Stabile Seitenlage – Politik aktuell aus Parteiensicht

Das Vaterland hat einen Platten. Foto: Hufner

Mit etwas verwegenem Blick kann man die politische Lage in Deutschland etwas plakativ vielleicht so beschreiben. Deutschland befindet sich in einer Art stabiler Seitenlage. Der Patient dürfte an sich nicht ganz ungesund sein, aber es hat ihn umgehaun. Die Parteien reagieren darauf. Die CDU/CSU erklärt die Situation als stabil. Es bleibt nichts zu tun. Man muss nur ab und zu am Patienten etwas rütteln und ihn wenden. Ansonsten: einfach mal den eigenen Kopf um 90 Grad neigen, dann könnte man meinen, der Patient stehe (auf den Füßen oder auf dem Kopf). Die SPD steht daneben. Ihr gefällt nicht, was sie sieht. Aber die einzige Reaktion aus eigener Kraft besteht darin, so laut wie möglich „Wacht auf, Verdammte dieser Erde“ zu […]

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AfD contra Hölderlin

Untersuchungen am Konzept. Foto: Hufner

Die AfD ist mit ihrem Antrag, Deniz Yücel von der Bundesregierung rügen zu lassen, da er angeblich ein Deutschlandhasser sei, gescheitert. Nun probieren sie es eben mit Hölderlin. Der ist auch zu rügen. Beweis: Hyperion an Bellarmin So kam ich unter die Deutschen. Ich foderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten – Wie anders ging es mir! Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete […]

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Die beste Geigerin der Welt [Bild] und die deutschen Kernkompetenzen

Anne Sophie Mutter in der Sonder-Bild!

Zur Feier des Tages hat die Springerpresse eine Sonderausgabe ihres journalistischen Hauptwerkes unter die Leute gebracht. Wie es sich gehört: kostenlos. Ein Geschenk. Und so liegt es dann auch zerknittert im Briefkasten – es hat die Luftfeuchtigkeit des Tages schon in sich aufgesogen. Ganz weich! Ganz bunt! Und sofort als solche zu erkennen. 65 Jahre von irgendwas. Rente ab jetzt für alle oder so ähnlich. Weil aber diese Zeitung ein Kulturblatt ist, widmet sie auch zwei Seiten der Musikkultur. Nämlich Seite 8 und 9. Genau genommen deren obere Hälfte. Denn geschenkt ist nichts. Unten stehen Anzeigen auf der Seite. Musikkultur, das heißt: Anne-Sophie Mutter. Die ist nämlich nach Ansicht der Autorin des fulminanten Artikels, Lien Kaspari, die beste Geigerin der Welt […]

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„Chancen für den freundlichen Deutschen“

Pfütze der Höflichkeit. Foto: Hufner

Es gehört vielleicht zu den ganz besonderen Eigentümlichkeiten, insbesondere bei den Deutschen, dass sie sich in fast jeder Situation als zu kurz gekommen auffassen. Egal wo, immer benehmen sich vor allem die anderen falsch. Im Verkehr, im Beruf, in der Schule, der Kultur, im Sport. Und in der Politik und Bildung. Es ist einigermaßen nicht nachvollziehbar, woher dieses Ohnmachtsgefühl stammt. Obwohl, ein Ohnmachtsgefühl ist es ja gar nicht, sondern eher eines des permanenten Neids. Da kann man machen, was man will. Ist man zu zuspitzend, gilt man als unausgewogen; ist man ausgewogen, gilt man als nivellierend. Es scheint kein Glück darin zu liegen, im Federkampf um Solidaritäten. In vielem Gesagtem ist vieles nicht gesagt, aber doch immer ist etwas gemeint. […]

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Verlogene Differenzierung

Sony! Foto: Hufner

Über die Wahl Kirill Petrenkos auf den Posten des Chefdirigenten bei den Berliner Philharmonikern ist ja schon viel geschrieben worden. Aber auch einiges, sagen wir mal höflich, Eigenartiges. Manuel Brug in der WELT nachdem er eigentlich ganz akkurat die Sache anleuchtete: „Kirill Petrenko, interessanterweise neben Daniel Barenboim und Ivan Fischer der dritte Jude auf einem Berliner Chefsessel, bringt, wie das auch Thielemann getan hätte, eine dominante Mutter mit in die Beziehung. Aber sonst ist ihm, was viele erleichtert hat, nichts Zwischenmenschliches mehr fremd. Wovon mindestens eine der diesjährigen Bayreuth-Sängerinnen berichten könnte.“ Dass die Tatsache, dass jemand Jude sei neben anderen, ein besonders erwähnenswertes Faktum sei, ist schlechterdings nicht nachvollziehbar, es sei denn, damit soll ein Subtext geschrieben werden. Den auszumalen, […]

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Hochmut kommt vor dem Bußfall

