Die deutsche Firlefanzologie [FDP]

Wahlwerbung der FDP. Foto: Hufner

Ein Wahlplakat. Ein Wahlplakat hat selten die Aufgabe, Informationen korrekt zu transportieren. Ein Wahlplakat gehört in die Kategorie Werbung. Und wie Satire darf Werbung alles – außer Langweilen. Deshalb geht es um Slogans, die gleich den einen oder die andere treffen. Mauricio Kagel hat das einmal in einem Hörspiel („Guten Morgen!“) verbraten und die Lautstärke entsprechend korrigiert. Wer schreit, hat Recht. Auch wenn heute fast die ganzen Werbefilmchen auf YouTube mit musikalischen Gesäusel und akustischem Gekräusel unterlegt sind, überdeckt es die Absicht. Musikalische Blindschleichen sind Dauerzustand. Man kann etwas aber auch so falsch ausdrücken, dass alle meinen, er wäre richtig. So gesehen erst jüngst bei der FDP. Was gemeint ist: Eine Investition in die schulische Bildung wird die Welt verändern. […]

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Michel Foucault & Gilles Deleuze – Neugier \ Medien \ Information \ Bildung

Zwei Gedanken, ein Ziel? Foto: Hufner

Aus der Gegenüberstellung von zwei Passagen von Deleuze und Foucault ein paar Schlüsse ziehen. Gedanken über Vielfalt, Dummheit, Bildung, Information. Das Problem ist nicht das Rauschen, die Vielfalt, sondern die Einfalt und die Leere in der Fähigkeit zu urteilen. Der Entwicklung der menschlichen Urteilskraft steht nicht Masse der Informationen entgegen sondern ein falscher Begriff der Bildung von Menschen. Aufklärung braucht Klärung. Das Altern der Kommunikation. Erinnerung an einen Absatz Deleuze. „Die Dummheit war noch nie stumm oder blind. Das Problem besteht nicht darin, die Leute zum Reden zu bringen, sondern ihnen leere Zwischenräume von Einsamkeit und Schweigen zu verschaffen, von wo aus sie endlich etwas zu sagen hätten. Die Mächte der Unterdrückung hindern die Leute nicht am Reden, im Gegenteil: […]

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Novalis und das Interesse

Sinister in Graz. Foto: Hufner

Bei der Lektüre von Aphorismen von Novalis tauchen einige ganz bezaubernde Gedanken auf. Sie sind für den Bildungsbereich durchaus fruchtbar. 35. Interesse ist Theilnahme an dem Leiden und der Thätigkeit eines Wesens. Mich interessirt etwas, wenn es mich zur Theilnahme zu erregen weiß. Kein Interesse ist interessanter, als was man an sich selbst nimmt; so wie der Grund einer merkwürdigen Freundschaft und Liebe die Theilnahme ist, zu der mich ein Mensch reizt, der mit sich selbst beschäftigt ist, der mich durch seine Mittheilung gleichsam einladet, an seinem Geschäfte Theil zu nehmen. Nicht nur für den Bildungsbereich, wohl aber für das Verständnis mancher dort hochgehandelter Begriffe. Es ist so wenig verwunderlich, dass man Begriffe wie Vermmittlung und dergleich hier nicht finden […]

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Die Jugend wird akzeleriert – dabei werden sie zu den Dummen

Ratlosigkeit beim Abbau der Menschheit. Foto: Hufner

Erst haben sie viel zu viel zu tun und ächzen unter der Arbeit, dann haben sie nichts zu tun und ächzen darunter. Die Welt der Extreme, die offenbar kein Leben zulässt, bei dem man selbst im Zentrum stünde. Eigentlich eine Fortführung frühkindlicher Verhaltensweisen und kein Lernprozess danach. Mir scheint der Akzelerationsprozess, unter dem die Jugend geschichtlich keucht, betrifft so vieles bei diesen Menschen, nur nicht sie selbst. Man muss sich Sorgen machen. Aber nicht in der Art, wie man sich jetzt gerade im Kulturbereich sorgt, wo ja immer jüngere Menschen schon kulturell akzeleriert werden. Mit Mozart und Popozart und mit diesem und jenem. Ich bleibe bei dem Gedanken, dass man diese Versuche besser lassen soll. Besser wäre es, denjenigen, die […]

