YouTubes kostenlose Armee der geistigen Verarmung

Alles so stumpf. Foto: Hufner

Ich muss schon sagen, so manche Saftsäcke gehen mir langsam ziemlich auf die Nerven. Im Moment solche, die Online-Plattformen als „kostenlose Werbung“ für den Künstler zwangsweise verticken wollen. Das Schlimme: Sie meines es ja gut, wahrscheinlich, in Wirklichkeit sind sie auch nur schlimme Exploitationsverlängerer. Jawohl. Sieht denn niemand, dass YouTube längst nicht mehr zentral eine Kreativitätsmaschine ist, so wenig wie Ebay Dachbodenverkauf? Aber nee. Die Kreativitätsindustrie nähert sich in Haltung, Gebaren und Gehirnwäsche der guten alten Rüstungsindustrie an. Bald marschieren sie im Namen von Google und YouTube als kostenlose Armee der geistigen Verarmung. PS: Ich mag mich täuschen, aber die genannten Personenkreise nehmen an Zahl immer mehr ab. Aber ihre Aggressivität steigert sich zuweilen. Immer noch so, geschrieben 2001, am […]

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Die Wunder des Urheberrechts

Musikunrat. Foto: Huflaikhan

Es ist egal, was hinten rauskommt, so muss man wohl ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) interpretieren, das jüngst ergangen ist. Danach wollte die GEMA von einem Hotelbetreiber, der Fernseher in seinen Räumen stehen hat, die terrestrisch gesendete Signale aufnehmen, auf Zahlung einer gewissen Summe in Anspruch nehmen. In den Vorverfahren bekam die GEMA dabei auch Recht. Vor dem BGH scheiterte sie. Den denkwürdiges, ulkiges Urteil. Die Beklagte hat durch das bloße Bereitstellen von Fernsehgeräten, mit denen Gäste des Hotels ausgestrahlte Fernsehsendungen über eine Zimmerantenne empfangen können, nicht in die Rechte von Urhebern oder Leistungsschutzberechtigten zur öffentlichen Wiedergabe ihrer Werke oder Leistungen eingegriffen. Sie hat dadurch weder das Senderecht (§ 15 Abs. 2 Satz 1 und 2 Nr. 3 UrhG* iVm […]

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Großer Wunderlicher …

Schiller war schon schlauer. Foto: Hufner

Der Chefredakteur der MusikWoche ist ulkig geworden. Er beschwört in letzter Zeit die Bedeutung der GEMA in einigen Texten in einer Weise, die nachdenklich macht, weil sie so schief sind. „Selbstverständlich gibt es oft genug berechtigte Anlässe für Kritik – es wäre unheimlich, würde ein solcher Apparat völlig geräusch- und reibungslos funktionieren.“01)Manfred Gillig-Degrave: Apropos: GEMA-Kritik mit der Ressentimentkeule Die Formulierung ist gut. Es gibt berechtige Anlass für Kritik, sonst wäre die Gema einem ja unheimlich. Reibungs- und geräuschlos wäre die Arbeit eben nicht gut, weil sie dann gut wäre. Da steckt wohl eher ein Motiv aus der Literatur dahinter. Pistolen mit Schalldämpfer, Dinge, die man totschweigt oder derart. Anders müsste man es ja nicht erwähnen, wenn es doch eine Binse […]

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Kunst und Mensch (Bildkritik)

Jazz- oder Auto-Festival. Foto: Quelle neue musikzeitung (Spahrbier)

Brummbrummbrumm. Der Jazz geht um. Ich habe lange nachdenken müssen, bis mir der tiefgreifendere Sinn dieses Bühnenaufbaus aufgefallen ist. Es handelt sich um eine aufgeklärte Veranstaltung. Als Besucher wird man nicht bevormundet, welche Bühnen man sein Augenmerk schenken möchte. Links die stillgestellte Variante, die gezähmte Vision einer Welt der Mobilität, der Freiheit schlechthin: Das Auto. Der Gott unserer Eltern, vielleicht sogar unser eigener. Rechts ungeordnetes Gezappel, Lichtergefunkel, wahrscheinlich mit gewissem akustischen Terror versetzt: Eine Jazzveranstaltung. Davor dennoch ein bisschen eingezwängt, zwischen Absperrungen, ein Hör- und Sehvolk, das wie in einem Trichter zur Musik ausgerichtet wird. Die Attraktivität geht nicht von der Bühne mit dem Auto aus (Hamburg Süd). Man könnte glatt Mitleid empfinden mit diesem Metallwesen, das minimal mit einem Scheinwerfer im Kasten […]

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Dr. Ralf Weigand – Das neue Kulturprogramm der GEMA

