Wegwerfästhetik – Tränen und Rotz = Trotz

Dein Softie, Deine Musik. Produktwerbung auf einem Produkt. Foto: Hufner

Es ist eine Ewigkeit her, da habe ich auf der Dult in Regensburg dieses Päckchen mit Taschentüchern geschenkt bekommen. Eine Werbung für den privaten Radiosender Gong FM (gibt den noch). Ein Wortspiel mit unendlichen Verbindungen der Interpretation. Softie und Softies (andere Taschentuchmarke). Aber wie man die Sache auch dreht, da fasst ein junger Mann einer jungen Frau unter das Selbstgestrickte. Die Hosenreißverschluss der jungen Frau ist geöffnet und gibt den Blick frei auf Netzstrumpfhose und Slip. Der Mann hält den Kopf der Frau (vermutlich) sanft in seiner Hand. Die Blicke der beiden treffen sich. Ein Armreif, das Strickshirt, die Weste sollen wohl suggerieren, dass es hier um ein bisschen etwas wie Hippieeskes geht. Platsch „Dein Softie“ draufgebappt. Mein den Inhalt, […]

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Das musikalische Materialermüdungsinstitut in Teltow

Untersuchungen am Konzept. Foto: Hufner

Soll ich jetzt die Berufung auf die Professur für Weltallmusik an der  Universität Gardelegen annehmen oder doch weiterhin Abteilungsleiter im Bereich Materialermüdung am Bundesinstitut für Neue Musik in Teltow bleiben? Material-Yoga Ich meine, ist es wirklich das Ende meines musikalischen Lebens, Kompositionen von beispielsweise Moritz Eggert, Johannes Kreidler, Gordon Kampe oder Sarah Nemtsov auf Ermüdungsbrüche hin zu untersuchen. Sie allesamt einem Stresstest zu unterwerfen. Ich finde das ziemlich langweilig. Vor kurzem erste sind dazu die neuen Leitlinien des Bundesinstituts für kritische Ästhetik aus Freiburg veröffentlicht worden. Da steht dann wirklich drin, dass ja längst noch nicht alle Elemente des Klanges gefunden worden seien, man also vor Überraschungen nicht sicher sein könne. Musikalisches Material, sagen sie, sei prinzipiell unendlich. An den […]

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Eurovision Song Contest 2016 – Blinde Wutlosigkeit

Als letzten Samstag der European Song Contest 2016 über die Bühne ging, war eines von Anfang an klar. Das wird ein Ereignis, egal wie das Ergebnis auch lauten würde. Der Beitrag aus Deutschland kam im Ergebnis auf den letzten Platz, so haben es Jurys aus „Fachleuten“ und „telefonierende“ Bürger in Europa entschieden. Also die, die da mitgemacht hatten. Und ebenso haben diese Menschen entschieden, wer den größten Zuspruch bekommen hat. Mehr nicht! Aber das Spiel ist damit ja nicht aus. Nun wird gejammert über Modus, über Manipulationen, über die Zukunft und die Vergangenheit. „Wir“ haben verloren … Es ist zu lustig das zu lesen und es gehört zur Veranstaltung dazu. Es ist ebenso Teil des Stücks wie die Veranstaltung, die […]

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Was weiß die Kunst über mich

Personalisierte Musik. Personalisierte Masse? Gibt es das? Foto: Hufner

Vor einiger Zeit lief auf ARTE eine Dossier zum Thema „Daten“ und deren Nutzung, Anwendung, Kritik etc. Im Gesundheitswesen und bei Mario Sixtus‘ Beitrag über Gesichtserkennung – und was die Datensammler über einen wissen. Ja, was sie möglicherweise mehr über einen wissen als man selbst. Dass sie sogar zukünftiges Verhalten ermitteln werden können. In dem Moment kommt dem Begriff des Authentischen eine eigenartige Bedeutung zu. Man ist auf der einen Seite selbst anscheinend weniger authentisch als die Daten, die es über einen gibt. Der Gedanke, sich zu verstellen, um den Daten Fallen zu stellen, scheint aussichtslos. Man bleibt stets weniger als man selbst. Man wird sogar langsam zu der Person, die man sein soll. Das Netz weiß mehr. Es kann […]