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Sabotage der Kultur

Entleerung der Öffentlichkeit. Foto: Hufner

Es ist sicher nicht ganz falsch, wenn man sich ab und zu einem älteren Buch zuwendet. Mittelmaß und Wahn von Hans Magnus Enzensberger ist so ein altes Buch, das einem da in die Hände fallen kann. Gleich im ersten Essay über Ignoranz gibt es bemerkenswerte Beobachtungen der Zeit (vor dem Internet). Erstaunlich ist es auch deshalb, weil damals die Diagnose auf die Unbeherrschbarbeit der Vielfalt von Wissen eingegangen worden ist. Jedes Wissen wird potentiell, aber wahrscheinlich auch prinzipiell, innerhalb von wenigen Tagen umgeworfen. Was haben wir denn heute erst recht. Das Fernsehen ist geradezu ein Seismograph dafür. Aus drei Kanälen wurden fünf, dann neun, später Dutzende. Durch das Netz sind es mittlerweile Millionen. Enzensberger lebte noch zu Zeiten, als man […]

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…dung

Medien. Foto: hufner

Der Aufschrei war groß, aber das Gejammer blieb klein, als Marcel Reich-Ranicki die Annahme des Deutschen Fernsehpreise ablehnte: Vor einem teils ungläubigen Publikum, das sich in seiner glotzenden Einfältigkeit hinsonnte. Zaghaft schubste man den alten Mann von der Bühne mit dem Versprechen, öffentlich die Sache auszudiskutieren. Denn es gehe schließlich um Kultur und Bildung. Eine ganz erstaunliche Angelegenheit in dem sonst so komplett zur Verblödung tendierenden Medium, das Hans Magnus Enzensberger einmal ein Nullmedium nannte. Nur wurde nichts draus, aus der Diskussion. Aus einer Stunde wurde eine halbe, aus der besten Sendezeit wurde Freitag 22:30 Uhr. Das ZDF hat damit offensichtlich seinen Kultur- und Bildungsauftrag für das restliche Jahr erfüllt. Ist doch alles Bestens, zumal niemand ernsthaft geschädigt wurde. Es […]

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Disziplinen und Disziplinierungen

Rechtschreibung. Foto: Hufner

Man redet und arbeitet mit einem Selbstverständnis von universitären Disziplinen, von Fakultäten und Fächern. Unterteilt das ganze in ein Angebot, das von Medizin über Physik zur Germanistik und Volkswirtschaftslehre reicht. Aber auch hier die Frage, warum? Dass etwas historisch sich so ausdifferenziert hat heißt ja nicht, das es richtig so ist. Wie kann kann man denn überhaupt die Grenzen zwischen den Fächern ziehen und wodurch sind sie begründet? Warum überhaupt ist die Trennung so abstrakt? Auch in den schulischen Disziplinen? Wäre nicht eine andere Einteilung von mehr Vernunft getragen? Warum studiert man nicht Gehirn? Oder Bewegung? Oder Klang? Oder einfach Welt, Raum oder Zeit? Nehmen wir mal die Volkswirtschaftslehre. Was genau ist denn Gegenstand dieses Faches? Der Makro-Ökonom Harald Uhlig […]

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Rat-Schlag (Menschen abholen)

Extended Techniques. Prospekt Charles Vögele

Die pädagogische Einstellung: den Menschen (Schüler) dort abholen, wo er steht klingt nett und freundlich, entgegenkommend. Aber dieser Rat-Schlag ist falsch, denn er verfestigt den status quo. Und er umgeht die wichtigere Frage, wer den die Menschen (Schüler) dort hinstellt, wo man sie dann abholen soll. Der pädagogische Rat-Schlag ist nur eine Übertragung aus dem Marketing und der Werbung auf die Pädagogik. Nicht anders funktioniert Werbung oder Marketing, deren Ziel es einzig ist, ein Produkt zu verkaufen. Dazu macht man Umfragen, um herauszufinden, wo man die Menschen den abholen muss und wie man mit ihnen zu verfahren habe, damit sie das wollen, was man selbst will. Anders ist es ein Nullsatz: Man kann die Menschen immer nur dort ansprechen, wo […]

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