Tunnelblick der Gefühle – Hören und Erinnern

Erinnerung. Foto: Hufner

An sich habe ich ja professionell mit Musik zu tun. Das heißt, ich beschäftige mich auf die eine oder andere Art mit ihr. Früher auch durch Selbermusizieren und -komponieren, jetzt mehr theoretisch und eher mit den Rahmenbedingungen. Aber ich bin sehr früh zum Musikerleben gekommen: Geschwister und Eltern haben Musik gemacht, ich war der Kleinste und kam in diese Welt hinein. Bei Familienfesten wurde viel gesungen. Wir hatten auch Schallplatten und man durfte sie auch benutzen, also anhören, ohne den Papa um Erlaubnis zu bitten. Nun gibt es da eine sehr merkwürdige Erscheinung. So wie ich beim Fernsehen, wenn jemand in schwindelerregender Höhe steht, ganz tief in meinem Körper eine Art Zuckung spüre, die mich beklemmt, so kommen bei bestimmten […]

Weiterlesen

Kork [Caudwell]

Tief gesunken. Foto: Hufner

Und noch ein Korken, der blogt. Weiß jetzt auch nicht, was schlimmer ist. Aber ich will das Kapitel nicht schließen ohne den Hinweis darauf, dass es mir nun nach etlichen Jahren wieder einmal vergönnt war, ein Buchantiquariat zu besuchen. Regensburg ist da nicht so gut bestückt wie früher einmal Wien oder Berlin (oder selbst Gießen). Diese besuchte Antiquariat hatte tatsächlich alte Werke und verlorene Werke und billige Werke. Unter anderm Sinclair Lewis „Der Babbitt“ für 1 Euro. Ist halt Literatur, dick und klein geschrieben und dazu auch noch auf jenem extrem staubigen Papier welches stark nachdunkeln, wohl holzhaltig. Wo wir bei Holz sind, Hans Heinz Holz, guter Mann, von dem ich lange ein Buch suche wie auch, was aber unmöglich […]

Weiterlesen

Fichten! [Über die Denkfreiheit und den Menschen als Eigentum]

Breakdance. Foto: Hufner

„Der Mensch kann weder ererbt, noch verkauft, noch verschenkt werden; er kann niemandes Eigenthum seyn, weil er sein eigenes Eigenthum ist, und bleiben muss.“01)Fichte: Zurückforderung der Denkfreiheit. Quellen Philosophie: Deutscher Idealismus, S. 9159 (vgl. Fichte-W Bd. 6, S. 11) Was freilich niemanden anficht, ihn wie anderes nur unter dem Aspekt der Verwertung zu betrachten. „Den Körper der Menschen zu unterjochen ist euch ein leichtes; ihr könnt seine Füsse in den Stock, seine Hände in Fesseln legen, ihr könnt auch allenfalls durch Furcht des Hungers oder des Todes ihn verhindern zu reden, was er nicht reden soll. Aber ihr könnt doch nicht immer mit dem Stocke, oder mit Fesseln, oder mit Henkersknechten gegenwärtig seyn – auch eure Spürer können nicht allenthalben […]

Weiterlesen

1983 – Volker Braun – 2004

Pyramiden. Foto: Hufner

Der Undank des Volkes Kunze fragte: Warum sind unsere Menschen so unzufrieden? und gar nicht dankbar? Die so vieles haben, wovon sie einst nur träumen konnten! Fernseher, Kühlschrank, Waschmaschine und den Sozialismus. — Sie wollen nicht dankbar sein für etwas, das sie selber machen, sagte Hinze. Friede Freude Freiheit Hinze parlierte mit einem Bundesbürger, dessen Zufriedenheit ihn faszinierte. Der wähnte sich im Besitz der Freiheit — nach dem Ding, dem Hinze sein Leben lang nachjagen würde. Er hat uns einige erschwingliche Freiheiten voraus, dachte Hinze: und beglückwünschte den Mann zu seiner Genügsamkeit.01)Volker Braun, Berichte von Hinze und Kunze, Frankfurt/M. 1983, S. 9 und 79. Warum kommt mir das alles so bekannt und aktuell vor? Dabei entstanden die Texte doch 1983 […]

Weiterlesen