2004 – Neue Digitale – Siegeszug des Internets

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Es ist manchmal erschreckend, wie bereits im Jahr 2004 die Perspektive des Internets von Agenturen beinahe hellseherisch vorausgeahnt wurde. Da schreibt die „Neue Digitale (Link obsolet) – Kreativagentur für digitale Markenführung GmbH“: „Kinder surfen lieber im Internet, als Fernsehen zu gucken“ – eine hervorragende Nachricht für unsere Branche! Der Siegeszug des Internets ist wohl kaum noch aufzuhalten. Interessant ist dies vor allem für Unternehmen, sind doch die Kinder von heute die kaufkräftigen Konsumenten von morgen. Andererseits ist natürlich die Ehrlichkeit von besonderer Eleganz. Und von extremer Kreativität.

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Shitstorm und 1935 [Karl Mannheim]

Crime Scene. Foto: Hufner

Irgendwie sind Shitstorms manchmal auch nicht weniger als die Schlägertruppen des 21. Jahrhunderts (des Internetzeitalters). Karl Mannheim hat in Mensch und Gesellschaft01)Darmstadt 1958. zu erklären versucht, warum Dikaturen totalitär werden müssen. „Der Widerstand, den moderne Diktaturen zu überwinden haben, ist infolge der vorausgegangenen durchgehenden Aktivierung der Gesellschaft so groß, daß man in die kleinsten Zellen und Verbände (bis in die Stammtischgesellschaften) eindringen muß, um die Macht zu erringen und zu behalten.“[S. 130] Darum braucht man heute (Mannheims Text stammt von 1935) auch einen riesigen Propagandaapparat. Außerdem müsse man bestimmte „Volksgruppen zu Kontrollinstanzen der übrigen machen“ (S. 131). Vieles davon trifft heute in ähnlicher Weise zu. Nur der Begriff der kontrollierenden „Volksgruppen“ ist etwas fluider geworden. Und er ist von der […]

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2006 – Als ich einmal fast AOL deinstallierte

Sorry. Kann Probleme geben. Ich habe mal wieder eine neue, unnötige Spamstrategie für nucleus im Einsatz-Versuch. Bisher hat ja alles prima geklappt, es kam fast kein Müll mehr durch. Warum soll das so bleiben? Spamfight ist doch eine schöne Sache, vor allem, wenn man davon nix versteht, so wie ich. Es ist mir so auch mehrfach gelungen, meine eigenen Kommentare auszusperren. So sitzt man wieder mal völlig unsinnigerweise am Rechner und installiert und deinstalliert. Gestern beispielsweise wäre es mir fast gelungen AOL komplett zu deinstallieren: Ich kann mir das Gezeter im Netz dann vorstellen. Bei Heise laufen die Foren heiß. „Wer hat AOL deinstalliert?“ – „Mit Linux wäre das nicht passiert …“ etc. pp. Nachts dann Anrufe von besorgten AOL-Kunden. […]

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Trendwende Plastik

Prager Fenstersturz.

Das Internet vergisst nichts, es behält auch nichts für sich. Es löscht sich, es publiziert sich. Es entschuldigt sich, es provoziert sich. Es ist wirklich alles andere als valide oder solide oder sonstwas. Informationen werden gefälscht, sie werden gedreht, sie sind unvollständig. Aber dafür gibt es immer viel Anlass, sich trotzdem zu positionieren. Denn keine Position muss gehalten werden. Sie zu ändern ist das eine und ein gewöhnlicher transformatorischer Vorgang des Lebens und des Lernens. Aber das Auslöschen der Vergangenheit ist ein Prozess der Verfälschung. Die „Fakenews“ sind gar nicht mal die aktuellen, sondern die kenntnisreduzierten und die eine Vorgeschichte umsteuernden. Für die informationelle Unbedeutsamkeit von Facebook beispielsweise spricht, dass Facebook gar nicht exisitiert. So wie dieser Text hier temporärer […]

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Die Neodigitalen

Teufelsberg mit -zeug. Foto: Hufner

Es wird immer klarer, dass man der Gruppe der Neoliberalen eine weitere Gruppe hinzufügen muss, die man als die Neodigitalen bezeichnen wird. Hierbei handelt es sich um Influencer aus der Welt der socialen Medien, die die technischen Entwicklungen des Internets beinahe kritiklos begleitet und all diejenigen, die auf Gefahren und Probleme hinweisen, als Spielverderber ansehen. Sie springen auf jeden hypen Zug auf und fordern einen totalen Digitalisierungsschub. Das Nichtdigitale ist dagegen dem Untergang geweiht. (Irgendwie) Mitmachen ist eine unvermeidliche Konsequenz. „Den Salat hat man jetzt: Alle sind längst in der digitalen Welt angekommen, die meisten davon unfreiwillig. Das Mitschneiden menschlicher Bewegung (in jeder Form; topologisch, emotional) durch die Abspeicherung und Abbildung in unzugänglichen Datenbanksystemen verdoppelt das eigene Leben. Und bald […]

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Intelligenter Schulranzen erfunden [Jugend forscht 2005]