Das Ergebnis des gestrigen Halbfinal-Trainingsspiels der Deutschen Nationalmannschaft könnte zu Jubel-Taumelanfällen führen. Sieben zu Eins. Und zu Häme und zu kollektivem Wahnsinn. Aber die Welt dreht sich natürlich auch ohne Fußball weiter. Thomas Müller, der Stürmer des Mannschaft, angekündigt vom ZDF-Reporter als Eloquenz-Bestie hängte im Interview nach dem Spiel die Latte tiefer. Ein erstaunlicher Mann. Nicht sein Team hat allein gut gespielt, es hat eben so gut gespielt, wie es der Gegner zugelassen hat. Und der hat viel zugelassen. Wir wissen nicht, welche Drogen eingenommen wurden, welche Gelder von theodosius geflossen sind. Aber das Brasilien von gestern, die Mannschaft von Brasilien stellte sich spielerisch als vollkommen desolat dar. Mal sehen, wie sich das im sogenannten kleinen Finale auswirken wird.

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Musikförderung: Kreative Lösungen sind gefragt

Überall wird gespart. Des Jammerns ist kein Ende. Überall? Nein, heute wurde gemeldet, dass die Ausgaben des Verteidigungsministerium für Rüstungsforschung sich in den letzten Jahren verdoppelt hätten. Keine besonders große Summe. Ein paar lausige Millionen, die an den Unis zur Erforschung von geheimen Dingen ausgegeben worden sind. Um was es genau geht, will man nicht sagen, weil man daraus schließen könne, wo die Defizite liegen. Das ist Politik. Das ist unsere Sicherheit. Auf der anderen Seite, insbesondere im kulturellen Sektor wird dagegen gespart, fast überall. Gerne nehme ich Positivmeldungen entgegen. Was kann man daraus aber lernen? Man muss im kulturellen Sektor umzudenken anfangen! Sich auf Projekte setzen, bei denen das Geld lockerer sitzt. Warum die Slogan „Musik macht schlau“ nicht […]

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Entspannte Untruhe

Irgendetwas muss ich bei den letzten beiden WMs verpasst haben. Ich habe sie kaum wahrgenommen. Ja, da gab es Fanmeilen, plötzlich tauchte ein neues Musikinstrument auf. Deutschland, ein Sommermärchen und so etwas. Wenn ich heute nach draußen schaue. Im Brahmsweg ist ein einziges Auto mit einem Deutschlandfähnchen geschmückt. Am Ortseingang hängt nahe einem Restaurant eine fette Fahne. Autokorsos? Fehlanzeige. Jubel-Trubel-Heiterkeit? Fehlanzeige. Das große Fußball-Feeling: kommt nicht auf. Man kann sich wirklich die Spiele in Brasilien anschauen. Ein paar Langweiler dabei. Das Übliche eben. Aber ansonsten viel entspannte Unruhe. Falls die BRD heute ausscheiden sollte, wäre Ruhe im Karton.

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Aussenseiter, Spitzenreiter – Viertelfinale

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Gestern war der Tag der Außenseiter. Mit Frankreich und Deutschland sind die Mannschaften weitergekommen, von denen man es nicht erwartet hätte. Typischerweise in der Nachspielzeit. Man muss aber auch sagen: Nigeria und Algerien haben zu wenig getan, um Frankreich und Deutschland in Bedrängnis zu bringen: Von Weltklasse-Mannschaften muss man da schon mehr erwarten. Zumal die bayerische Nationalmannschaft ganz klar durch die vielen Spieler des FCB schwer gehandicapt war. Es reichte nicht einmal dafür, einen Torwart aufzustellen. Das ist die schwäbische Sparsamkeit des Yogi Löw. Aber so kann es im Fußball gehen, gestern noch haushoher Favorit, heute schon ausgeschieden. Die Folgen sind freilich unabsehbar und zumindest fürchterlich. Frankreich gegen Bayern. Das wird schon ein Gekicke zwischen Sauerkraut auf Baguette und Spargel […]

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Ernüchterung und die Wahrheit über eine Kopfnuss

Der gestrige Tag brachte für manchen eine gewisse Ernüchterung, Brasilien spielt gar nicht so gut Fussball. Hat es ja schon lange nicht mehr, wie man weiß. Eigentlich ist Fussball in Brasilien mehr eine PR-Sache. Die werden verkauft. Für Spanien gilt das nämliche, auch Belgien als Geheimfavorit war jetzt nicht der Bringer. Kamerun auch. Nur Deutschland ist immer Favorit, jetzt aber erst Recht. Russland und Südkorea? Hilft ja nix. Bei den einen steht nicht Putin auf dem Platz und bei den anderen merkt man doch, dass sie nicht in Deutschland studiert haben. Zwei Unentschieden an einem Tag, das ist zu viel. Heute kracht es wieder. PEPE vs. MÜLLER Aber jetzt zum Thema. Im Spiel Deutschland gegen Portugal gab es eine Szene […]

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