Vertrauen und Validität

Schwer zu durchschauen. Foto: Hufner

Wenn der Staat die Systeme infiltriert und zwar auf eine Weise, die von neutraler Seite nicht nachvollziehbar ist, indem er zum Beispiel Spitzel in Organisationen einschleust, indem er zum Beispiel Trojaner auf fremden Computern platziert, indem er den Kommunikationsverkehr belauscht; so ein Staat kann da nicht (mehr) rechtsstaatlich agieren. Er hat die Staatssicherheit in die technischen Systeme gelegt, warum sollte er sie nicht auch in die zwischenmenschlichen Beziehungen ausweiten. Man könnte es vielleicht zurückdrehen: Nicht das Internet ist kaputt, sondern es sind diejenigen, die es durchherrschen.* Wenn aber die Informationen aus den Netzen nicht mehr als valide angesehen werden können, weil sie jederzeit manipulierbar sind, verschwindet der Kitt, der die Menschen zusammenhalten kann. Dann ist das Gerücht, der Verdacht größer […]

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Nähe und Distanz | Moment und Dauer | Technik und Sinn

Ein Mensch hört einem Musiker zu.

In seinem Beitrag für die September-Ausgabe der nmz geht unser Autor Hans-Jürgen Schaal der Frage nach, wie die Art und Weise der Musikdarbietung durch technische Hilfsmittel die Art und Weise des insgesamt Hörens verändert. Welche Folgen hat das Streaming von Musik für das Hören von Musik. „Die Wahrnehmung von Musik wird zunehmend atomisiert – sie schrumpft auf Moment-Erfahrungen.“ Eine Momentkultur entsteht. Vor vier Jahren habe ich darauf bereits in einem Artikel mit dem Titel: Das Geschäft mit der Flüchtigkeit hingewiesen. Das erinnert ein bisschen an die Zeit, als um die Jahrhundertwende (vom 19. zum 20. Jahrhundert) die Großstädte ins Visier der soziologischen Betrachtung fielen. Das Gedränge auf der einen Seite, die auf der anderen Seite eine Distanzierung zur Folge hatte. […]

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Widerspruch: Maria O.s Kommentar zum „Fall“ Placido D.

Behandlung wäre gut. Foto: Hufner

In einem Kommentar zum „Fall“ Placido D. hat sich die Musikjournalistin Maria O. positioniert. Sie wird als Verteidigerin des Sängers angekündigt. Der Text wird von zahlreichen Personen aus dem Musikleben als brillant bezeichnet. Aber er ist im Kern nur eine Meinung und dazu eine, die selbst mit den Mitteln agiert, die sie anderen vorwirft. Sie schreibt da: „Der Fall zeigt, wie erbarmungslos eine schnell urteilende, teilweise moralinsaure Erotikpolizei über einen Menschen herfällt und sein Lebenswerk zerstört.“ Nun wird man beim Begriff einer „moralinsauren Erotikpolizei“ spätestens aufmerksam. Was kann das denn sein, eine Erotikpolizei, welche Befugnisse sind ihr eigen, wer hat sie wie ausgestattet. Welche Bedeutung kann ihr Urteil haben. Der Vorgang ist ja vielmehr, dass eine Presseagentur eine Recherche betrieben […]

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Phishing – Der neueste Trick der Abzockerinnen

Innenraum eines Supergeschäfts

Es ist den meisten natürlich bekannt: Im Mailverkehr gibt es unzählig viele Versuche, Leute zu beschubsen. Man bedroht einen nicht nur mit dem Hinweise, man habe ihr Verhalten am Rechner unter Kontrolle und werde demnächst, wenn man nicht einen bestimmten Betrag in Bitcoin überweise, die Sachen öffentlich machen, sondern man sagt auch gerne, dass es Probleme mit eine Konto gäbe, weswegen man hier (Link) sein Konto neu konfigurieren möge. Das alles ist bekannt und nervt. Und genügend Menschen fallen auf derlei Ansinnen herein. (Schauen Sie doch mal in die Rechnung im Anhang etc. pp.) . Jetzt gehen die aber echt zu weit. Die Abzockerinnen sind mir jetzt schon nachts im Traum erschienen und wollten eine PIN-Nummer von mir wissen. Wie […]

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Google wird unterschätzt – von allen Seiten. Oder die Frage: Wo kommen die Bots her und wo geht die Meinungsfreiheit hin

Hängt man am Haken. Foto: Hufner

Bei den ganzen „Diskussionen“ um die Zukunft von Kreativität im Zeitalter des wilden Internet-Kapitalismus von Unternehmen, die viel von Technologie verstehen, viel von Steuerrecht (finanziell und im Sinne von Führung von Menschen), haben es Individuen, die sich in vergleichsweise kleinen Gruppen zur Vertretung ihrer Rechte zusammentun, schwer. Dass ihnen nun auch noch Steine in den Weg gelegt werden von denen, die an ihrer Tätigkeit partizipieren, erstaunt einen dann doch sehr. Dass es ihnen nicht gelingt, aus ihrem Egozentrismus herauszutreten, einerseits, und andererseits im Gegenteil diese Personen sich auf die Seite der Mächtigen Technologieunternehmen schlagen, macht einen gerade schon unglücklich. Dabei werden schon mal Begriffe transformiert oder Texte umgelesen, die dann in ihrer neuen Leseweise zu ein Eigenleben entwickeln, Die Geschichte: […]

