjenigen eine Meute. Nein, man darf also nicht mehr Kritik am Blödsinn üben. Man hat den hinzunehmen, denn „politisch korrekt“ ist Zensur. Kein Kritiker nimmt für sich das Attribut des „politisch korrekten“ in Anspruch. Sondern es wird ihm zugeschrieben wie jenes des „Gutmenschen“. Man begegnet der Kritik in […]

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Gast, Kunde, Übel [Kulturinvest 2017]

Lutherbrötchen. Foto: Hufner

Der Tagesspiegel berichtet von einer Veranstaltung, die er mitorganisiert und schreibt über einen Vortrag von H.C. Brinker, bzw. zitiert ihn sinngemäß: „Der Gast, erklärt Henry C. Brinker, werde in der Met nicht als nötiges Übel angesehen, sondern als Kunde.“ [Quelle: Tagesspiegel Online, Kongress Kulturinvest – Am digitalen Lagerfeuer] Mit Met ist die Metropolitan Opera gemeint. Als Nagtivbeispiel erwähnt er die Pariser Philharmonie. Was daran so erstaunlich ist? Die Sprache der Kulturverwaltung, die offenbar den Gast eben als Übel oder als Kunden sieht. Aber offenbar in jedem Fall nicht als Gast! Beziehungsweise ist eine Transformation zu leisten, die aus einem Gast den Kunden macht. Natürlich hat Adorno diesen „Prozess“ schon vor einiger Zeit kritisiert: „Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie […]

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Buchmarkt mit Charme

Der Deutsche Sachbuchmarkt. Foto: Hufner

Well, so is it, wenn man mal wieder in einer Drogerie gelandet ist, man schlägt hart auf. Ja, in einer Drogerie, nicht in einem Schreibwarengeschäft, nicht in einer Buchhandlung, obwohl es dort ganz sicher die nämlichen Regale gibt – eher Egale. Das Egal Sachbuch ist ja nicht unbedingt sofort erkennbar gewesen. Aber der Zusammenhang mit Drogerie war nicht mehr wegzudenken. Man war schließlich ganz in der Nähe zu Toilettenartikeln, Klopapier – trocken und feucht – in Familienpackungen, kleineren für das Heckfenster im Hakle Häkelbereich. Platz 4 – Darm mit Charme Gut plaziert, muss man sagen. Mittlerweile dürfte die Autorin auch schon in den 40er Jahren sein, so fühlt sich die Präsenz des Buches jedenfalls an. Und man hat ja auch […]

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Aus kultur wird figaro, aus figaro wird kultur (mdr)

Damals, 2004, war man etwas verwundert. mdr kultur benannte sich in mdr figaro um. Begründet wurde das von der Hörfunkchefin Barbara Mohlsen seinerzeit so: „Der Begriff Kultur ist sehr tradiert besetzt und schafft eher eine Zugangsbarriere.” Der Begriff der Kultur wirke elitär und schrecke ab. Noch neulich führte wir bei Twitter eine kleine Diskussion über Sex, Mozart, Partner, Kultur und Figaro. Ausgangspunkt war dieser Tweet: Na, heute schon mit Ihrem Partner gesprochen? http://t.co/73rGR2t2OY #figarospezial pic.twitter.com/wEWbkJsR1r — MDR KULTUR (@mdrkultur) October 14, 2015 Partnergespräche bei MDR Figaro und auch gemein, was ist mit denen die keine(n) „Partner(in)“ haben. Das fand ich verwunderlich und ich verwickelte die Twitterer in der Folge in ein Gespräch über den Begriff der Kultur und seine Beziehung […]

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Die Musikindustrie von oben

Die Musikindustrie von oben. Foto: Hufner

Bei der Kulturkonferenz des Bundesverbandes der Musikindustrie (ich weiß immer nicht genau, welchen Part der Veranstaltung man in Anführungszeichen setzen sollte) ging es in diesem Jahr drunter und drunter. Das Gebäude spukte unbekannte und unberührbare Gäste in die erste Reihe vor dem Podium, es scheuchte das Publikum und alle anderen anwesenden hinaus. Feuerwehralarm. Die Karawane zog vor die Tür, wo es dann zu allem Überfluss noch regnete. Es war die erste Keynote von Dieter Gorny, die ich nicht auch nur im kleinsten Teil verstanden hätte. Irgendwas mit Verantwortungs- und mit Haftungskultur. Ein phänomenaler philosophischer Wurf wahrscheinlich. Das geliebte Haus der Akademie der Künste wirkte irgendwie im Abbruch und wehrte sich mit Hände und Füßen. Nee, Dieter Gorny, das war in […]

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Stadtschmuck der Stadt Halle

Die Toten kann man nicht mehr wecken. Neulich fuhr ich wieder durch die Republik mit dem Zug. In Halle machte der Station. Ein bisschen weiter in der Stadt dann eine Unterführung, buntest bemalt mit dem Hinweis, dass es sich hier um eine Christoph-Maria-Händel-Stadt handle. Und ich Trottel dachte noch, es wäre einfach Halle. Mal im Ernst. Was kann der Händel dafür, dass er mal in Halle hielt. Und was kann Halle dafür? Was kann das heutige Halle dafür? Nichts. Sachsen-Anhalt halt, das Land der Frühaufsteher. Übrigens im Jahr 2004 auch das Bundesland mit der höchsten Sterblichkeitsrate bei Männern. Warum sagt das aber keiner so laut, wie, dass die am frühesten am Tag einen Puper in die Welt lassen. Weil man […]

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Medienkompetenz, die

pree im Spiegel. Foto: Hufner

Medienkompetenz, die: Kompetenz der Medien, auf Medien einzuwirken. Die Medien fühlen sich zuständig für den Menschen. Medien brauchen Kompetenz, nicht Menschen, wie vielfach angenommen wird. Überhaupt wird die Bedeutung der Kompetenz überbewertet. Ich bin kompetent in Kloreinigung und Rülpsen. Mein Nachbar kennt sich gut aus mit Autos. Ich habe früher nur Quartett gespielt und hatte Matchboxautos. Ich wusste, was es gab. Kompetenz im Umgang mit Computern fordern immer wieder mal ziemlich viele. Man werde abgehängt, wenn man sich nicht früh genug daran mache, ein Smartphone mit einem Desktop-PC zu koppeln und mit irgendwelchen Apps zu synchronisieren? Das Problem mit der Medienkompetenz ist doch ein ganz anderes. Man braucht sie nicht. Man erwirbt sie mit der Zeit. Eine ganze Generation von […]

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Die Rede ins Leere

Die Natur hat keine Stimme außer sich selbst. Foto: Hufner

Langsam wird mir immer klarer, dass die ganze Medientheorie gar nicht weitergekommen ist. Es ist nichts passiert. Die alte Rede des Übergangs der Medien von einem Distributions- zu einem Kommunikationsapparat ist rein ein technischer Prozess gewesen, der allein formal erfolgte. Die Sprache rauscht mehr denn je an den Beteiligten der Medien vorbei. Das Aneinandervorbeireden ist geradezu zum Standard geworden. Verbunden mit der wachsenden Eitelkeit derer, die sich jetzt als Sender verstehen. Rein historisch lässt sich dies am Verlust des Zitats erkennen. Eine hohe Kunst war dies einmal im Verkehr der Mails, in den Newsgroups ebenso. Auch dort mochte man vorbeigehen aneinander. Aber es fiel sogleich auf. Heute spricht man mehr nur im Ungefähren. Dafür aber umso bestimmter. Gleichwohl vergänglicher. Die […]

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