Poröser Journalismus und die Vielfalt des Wirklichen

Konzert oder Text. Partiturausschnitt Anton Webern.

Was eigentlich ist das? Seriöser Journalismus? Der wird immer gerne gefordert, ist vielleicht schon da. Was macht Journalismus seriös? Die Antwort ist nicht bekannt. Journalismus ist eigentlich nie seriös, denn er ist ja Journalismus. Gibt es etwa so etwas wie seriösen Betrug. Seriöse Betrüger und unseriöser Betrüger im Kampf um seriöse und weniger seriöse und sogar unseriöse Betrogene. Ich plädiere für den Begriff des porösen Journalismus. Porös ist er für den Fall, dass er sowieso nicht vorgibt, der Wahrheit letzter Schluss zu sein. Das ist zweifellos musikalisch zu denken. Nehmen wir mal an, es gibt so etwas wie einen fixierten Notentext und somit so etwas wie ein Faktum. Damit hat man ja doch aus zweierlei Gründen nichts gewonnen. Einmal deshalb, […]

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Brief an die Redaktion der Süddeutschen Zeitung: Umgang mit Leserbriefen

die nmz fragt nach. Foto: Hufner

Möglicherweise hat die Redaktion der Süddeutschen Zeitung bei der Leserbrief-Sammlung in Sachen Mauser, die ich insbesondere zum Leserbrief von Hans Magnus Enzensberger kommentierte, nicht besondere Sorgfalt bei der Veröffentlichung walten lassen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Da gibt es offenbar eklatante Unstimmigkeiten, was Nennung von Position und Zeitpunkt der Äußerung angeht, so sagt es jedenfalls Enjott Schneider hier in einem Kommentar. Das ist schlecht. Und das erfordert eine Nachfrage bei der SZ, die ich hier veröffentliche und die ich in meinem Namen als Online-Redakteur der nmz verfast habe. Sehr geehrte Damen und Herren, in Ihrer Leserbrief-Sammlung zur Sache Mauser: „Nach dem Urteil gegen Ex-Rektor der Musikhochschule. Münchens Kulturwelt ist entsetzt“ verwenden Sie unter anderem auch einen Leserbrief von Enjott Schneider. […]

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Vom Elend der Kulturwelt Münchens – Der tiefe (Un-)Fall des Hans Magnus Enzensberger

Wenn ich ein Vöglein wär. Foto: Hufner

Mit einer Kanonade von Leserbriefen in Sachen Mauser ist die Süddeutsche Zeitung gewürzt.  Unter der Überschrift, die Kulturwelt Münchens sei entsetzt. Da finden sich dann Leserbriefe von (Alt-)Präsidenten der Bayerischen Akademie der (Nichtmehrganzso)Schönen Künste wie Michael Krüger oder Dieter Borchmeyer. Aber auch von Enjott Schneider (als Präsident im Namen des Deutschen Komponistenverbandes, so jedenfalls dort vermerkt – allerdings ohne Schneiders Absicht oder Wissen und, wie jetzt bekannt, völlig aus dem zeitlichen und damit inhaltlichen Zusammenhang gerissen) und Hans Magnus Enzensberger (als Privatperson aus München). Alle beklagen sich darüber, dass Siegfried Mauser vor dem Amtsgericht München zu einer Strafe auf Bewährung verurteilt worden ist. Zwei Leserbriefschreiber sprechen dabei insbesondere den Verlust von Pensionsansprüchen an und dass das mit dem Beamtentum dann […]

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WordPress und der Tod

Ich bete an die Macht des Lebens. Foto: Hufner

Bei dem Blogging- und CMS-Tool WordPress gibt es eine Funktion, mit der man sich die zuletzt veröffentlichten Beiträge anzeigen lassen kann. Das ist zwar selten wirklich von Nutzen, aber manchmal schon: Wenn man sich zu einem Beitrag aus dem Jahr 2010 verirrt hat und mit dieser Funktion auf aktuelle Beiträge hingewiesen wird. Aber heute ist mir die wirkliche und traurige Realität dieser Funktion deutlich geworden. Es handelt sich um das Spätwerk des WordPress-Autoren. Um die wahrscheinlich letzten Beiträge aus seiner Feder. Ja, das hat mich heute traurig gemacht. Willkommenskultur im Kulturtodbereich. Adé. Andere letzte Worte: „Mehr Licht“  

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Verlorene Generation – Intellektuellenradikalinskis

Behandlung wäre gut. Foto: Hufner

Es gibt diese Generation der radikalen Heimatlosen. Sie steckt so zeitlich zwischen mir und den Älteren wie Habermas und Kluge. Ihre Vertreter kommen meistens aus einer „linken“ Ecke, haben dort alles gelernt, was man lernen muss, um mit Sprache umzugehen, kennen Marx fast auswendig und je nach Lager auch Lenin, Mao, Stalin, ggf. Trotzki. Mittlerweile irren sie intellektuell umher und versteifen auf Haltepunkt des Geistes, die sie gerne dann in Scheinreligiösität oder im Kapitalismusglauben finden, oder im radikalen Wahnsinn. Oder bei allem zusammen. Dabei verstehen sie sich dennoch als geistige Leuchttürme der Objektivität, als Hüter freien Denkens ohne Scheuklappen. Kulturell sind sie meistens nicht von schlechten Eltern, gebildet sind sie vom Fußnagel bis zum Scheitel mit allen denkbaren humanistischen Idealen. […]

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