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30 Jahre Internet – Selbstkontrolle und das Elend einer kritischen Öffentlichkeit

Technik und Natur. Traktor und Gülle. Foto: Hufner

Die Kontrollfähigkeit des Netzes und seiner Bewohnerinnen fängt an, diese Kontrolle gegen sich selbst auszuüben. Nicht nur die Institutionen sind es, die einen tracken, auch nicht die kommerziellen Angebote von Pornoplattform bis Schuhgeschäft, die Menschen setzen sich gegenseitig unter Verdacht und das konsequent, sofort und mit einem gelegentlich gerne zujubelnden Mob in der Tasche. Egal, was man in dieser Öffentlichkeit sagt, es wird gegengelesen und je nach Interessenlage kommentiert, korrigiert, aber auch diffamiert, diskreditiert, gemobbt, gestalkt – aber auch verfälscht und verfälschend verbreitet. Gerne auch von den Personen, die das sonst kritisieren. Fake News kommt nicht nur von einer fehlgeleiteten Presse.

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2004 – Neue Digitale – Siegeszug des Internets

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Es ist manchmal erschreckend, wie bereits im Jahr 2004 die Perspektive des Internets von Agenturen beinahe hellseherisch vorausgeahnt wurde. Da schreibt die „Neue Digitale (Link obsolet) – Kreativagentur für digitale Markenführung GmbH“: „Kinder surfen lieber im Internet, als Fernsehen zu gucken“ – eine hervorragende Nachricht für unsere Branche! Der Siegeszug des Internets ist wohl kaum noch aufzuhalten. Interessant ist dies vor allem für Unternehmen, sind doch die Kinder von heute die kaufkräftigen Konsumenten von morgen. Andererseits ist natürlich die Ehrlichkeit von besonderer Eleganz. Und von extremer Kreativität.

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Shitstorm und 1935 [Karl Mannheim]

Crime Scene. Foto: Hufner

Irgendwie sind Shitstorms manchmal auch nicht weniger als die Schlägertruppen des 21. Jahrhunderts (des Internetzeitalters). Karl Mannheim hat in Mensch und Gesellschaft01)Darmstadt 1958. zu erklären versucht, warum Dikaturen totalitär werden müssen. „Der Widerstand, den moderne Diktaturen zu überwinden haben, ist infolge der vorausgegangenen durchgehenden Aktivierung der Gesellschaft so groß, daß man in die kleinsten Zellen und Verbände (bis in die Stammtischgesellschaften) eindringen muß, um die Macht zu erringen und zu behalten.“[S. 130] Darum braucht man heute (Mannheims Text stammt von 1935) auch einen riesigen Propagandaapparat. Außerdem müsse man bestimmte „Volksgruppen zu Kontrollinstanzen der übrigen machen“ (S. 131). Vieles davon trifft heute in ähnlicher Weise zu. Nur der Begriff der kontrollierenden „Volksgruppen“ ist etwas fluider geworden. Und er ist von der […]

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2006 – Als ich einmal fast AOL deinstallierte

Sorry. Kann Probleme geben. Ich habe mal wieder eine neue, unnötige Spamstrategie für nucleus im Einsatz-Versuch. Bisher hat ja alles prima geklappt, es kam fast kein Müll mehr durch. Warum soll das so bleiben? Spamfight ist doch eine schöne Sache, vor allem, wenn man davon nix versteht, so wie ich. Es ist mir so auch mehrfach gelungen, meine eigenen Kommentare auszusperren. So sitzt man wieder mal völlig unsinnigerweise am Rechner und installiert und deinstalliert. Gestern beispielsweise wäre es mir fast gelungen AOL komplett zu deinstallieren: Ich kann mir das Gezeter im Netz dann vorstellen. Bei Heise laufen die Foren heiß. „Wer hat AOL deinstalliert?“ – „Mit Linux wäre das nicht passiert …“ etc. pp. Nachts dann Anrufe von besorgten AOL-Kunden. […]

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Trendwende Plastik

Prager Fenstersturz.

Das Internet vergisst nichts, es behält auch nichts für sich. Es löscht sich, es publiziert sich. Es entschuldigt sich, es provoziert sich. Es ist wirklich alles andere als valide oder solide oder sonstwas. Informationen werden gefälscht, sie werden gedreht, sie sind unvollständig. Aber dafür gibt es immer viel Anlass, sich trotzdem zu positionieren. Denn keine Position muss gehalten werden. Sie zu ändern ist das eine und ein gewöhnlicher transformatorischer Vorgang des Lebens und des Lernens. Aber das Auslöschen der Vergangenheit ist ein Prozess der Verfälschung. Die „Fakenews“ sind gar nicht mal die aktuellen, sondern die kenntnisreduzierten und die eine Vorgeschichte umsteuernden. Für die informationelle Unbedeutsamkeit von Facebook beispielsweise spricht, dass Facebook gar nicht exisitiert. So wie dieser Text hier temporärer […]

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