Tunnelblick der Gefühle – Hören und Erinnern

Erinnerung. Foto: Hufner

An sich habe ich ja professionell mit Musik zu tun. Das heißt, ich beschäftige mich auf die eine oder andere Art mit ihr. Früher auch durch Selbermusizieren und -komponieren, jetzt mehr theoretisch und eher mit den Rahmenbedingungen. Aber ich bin sehr früh zum Musikerleben gekommen: Geschwister und Eltern haben Musik gemacht, ich war der Kleinste und kam in diese Welt hinein. Bei Familienfesten wurde viel gesungen. Wir hatten auch Schallplatten und man durfte sie auch benutzen, also anhören, ohne den Papa um Erlaubnis zu bitten. Nun gibt es da eine sehr merkwürdige Erscheinung. So wie ich beim Fernsehen, wenn jemand in schwindelerregender Höhe steht, ganz tief in meinem Körper eine Art Zuckung spüre, die mich beklemmt, so kommen bei bestimmten […]

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Wer deckt hier was auf, Mario?

Mit erstaunlichem Erfolg hat das RTL oder SAT1 oder so ein Sender jetzt im Programm, wo beim Namen genannt wird, was es an Steuerverschwendung in Deutschland so gibt. Kein Mensch wird bestreiten, dass dies oft und häufig genug der Fall ist. Die Sendung trägt den Titel „Mario Barth deckt auf“ – und damit beginnt schon leider der Betrug im Namen der Aufklärung. Ist Mario Barth unter die Aufklärer gegangen, die investigativen Journalisten gar? Undenkbar. Die haben gute Drehbuchschreiberinnen! Gute Kameramänner und -frauen, Cutterinnen etc. Und ein paar Figuren, die man vor den Karren setzt. Barth deckt die Dinge zu, die er an die Öffentlichkeit zieht. Im Hintergrund werkelt Präsident Holzapfel des Bundes der Steuerzahler (BdSt), also von uns allen im […]

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Vorbeifahrt / Bayern / Hof / Selb

Reinigung. Foto: Hufner

Hof. Vorbei an einem Hinweis zu einer Tattoo-Convention, bald ein Quality-Hotel rechterhand, dessen „Quality“ eher zu ahnen als zu sehen ist. Eigentlich eher gar nicht, zu schnell geht es daran vorbei. Es wirkt von außen wie ein Meisterwerk aus Grau in Grau – zumal an einem solchen grauen Tag. Dazwischen seriell funktionale Fensterrahmen in dunkel, die den Ernst der Lage nur hervorheben statt ihn zu brechen. Quality bestimmt noch nicht den Grad der Qualität. Erinnert in anderer Weise an das schnieke Hotel in Darmstadt nahe Bahnhof, wo alle zwei Jahre junge Komponisten und Komponistinnen sowie Musiker und Musikerinnen nobel einkehren. Das heißt sich Maritim, lässt aber kaum eine Ahnung an so etwas wie Meer aufkommen. Höchstens Caspar David Friedrichs Betonmeer […]

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Hinhören und weglaufen – die sog. Neusser Marketing-Schule

Die Deutsche Kammerphilharmonie Neuss (dkn) macht was her mit ihrer Klassiklounge. Hinhören und weg sein. Was sich die Werbeleute dabei aber gedacht haben, ist fast nicht mehr nachzuvollziehen. Muss man vielleicht ja auch nicht, da haben einfach ein paar Strategen ein paar Bananen zu viel gegessen, scheint mir. Beitrag von Hinhören. Soll das Bild hier nun schockieren, soll es anzeigen, dass hier die Dinge anders laufen als bei einem normalen Konzert, dass es riskant ist in hohem Maße für die Musiker? Auf den ersten Blick jedenfall wäre es fast unmöglich, diese Situation in Beziehung zu setzen zu irgendeinem musikalischen Ereignis. Ja. Wie? Was: „Hinhören und weg sein“ bekommt da einen sehr merkwürdigen Beigeschmack. In einem weiteren Bild wird immerhin ein […]

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Zeit für ein bisschen Optimismus

Gute Nachrichten für die Musikwelt. Musik heute, „das nachrichtenmagazin für klassik“ vermeldet: „Klassische Konzerte können doppelt so viele Besucher wie bisher gewinnen. Davon ist der Deutsche Orchestertag überzeugt, der am Montag in Berlin zu Ende gegangen ist. Immerhin bezeichneten sich fast 90 Prozent der Bundesbürger als klassikaffin, wenn auch nur ein geringer Teil davon Konzerte besuche.“ [Quelle: Musik heute] Wäre nur nicht dieser Vorbehalt: „können“. 90 Prozent der Bundesbürger bezeichnen sich als klassikaffin? Da ist doch deutlich mehr drin als nur eine Verdopplung. Ich würde mal sagen, eine Verzehnfachung. Und das ist die gute Nachricht. Auch für die Komponisten: Denn die große Anzahl an Menschen braucht immer auch neue klassische Musik. Also mindestens nicht so ein Zeug, das voll mit […]