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Freischütz: Ästhetische Rechnungsleger schlagen Rat

Die CDU hat ein Personalproblem. Mindestens in Hannover. Dort fühlte sich der kulturpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion herausgefordert, sich zur aktuellen Freischütz-Produktion des Staatstheaters Hannover zu äußern. Er war nicht gerade begeistert. In einer Pressemitteilung äußerte sich Dr. Kiamann (Studienschwerpunkt Rechnungslegung) unter anderem so: „Aber dass das German Trash Theatre nun offenbar mit dem ‚Freischütz‘ auch die Schulen in Hannover erreicht, ist in höchstem Maße befremdlich!“ [Pressemeldung der CDU als PDF] Erreicht sie dann aber eben doch nicht, weil die Aufführung erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Was ihm dann auch auffällt und missfällt. Der staatliche Bildungsauftrag sei nicht erfüllt. In der Tat, schrieb ja schon Protagoras: „Der Lehrplan ist das Maß aller Dinge, der seienden, dass sie sind, der nichtseienden, […]

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Komponieren an deutschen Musikhochschulen

Was macht man eigentlich so im Kompositionsunterricht an einer deutschen Musikhochschule? Mit Kanons auf Spatzen schießen. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Oder aber so? Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren  

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Musikalische Analyse II: Unspielbare Musik

Wenn man denkt, in der sogenannten klassischen Musik gäbe es unspielbare Musik, die so schwer zu spielen ist, dass man Scheitern müsse, der irrt. Neue Musik ist total einfach, zumal es Musiker und Musikerinnen gibt, für die es keine Hürden zu geben scheint. Und wenns mal wirklich zu schwer wird, ist das bekanntermaßen die Intention der Komponistin oder des Komponisten. Aber was eben wirklich nicht geht: Bass spielen und singen zugleich. Der Bassist Jay Leonhart hat das in so wunderbare Verse gekleidet und geradezu bis ins Göttlich-Tiefste ergründet. Als „Beweis“ ist hier ein anderer Bassist anzuführen: Steve Swallow. Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Im Duell Duett mit Carla […]

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Die Kunst der Sequenz – Musikalische Analyse II

Hier sehen wir einen frühen Beitrag zum „neuen Konzeptualismus“: Charlie Chaplin und Buster Keaton mit einer Aufführung von „Generation Thrill“ aus dem Film-Klassiker „Limelight“. Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.dailymotion.com zu laden. Inhalt laden Charlie Chaplin and Buster Keaton (limelight… von Mallu-palace Es geht hierbei um eine Dekonstruktion des Konzerts als Desavouierung des Aktes der Kontemplation. Die beiden Akteure, aus linguistischer Sicht und zur Abgrenzung gegen den sonst missverständlichen Gebrauch, nachfolgende Aktöre (Referent, Signifikanz, Signifikat oder Siggifikant) genannt, betreten die Bühne eines Theaters musikalischer Grausamkeiten. Deutlich zeigen sie, wie scheinbar periphäres Agieren zum Zentrum ihrer eigenen performativen Distanz dissoziieren. Wie wenig ihnen es um die Musik geht, geht aus der Unspielbarmachung ihrer anderen Aktöre (der […]

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Ein ernstes Wort zur Ästhetik der Weihnachtszeit

Shit. Shit. Bullshit. Wie kommt es eigentlich, dass die deutschen Fenster- und Vorgartenbesitzer sich derart in Geschmacklosigkeit zu üben wagen. Also, ich würde ja auch nicht nackt durch die Straßen laufen. Ummantelte Bäume in Hinterhöfen (als Lichtherapie für die geschundene Natur), Fenster-Geblinke ohne Ende. Der reinste Weihnachtspuff. Die Original-Stätten heben sich da schon wohltuend durch rotblinkende Herzen oder Sektflaschen-Neon-Schlangen ab. Es ist wirklich der Gipfel. Ohne Kotztüte kann ich das Haus nicht mehr verlassen. Da gibt es Schadensberichte zum Zustand des deutschen Waldes, aber es wird auch mal Zeit für einen Schadensbericht zum Zustand ästhetischen Empfindens.

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