Die Reize der Regression – Maria O. und ihre (!) Geschlechtsgenossinnen

Crime Scene. Foto: Hufner

Nachdem Frau O. neulich schon die Antisittenpolizei auf den Plan gerufen hatte, hat sie nun in einem Facebookeintrag nachgelegt. Sie äußert sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur „Causa Domingo, Metoo und Freud“. Besonderes Vergnügen empfinde ich an ihrem Punkt 2 aus der Aufzählung von vier „Argumenten“. „Wie viele mehr oder minder mächtige Männer saßen Frauen gegenüber, die ihre Karriere mit Augenaufschlag und Hauchstimmchen, transparenten Blusen und minimalen Röcken beschleunigen wollten? Ein Hoch auf alle Männer, die solche Ladies ignoriert oder rausgeworfen haben. Bis heute ärgern mich Frauen, die nicht um der Liebe willen, sondern allein auf den beruflichen Vorteil bedacht ihre Reize voll eingesetzt und ausgespielt haben. Besonders niederträchtig: sich hinterher über den Chef und seine Stielaugen […]

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Widerspruch: Maria O.s Kommentar zum „Fall“ Placido D.

Behandlung wäre gut. Foto: Hufner

In einem Kommentar zum „Fall“ Placido D. hat sich die Musikjournalistin Maria O. positioniert. Sie wird als Verteidigerin des Sängers angekündigt. Der Text wird von zahlreichen Personen aus dem Musikleben als brillant bezeichnet. Aber er ist im Kern nur eine Meinung und dazu eine, die selbst mit den Mitteln agiert, die sie anderen vorwirft. Sie schreibt da: „Der Fall zeigt, wie erbarmungslos eine schnell urteilende, teilweise moralinsaure Erotikpolizei über einen Menschen herfällt und sein Lebenswerk zerstört.“ Nun wird man beim Begriff einer „moralinsauren Erotikpolizei“ spätestens aufmerksam. Was kann das denn sein, eine Erotikpolizei, welche Befugnisse sind ihr eigen, wer hat sie wie ausgestattet. Welche Bedeutung kann ihr Urteil haben. Der Vorgang ist ja vielmehr, dass eine Presseagentur eine Recherche betrieben […]

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Propaganda heute – Theodor W. Adorno vor 50 Jahren gestorben

Wiesengrund. Foto: Hufner

Heute jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Theodor W. Adorno. Hans-Jürgen Schaal hat sich in der aktuellen nmz mit seinem Konzept einer “informellen Musik” auseinandergesetzt, die er bis in seine Jugend und aus ihr heraus rekonstruiert. Ein paar Sendungen im Rundfunk, die an Adorno erinnern, hat Martin Hufner gesammelt – viel ist es nicht. Da steht allerdings nicht alles drin. Zum Beispiel fehlt Michael Rebhahns “etwas andere Interview”, das man online nachhören kann und das sich eher mit kulinarischen Fragen beschäftigt. Noch mehr vom SWR finden Sie hier. Im Südosten dann: “Wer hat Angst vor Theodor W.?” von Bernhard Neuhoff auf BR-KLASSIK. “Adorno und der Jazz” hat ein kleiner Beitrag bei den Österreichischen Kolleginnen von Ö1 zum Gegenstand. […]

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Sendungen zu Adorno in KW 32 – Übersicht über Weniges

Öffentlich-unredlicher Rundfunk. Foto: Hufner

Sicher bin ich der letzte, der Gedanktagen besonders viel abgewinnen kann. Gedenktage werfen ein Schlaglicht: Plötzlich sind sie da, dann sind sie auch schon wieder weg. Morgen jährt sich der 50. Todestag von Theodor W. Adorno. Es ist zu erwarten, dass wenigstens die Publizistik sich dazu in einigen Artikel äußern wird. Geht an an das Radio oder Fernsehen in Deutschland, ist die Ausbeute erstaunlich mager. Bedenkt man dazu, dass der Name Adorno andererseits in fast jeder Diskussion zu Musik, Ästhetik und Kultur allgemein fällt (entgegnend, ergänzend, zitierend – in jedem Fall sich abarbeitend), bleibt die Wirkung beständig. Aber das war es dann auch. Hier folgen die Radiosendungen, im Fernsehen ließ sich nichts finden. Anders als in Deutschland gibt es in […]

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Vom Elend des Modernen: Das neue Sounddesign auf Bayern 2

Sounddesign ist wichtig. Sounddesign muss sein. Es ist eine exakte Technologie, die zudem ungeheuer kompliziert ist. Im Fersehen und Radio sind Veränderung zwar nicht häufig, aber durchaus durchdringend. So wie eben auch die Sendestationen (vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) dann ihren Stationsnamen ändern, das Logo, die Webadresse. Da ist eine Änderung an Jingles und Stationskennungen fast eine unmerkliche Änderung. Die ist aber ab und zu nötig, sagen diejenigen, die das veranlassen. Jetzt also Bayern 2: Der Jingle vor den Bayern 2-Nachrichten oder zu Beginn einer Sendung, aber auch diverse Jingles für Rubriken wurden modernisiert, sodass sie in der akustischen Tradition von Bayern 2 klingen, aber eben auch moderner. [Quelle] Genau, so wie Schumann in der akustischen Tradition Beethovens steht, nur […]