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Schärfster Unfug – aber gerettet

Schwierig zu sagen, was genau die Musiker des Nationalen Dänischen Kammerorchesters (Danish National Chamber Orchestra) dazu bewogen hat, während des Musizierens eine Chilli-Schote zu verzehren. Jedenfalls war es nicht so einer Art Herausforderung wie Eiswasser über den Kopp zu kippen oder ähnliches; haben ja auch so ein paar Orchester gemacht. Dabei war die Situation des Orchesters in diesem Jahr mehr als prekär. Es sollte Ende des Jahres aufgelöst werden. Also ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Orchester des SWR im Südwesten. Auch dieses Orchester gehört zum Rundfunk, dem Dänischen. Anders aber als in Deutschland, hat die Politik offensichtlich das Orchester retten können. Das jedenfalls hat Norman Lebrecht auf Slipped Disc berichtet. Beitrag von OrchesterRetter.de. Sonst können die aber auch ganz […]

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Publikumsforschung: Traue keiner Statistik, höre auf Dein Herz

Input und Output. Es kommt immer auf die Fragen an und auf die Befragten. So flatterte – musikalisch hochinteressant – eine Information eine Online-Portals herein mit dem Titel: „Thomas Anders von deutschen Fremdgeherinnen als begehrtester Sänger gewählt.“ Keine Ahnung, ob noch alle wissen, wer der Thomas Anders ist; es spielt ja auch nicht so die dolle Rolle. Um die diesen Pokal hat es sich nicht gerissen. Aber ja. Für alles und jeden Geschmack gibt es Online-Portale. Auch für deutsche Fremdgeherinnen. Unklar, wo jetzt so die Betonung genau liegt. Weiter heißt es: „Lebhafte und lüsterne Mitgliederinnen von Victoria Milan – einer Dating-Webseite für verpartnerte Personen, die auf der Suche nach einer Affäre sind – wurden befragt und die Antworten waren deutlich: […]

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Sport für Musikinstrumente – Scheitern als Leben

Privatkopie. Foto: Hufner

Matthias Kaul und Neele Hülcker haben Spaß mit Musikinstrumenten. Drei Studien. Man beachte vor allem den Ort der Inszenierung. Nur auf den ersten Blick mögen die zum Beispiel bereitgestellten Leitern im Hintergrund wie zufällig angeordnet wirken. Das ist aber nicht richtig. Bis in die kleinsten und unscheinbarsten Details hinein wirkt hier ein verdammt ausgeklügelter Plan. Scheitern wird hier beklemmend als gescheitertes Scheitern interpretiert: Ein endloser Kampf gegen das Untergehen, gegen Willkür und gegen kulturelle Wunden aufs Tableau gebracht. „Studie“ und „Übung“ in zweien der drei Titel führt einen auf die falsche hermeneutische Fährte. Es handelt sich dagegen um ausgesetzt, exemplarisch und typische Spiegel: Instrumente, in denen wir unser Leben wiederfinden. Das Ach und das Oh. Kommentarlos erschlossen, Denkmäler der Tonkunst […]

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Emanzipatives Internet oder Auslastung der Demokratie

Musikerin in der Öffentlichkeit. Foto: Hufner

Beim Blick auf das Besondere verliert man aus den Augen, was nebenbei automatisch auch passiert.  Beim Internet und seinen zugehörigen Möglichkeiten, Dinge auf einfache und schnelle Art zu veröffentlichen (im Gegensatz zur Organisation einer Druckmaschine und dem Vertrieb der Erzeugnisse), ist immer der emanzpipative Charakter bei Vertretern der Gegenöffentlichkeit herausgestellt worden. Jeder kann sagen, was er will. Die Hürden sind schon sehr niedrig. Das Internet demokratisiert irgendwie und irgendwo, Das ist toll. Aber die Euphorie ist nur von kurzer Dauer. Nicht nur der Gegenöffentlichkeit steht das Netz offen, auch der Öffentlichkeit der Macht. Auch sie können das Netz nutzen und dies mit der gleichen Emphase tun. Gleichwohl bleibt das Ungleichgewicht der Macht doch bestehen. Umgekehrt, die Macht kann viel leichter […]

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