Weihnachten. Foto: Hufner

Vorstellung des GEMA-Kulturprogramms beim politischen Jour Fixe der GEMA am 19.6.2008. Ralf Weigand, der Komponst und Mitglied des Aufsichtsrates der GEMA spricht. Miese Qualität der Aufnahme allerdings. In der Pressemeldung heißt es dazu: Zu den neuen kulturellen Aktivitäten der GEMA, vorgestellt von Dr. Ralf Weigand, Komponist und Mitglied des GEMA-Aufsichtsrats, gehören mehrere Bausteine, die sich gegenseitig ergänzen. Einer davon ist der „Deutsche Musikautoren-Preis“. Mit dieser Auszeichnung, die erstmals im Mai 2009 in Berlin in mehreren Kategorien verliehen wird, wollen Komponisten und Textdichter das Werk ihrer Kollegen würdigen. Ein weiterer Teil des neuen Kulturkonzepts wird ein Stipendienprogramm für Komponisten und Textdichter sein. Die Geförderten werden die Gelegenheit erhalten, für einen begrenzten Zeitraum im In- oder Ausland in einer Hochschule, einem Ensemble […]

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Angemessen

Hauptsache bunt. Foto: Hufner

ist auch gemessen. Könnte man meinen. Der Streit um die Urheberrechtsnovelle geht weiter und weiter (siehe auch „Nutzungswert“ und „Unkoordiniert“). Privatkopien sollen zulässig sein (es sei denn, es ist durch technische Maßnahmen unmöglich, solche zu erstellen, dann nicht). Immerhin gibt es noch diese Möglichkeit. Aber wer A sagt müsse auch B sagen, meint der Deutsche Kulturrat. Das heißt, es muss eine ausgleichende Regelung für die Geräte geben, die Privatkopien ermöglichen wie Brenner, Drucker etc. pp. Man beruft sich dabei darauf, dass Künstler ein Anrecht auf eine angemessene Vergütung haben. Ins gleiche Horn stoßen zusammen die GEMA und der Deutsche Tonkünstlerverband. Es geht ums Geld und ums Verteilen von Geld. Der Vorschlag der Justizministeriums präferiert die Idee grundsätzlich 5% vom Gerätepreis […]

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Hartmut Spiesecke verlässt die Phonoverbände

Hartmut Spiesecke bei taktlos 2006. Foto: Hufner

Am 30. Juni endet sein Vertrag. Mit Spiesecke hatten die Phonoverbände ein Gesicht, welches keine reine Fratze war. Ich gebe zu, anfangs sah ich in ihm meinen Feind. Er wurde dann zu taktlos eingeladen im Jahr 2003 und ich hatte fast angst, ihm unter die Augen zu treten. Er selbst meinte: „Sie sind also der Hufner; Sie wollte ich immer schon mal kennenlernen.“ Ich fasste das als Drohung auf, denn die Phonoverbände hatte ich immer im Visier meiner Kritik; und nun würde einer von denen ganz böse mit mir werden und mir sagen, was für einen Unfug ich da wohl schriebe. Aber es kam anders. Nach der Sendung haben wir uns sehr freundlich und konstruktiv unterhalten, respekt- und taktvoll. Seither […]

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Nutzungswert [Enzyklopädie der Kritischen Masse]

Krampf. Foto: Hufner

Die heutige Pressemeldung aus dem Hause der Deutschen Phonoverbände mit dem Titel: Forum der Rechteinhaber fordert angemessene pauschale Vergütungen und effektivere Regeln zur Pirateriebekämpfung im Urheberrechtsgesetz ist ein bisschen pikant. Die pauschalen Vergütungen auf Geräten und Leermedien befinden sich auf dem Stand von 1985. Die Bundesregierung hat bereits in zwei Vergütungsberichten festgestellt, dass sie nicht mehr angemessen, das heißt zu niedrig, sind, ohne hieran jedoch etwas zu ändern. Wenn schon der Gesetzgeber die Privatkopie erlaubt, also die Rechte des Urhebers durch Ausnahmen eingeschränkt werden, fordern die Rechteinhaber wenigstens eine angemessene pauschale Vergütung. Deren Höhe wird vornehmlich durch den Nutzungswert der urheberrechtlich geschützten Werke und Leistungen bestimmt und weniger durch den Preis der Geräte und Trägermedien. Nutzungswert! Was ist denn das für ein […]

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Mitleid mit der Gema? Ich sage: Ja.

Musikunrat. Foto: Huflaikhan

Sie kann einem schon auch leid tun, die Gema. Niemand mag sie richtig, alle hauen auf sie drauf. Dabei hat diese Organisation um die 60.000 Berechtigte, eine hübsche Kleinstadt nur von Musik- und Musiktext-Urhebern und allerlei Verlagen. Eine Kleinstadt, die aber gerade mal 812 Millionen EURO aus Gemaerträgen bilanzieren würde. Der SWR – eine Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts – macht da schon mehr, nämlich über 1 Milliarde EURO. Rettet die Gema vor ihren selbsterwählten Rettern. Urheber, macht euch die Gema untertan. Vorstandsvorsitzender Reinhold Kreile preist den Rekordertrag. Aber was bleibt davon übrig: Gerade einmal 312 Millionen EURO werden an die etwas 60.000 Berechtigten ausgeschüttet, der Rest ist Verwaltung oder geht ins Ausland oder dient anderen Dingen. Das macht pro Urheber- […]

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