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Enzyklopädie der Neuen Musik: „Eigene Welten“

Eben noch gelesen und schön verblüfft. Der NDR verkündet im Rahmen seiner Website zur aktuellen Composerin in Residence: „U. C.s tänzerische und hoch anspruchsvolle Musik entführt in ganz eigene Welten.“ Was die Autorin vielleicht sagen wollte: Die Komponistin macht ihr eigenes Ding mit beatloser Tanzmusik, wo man einfach mitmuss und was man vorher nie zu hören bekam, weil es die Welt der Komponistin ist. Es ist ihre Welt oder zumindest irgendeine eigene, jedenfalls keine, die einem selbst gehört. Weil deren Musik aber auch hochansprchsvoll ist, darf diejenige, die sie hört, wenn sie sich entführen lässt, zu Kreis derjenigen zählen, die auch dieses Niveau selbst erreicht. Schafft man es nicht, war für einen der Anspruch wohl zu hoch. Dann muss man […]

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Enzyklopädie der Neuen Musik: „Neues Werk“

Eine Woche Neue Musik in Worten, Werken, Stücken, Arbeiten und Taten. Vom 1.7. bis zum 7.7.2019 werden folgende Werke, Stücke, Arbeiten im Rundfunk erklingen: „Blasons anatomiques du corps féminin“ „Monumentum/Palimpsest“ „Streichquartett“ „Drei Gesänge“ „Moments musicaux III“ „Sechs Lieder“ „Spiegelung“ „Sellanraa“ „Saudade“ „Cembalokonzert“ „Divertimento“ „Zerstören“ „Neues Werk“ „Gougalon“ „Après une lecture der marx: III. Tombeau de Mary-Ann Walkely“ „variations aoutomatiques“ „Schattenreich“ „Gerissene Dämpfe“ „grenzWELTEN/zeitENDEN“ „Jetzt“ „…riflessioni…“ „Sonate“ „Wunde/Wunder“ „Intentiones gallenienses“ „Phasen“ „Rot“ „Rundfunk“ „The Love Letters?“ „altijd onder“ „Ply“ „über“ „Estran“ „Noctiluca“ „Happy End“ „Strada non presa pour quatuor à cordes“ „Six lettres à l’obscurité (und zwei Nachrichten)“. Da kann man sich freuen. Der Eintrag ist Gordon Kampe gewidmet und seinem letzten Cluster „Muss mal müssen“ in der neuen musikzeitung.

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Die Nullte Gewalt

Ein toter Vogel. Foto: Hufner

Heute kann der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas seinen 90. Geburtstag feiern. Den meisten unserer Leserinnen und Lesern dürfte er nicht aufgefallen sein durch eine besondere Affinität zu musikalischen oder auch im weiteren Sinn ästhetischen Fragestellungen. Gleichwohl ist er einer der bedeutendsten Vertreter in Fragen der Analyse von Veränderungen im Gewebe der Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Kommunikation. In seinem Buch “Faktizität und Geltung” hat er kurz einen Faden aufgegriffen, der heute seine volle Wucht entfaltet hat. Er schreibt dort beispielsweise: “Die Personalisierung von Sachfragen, die Vermischung von Information und Unterhaltung, eine episodische Aufbereitung und die Fragmentierung von Zusammenhängen schießen zu einem Syndrom zusammen, das die Entpolitisierung der öffentlichen Kommunikation fördert. Das ist der wahre Kern der Theorie der Kulturindustrie” (Frankfurt 1997 [1992], […]

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Stabile Seitenlage – Politik aktuell aus Parteiensicht

Das Vaterland hat einen Platten. Foto: Hufner

Mit etwas verwegenem Blick kann man die politische Lage in Deutschland etwas plakativ vielleicht so beschreiben. Deutschland befindet sich in einer Art stabiler Seitenlage. Der Patient dürfte an sich nicht ganz ungesund sein, aber es hat ihn umgehaun. Die Parteien reagieren darauf. Die CDU/CSU erklärt die Situation als stabil. Es bleibt nichts zu tun. Man muss nur ab und zu am Patienten etwas rütteln und ihn wenden. Ansonsten: einfach mal den eigenen Kopf um 90 Grad neigen, dann könnte man meinen, der Patient stehe (auf den Füßen oder auf dem Kopf). Die SPD steht daneben. Ihr gefällt nicht, was sie sieht. Aber die einzige Reaktion aus eigener Kraft besteht darin, so laut wie möglich „Wacht auf, Verdammte dieser Erde“ zu […]

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Nulla sell piano

Heute Nacht geträumt, ich habe bei einer Oper als Sängerin einspringen sollen. Ein Stück von Puccini, La Boheme, oder so. Die Sängerin sei kurzfristig ausgefallen und so drückte man mir einen Zettel mit dem Text des Parts in die Hand, den ich doch übernehmen möge. Es sei alles nicht so wild, ich kenne ja die Musik (kenne ich nicht) und den Text kenne ich wohl auch (kenne ich nicht). Ich müsse dann nur noch auf die Bühne (wohin da?) und diese kurze Passage singen. Mit Zettel würde mir das vielleicht noch gerade gelingen, aber eher auch das nicht, ich kenne das alles nur so ungefähr, also eben gar nicht. Ich könnte mich unter einer Decke verkriechen und vielleicht so vom […]

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