Auf dem Rückweg nach Weimar?

Auf dem Rückweg nach Weimar. Foto: Hufner

Aus gegebenem Anlass dreht sich einiges bei mir um das Jahr 1933. Da fiel mir heute wieder Franz Neumanns „Behemoth – Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944“ in die Hände. Dieses über 600 Seiten umfassende Werk stammt aus dem Jahr 1942 (überarbeitet 1944). Ein Schwerpunkt behandelt natürlich auch die Zeit davor. Neumann setzt sich mit dem Verständnis von Demokratie in der Zeit der Weimarer Republik auseinander. Er lässt Carl Schmitt zu Wort kommen: Parlamentarismus ist nicht identisch mit Demokratie, sondern lediglich eine ihrer historischen Formen. Die Hauptprinzipien des Parlamentarismus sind öffentliche Diskussion, Teilung der Gewalten und Allgemeinheit des Gesetzes. Die öffentliche Debatte verlangt, daß die Instanzen politischer Macht sich der Diskussion als eines Mittels der Wahrheitsfindung aussetzen. Die öffentliche Debatte […]

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Kapitalismus, Konsumtion, Krieg [1938] – Alfred Sohn-Rethel

Qualitätsmetzgerei. Foto: Hufner

Alfred Sohn-Rethel in einem Brief an Theodor W. Adorno vom 29. Januar 1938: „… die faschistische Konjunktur funktioniert nur, weil und solange sie Produkte vervorbringt, die nicht auf den Markt kommen (vom Staat gekauftes und aufgestapeltes Rüstungsmaterial oder synthetischen Ersatz für ausfallende (!) echte Konsumartikel). Der Faschismus bringt damit aber nur eine Tendenz zur Vollendung, die schon die ganzen vorfaschistischen Konjunkturen beherrscht: der Produktionsapparat, an dessen Aufbau, Rationalisierung, Erneuerung und Ausweitung die Konjunktur ihre Nahrung findet, produziert, wenn er fertig ist und an die rationalisierte und erweiterte Bedienung des konsumptiven Endbedarfs gehen sollte, die Krise, Absatzstockung, Unabsetzbarkeit seiner Produkte. Der Kapitalismus kann mit der Konsumtion nichts mehr anfangen, und weil sie ihm tödlich ist, muß er die Konsumenten töten, um […]

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Revolution des Unsinns

Mensch und Flugzeug. Foto: Hufner

Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose „bare Zahlung“. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. Die Bourgeoisie hat alle bisher […]

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Koalitionsquark

Wiesengrund. Foto: Hufner

Wenn man so einige Tage ohne Fernsehen, Zeitung und Radio verbringt, erspart man sich viel Ärger. Der ist das umso größer, wenn man dann eine Zeitung aufschlägt wie die „Berliner Zeitung“. Ich kann mich noch an die hochtrabenden Phrasen erinnern, die da lauteten, der Souverän habe entschieden. Damit hat man es sich sehr schön und sehr leicht gemacht. Das Wahlvolk hat entschieden, dass es jetzt die Politik bekommt, die nun verhandelt wird. Oliver Eberl hat diese Scheinsouveränität gerade in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ wunderbar zerrissen. Der Souveräne wählt, aber die Parteien bilden Regierungen, sie können sich nicht dahinter verstecken, sie führen jetzt nur das aus, was der Souverän wollte. Hat er das gewollt, was nun anscheinend auf […]

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