30 Jahre Internet – Selbstkontrolle und das Elend einer kritischen Öffentlichkeit

Technik und Natur. Traktor und Gülle. Foto: Hufner

Die Kontrollfähigkeit des Netzes und seiner Bewohnerinnen fängt an, diese Kontrolle gegen sich selbst auszuüben. Nicht nur die Institutionen sind es, die einen tracken, auch nicht die kommerziellen Angebote von Pornoplattform bis Schuhgeschäft, die Menschen setzen sich gegenseitig unter Verdacht und das konsequent, sofort und mit einem gelegentlich gerne zujubelnden Mob in der Tasche. Egal, was man in dieser Öffentlichkeit sagt, es wird gegengelesen und je nach Interessenlage kommentiert, korrigiert, aber auch diffamiert, diskreditiert, gemobbt, gestalkt – aber auch verfälscht und verfälschend verbreitet. Gerne auch von den Personen, die das sonst kritisieren. Fake News kommt nicht nur von einer fehlgeleiteten Presse.

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Ulf Poschardt: Die WELT als intellektuellenbefreite Zone

Die subventionierte Kunst im bequemen Elfenbeinturm. So sieht es Ulf Poschardt. Foto: Martin Hufner

Manchmal weiß man nicht mehr, was den einen oder anderen Chefredakteur einer Zeitung umtreibt. Hier hat sich Ulf Poschardt im Zusammenhang mit den Veränderungen in der CDU weit aus dem Fenster gelehnt und zu bestimmen versucht, welcher Art und wessen Geistes die Intellektuellen oder Künstler in diesem Land sind. Er sagt da wirklich: „Die Intellektuellen und Künstler sind entweder umfassend subventionierte Kostgänger des Staates und singen in bequemen Elfenbeintürmen das linksidealistische Lied – oder sie fantasieren sich als Kunst-Jakobiner in die Allmacht des Staates.“01)Ulf Poschardt: Die kulturelle Katastrophe des Scheiterns von Friedrich Merz. WELT-Online. Die WELT als intellektuellenbefreite Zone Mit anderen Worten: In der WELT sind sie nicht zu finden, denn die ist ja nicht eine Institution die der Staat, […]

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Max Weber: „Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß“

Ein Gitter. Foto: Hufner

Ein Ratschlag: „Man kann sagen, daß drei Qualitäten vornehmlich entscheidend sind für den Politiker: Leidenschaft — Verantwortungsgefühl — Augenmaß. (…) Einen ganz trivialen, allzu menschlichen Feind hat daher der Politiker täglich und stündlich zu überwinden: die ganz gemeine Eitelkeit, die Todfeindin aller sachlichen Hingabe und aller Distanz, in diesem Fall: der Distanz, sich selbst gegenüber. (…) Der bloße „Machtpolitiker“, wie ihn ein auch bei uns eifrig betriebener Kult zu verklären sucht, mag stark wirken, aber er wirkt in der Tat ins Leere und Sinnlose.“01)Max Weber: Politik als Beruf [1919], Berlin 1987, S. 51 ff. Ich weiß ja auch nicht. Aber irgendwas ist aktuell ziemlich anders. Fussnote(n)   [ + ] 01. ↑ Max Weber: Politik als Beruf [1919], Berlin 1987, S. 51 […]

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Kommunikativer Kapitalismus

Da beißt der Pfau keine Nuss ab. Foto: Hufner

Durchgedreht alle, äh: einige. Heute kann man den größten Blödsinn von sich geben und es werden sich Menschen finden, die diejenigen, die den Blödsinn benennen als „politisch korrekt“ abtun und den Blödsinnautoren in Schutz nehmen mit dem Hinweis: „Man wird das ja wohl noch mal sagen dürfen.“ Wer das kritisiert hat dann eiligst den Stempel aufgedrückt, er zensiere Meinungen. Gerne verbunden mit dem Hinweis, wenn den Blödsinn mehrere Personen bemerken, jetzt hetze denjenigen eine Meute. Nein, man darf also nicht mehr Kritik am Blödsinn üben. Man hat den hinzunehmen, denn „politisch korrekt“ ist Zensur. Kein Kritiker nimmt für sich das Attribut des „politisch korrekten“ in Anspruch. Sondern es wird ihm zugeschrieben wie jenes des „Gutmenschen“. Man begegnet der Kritik in […]

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Gast, Kunde, Übel [Kulturinvest 2017]

Lutherbrötchen. Foto: Hufner

Der Tagesspiegel berichtet von einer Veranstaltung, die er mitorganisiert und schreibt über einen Vortrag von H.C. Brinker, bzw. zitiert ihn sinngemäß: „Der Gast, erklärt Henry C. Brinker, werde in der Met nicht als nötiges Übel angesehen, sondern als Kunde.“ [Quelle: Tagesspiegel Online, Kongress Kulturinvest – Am digitalen Lagerfeuer] Mit Met ist die Metropolitan Opera gemeint. Als Nagtivbeispiel erwähnt er die Pariser Philharmonie. Was daran so erstaunlich ist? Die Sprache der Kulturverwaltung, die offenbar den Gast eben als Übel oder als Kunden sieht. Aber offenbar in jedem Fall nicht als Gast! Beziehungsweise ist eine Transformation zu leisten, die aus einem Gast den Kunden macht. Natürlich hat Adorno diesen „Prozess“ schon vor einiger Zeit kritisiert: „Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie […]