Die Tasche der Kritischen Masse. Foto: Hufner

Ein Blick zurück in das Jahr 2005 ist ganz erstaunlich. Damals gab es noch die Rubrik „Forum Pisa“ im Deutschlandfunk. Man hat sich über die Entwicklungen im Bereich der schulischen Bildung jeden Freitag vormittag befasst. Schuld daran war der sogenannte PISA-Schock, der dem deutschen Schulsystem ein gewisses Versagen bescheinigt hatte. Es bestand Handlungsbedarf, so fühlte man es und überschlug sich in aktionistischem Getue. Zumindest hatte man den Schock so empfunden. In Wirklichkeit änderte sich in der Folge tatsächlich sehr viel. Schul- und Hochschulreformen wurden angeleiert. Inbesondere die Mintfächer wurden protegiert, die musischen Fächer versuchten, sich gesellschaftlich zu legitimieren mit Slogans wie „Musik macht klug“ und der Betonung von sogenannten Sekundärtugenden. So dass sich sogar Hans Günther Bastian dazu gezwungen sah, […]

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Baudrillard: Ende der Kunst – Nutzlosigkeit

Kunst baumlos, nach Celan. Foto: Hufner

Es gab wahrscheinlich noch nie so viel Ausdruck wie zur Zeit. Im Prinzip, ja Prinzip, drücken natürlich alle zu jeder Zeit immer etwas aus. Die Dinge sowieso, aber die Menschen in ihrer Existenz auch. Jeder Mensch ist eine Künstler, auch ohne es zu wollen. Jeder Mensch kann vom anderen als Künstler wahrgenommen werden. Noch die ganz bestimmt nicht als Kunst gemeinte Äußerung. Und sei es, dass sie sich im unsinnigen Satz äußert, etwas sei (un-)ästhetisch – oder etwas sei (un-)ästhetischer als etwas anderes. An der Kunst kommt man nicht vorbei. Aber an der Kunst kommt selbst die Kunst nicht mehr vorbei. Und das gesamte Kunstsystem. „So florieren die Kunst, der Kunstmarkt nach dem Maß ihres Niedergangs. Sie sind die modernen […]

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Dreistufentest – Wer testet da eigentlich was?

Dreistufentest. Für den Müll? Foto: Hufner

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt eigentlich, dass er sich für Dinge verantwortlich zeigen soll, die im allgemeinen Veröffentlichungsleben keine große Rolle spielen. Er hat Bildungs-, Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse zu berücksichtigen. Er soll dabei einigermaßen neutral sein, was nicht heißt, es möge nicht Position beziehen. Aber er soll soweit wie möglich staatsfern operieren und überparteilich sein. In den Telemedienkonzepte stellen die Anstalten vor, was sie machen und warum sie es machen. In der Wikipedia ist dazu ausgeführt: Telemedien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind nur zulässig, wenn sie einen sendungsbezogenen Inhalt haben (zu den Einzelheiten vgl. § 11 d RStV). Unter sendungsbezogenen Telemedien sind dabei Angebote zu verstehen, die der Aufbereitung von Inhalten aus einer konkreten Sendung einschließlich Hintergrundinformationen dienen, soweit auf für […]

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Der Tod als Eilmeldung

Der Tod ist eine Medium. Foto: Hufner

Selbst beim Sterben hat man keine Zeit. Der Tod in den Medien ist ein Ereignis, bei dem man keine Zeit zu verlieren hat. Wer am schnellsten die Nachrufe aus der Schublade holt, gewinnt das Rennen um den Klick. Eine Eilmeldung! #Eilmeldung: Dirigent Kurt Masur ist tot. — BR_KLASSIK (@BR_KLASSIK) December 19, 2015 Eine Breaking News: Breaking News: Dirigent Kurt Masur ist gestorben. https://t.co/3lylB2WbCv — ntv Breaking News (@ntv_EIL) December 19, 2015 Immerhin wird ja nicht überall der Tod dann auch noch ge„R.I.P.“t. Man muss sich darüber eigentlich nicht so wundern. Natürlich ist der Tod eine Nachricht, denn er enthält eine Information. Bei den vielen Dingen, verschwinden, kann man im Verschwinden schon mal sonst verloren gehen. Auch das Verschwinden bedarf einer […]

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Emanzipatives Internet oder Auslastung der Demokratie

Musikerin in der Öffentlichkeit. Foto: Hufner

Beim Blick auf das Besondere verliert man aus den Augen, was nebenbei automatisch auch passiert.  Beim Internet und seinen zugehörigen Möglichkeiten, Dinge auf einfache und schnelle Art zu veröffentlichen (im Gegensatz zur Organisation einer Druckmaschine und dem Vertrieb der Erzeugnisse), ist immer der emanzpipative Charakter bei Vertretern der Gegenöffentlichkeit herausgestellt worden. Jeder kann sagen, was er will. Die Hürden sind schon sehr niedrig. Das Internet demokratisiert irgendwie und irgendwo, Das ist toll. Aber die Euphorie ist nur von kurzer Dauer. Nicht nur der Gegenöffentlichkeit steht das Netz offen, auch der Öffentlichkeit der Macht. Auch sie können das Netz nutzen und dies mit der gleichen Emphase tun. Gleichwohl bleibt das Ungleichgewicht der Macht doch bestehen. Umgekehrt, die Macht kann viel leichter […]

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