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Kulturpolitik: Wie man Infografiken zur Desinformation nutzt

Wie man der Grafik entnehmen kann, werden sich die laufenden Ausgaben im Geschäftsbereich Kultur der Landeshauptstadt Dresden von Plan 2016 nach Plan 2017 fast verdoppeln. Das zumindest könnte die Grafik (Folie 14) nahelegen, die ich über einen Tweet heute gesehen habe. Dramatisiert wird das alles noch durch die Hinzufügung der absoluten Zahl von 9,5 Mio in rot und mit Pfeil. Die absoluten Zahlen dagegen gehen von einer Steigerung von etwas über 10 Prozent aus. Das mag viel oder wenig sein, es mag dafür Gründe geben, gute oder weniger gute: Warum aber setzt man diese suggestive Infografik ein? Um Angst zu erzeugen? Oder um anzuzeigen, dass man sich so großzügig zeigt? Vergrafikte Zahlen sind alles andere als wertfrei, sie täuschen Realitäten […]

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Buchmarkt mit Charme

Der Deutsche Sachbuchmarkt. Foto: Hufner

Well, so is it, wenn man mal wieder in einer Drogerie gelandet ist, man schlägt hart auf. Ja, in einer Drogerie, nicht in einem Schreibwarengeschäft, nicht in einer Buchhandlung, obwohl es dort ganz sicher die nämlichen Regale gibt – eher Egale. Das Egal Sachbuch ist ja nicht unbedingt sofort erkennbar gewesen. Aber der Zusammenhang mit Drogerie war nicht mehr wegzudenken. Man war schließlich ganz in der Nähe zu Toilettenartikeln, Klopapier – trocken und feucht – in Familienpackungen, kleineren für das Heckfenster im Hakle Häkelbereich. Platz 4 – Darm mit Charme Gut plaziert, muss man sagen. Mittlerweile dürfte die Autorin auch schon in den 40er Jahren sein, so fühlt sich die Präsenz des Buches jedenfalls an. Und man hat ja auch […]

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Aus kultur wird figaro, aus figaro wird kultur (mdr)

Damals, 2004, war man etwas verwundert. mdr kultur benannte sich in mdr figaro um. Begründet wurde das von der Hörfunkchefin Barbara Mohlsen seinerzeit so: „Der Begriff Kultur ist sehr tradiert besetzt und schafft eher eine Zugangsbarriere.” Der Begriff der Kultur wirke elitär und schrecke ab. Noch neulich führte wir bei Twitter eine kleine Diskussion über Sex, Mozart, Partner, Kultur und Figaro. Ausgangspunkt war dieser Tweet: Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.Mehr erfahren Inhalt laden Twitter Tweets immer entsperren Partnergespräche bei MDR Figaro und auch gemein, was ist mit denen die keine(n) „Partner(in)“ haben. Das fand ich verwunderlich und ich verwickelte die Twitterer in der Folge in ein Gespräch über den Begriff der Kultur und seine […]

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Die Musikindustrie von oben

Die Musikindustrie von oben. Foto: Hufner

Bei der Kulturkonferenz des Bundesverbandes der Musikindustrie (ich weiß immer nicht genau, welchen Part der Veranstaltung man in Anführungszeichen setzen sollte) ging es in diesem Jahr drunter und drunter. Das Gebäude spukte unbekannte und unberührbare Gäste in die erste Reihe vor dem Podium, es scheuchte das Publikum und alle anderen anwesenden hinaus. Feuerwehralarm. Die Karawane zog vor die Tür, wo es dann zu allem Überfluss noch regnete. Es war die erste Keynote von Dieter Gorny, die ich nicht auch nur im kleinsten Teil verstanden hätte. Irgendwas mit Verantwortungs- und mit Haftungskultur. Ein phänomenaler philosophischer Wurf wahrscheinlich. Das geliebte Haus der Akademie der Künste wirkte irgendwie im Abbruch und wehrte sich mit Hände und Füßen. Nee, Dieter Gorny, das war in […]

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Nicht nur Seen

Die Frage ist, kann man hier der Wikipedia Vertrauen schenken. 30 Orchester bei fünfeinhalb Millionen Einwohnern. Bei Musical-Chairs sind in der Tat 30 Orchester gelistet. Wie geht das? Für die Touristen? Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Geht doch anscheinend. Aber wahrscheinlich sitze ich da einem Irrtum auf. Und man kann das nicht vergleichen, überhaupt nämlich nicht.  

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