Juni 24, 2021 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Empirische Kultur- und Sozialforschung – Umfrageinfarkt

Da habe ich neulich an einer Umfrage teilgenommen und im Anschluss dem betreuenden Institut die Frage gestellt, wie man denn mit falschen Angaben umgehen würde. Antwort: „Es ist Standard in der Umfrageforschung, die Antworten auf Konsistenz zu prüfen und inkonsistente Antworten nicht zu berücksichtigen.“ Das ist gut, denn ich hatte zwei Mal an der anonymen Umfrage teilgenommen. Mit mehr oder weniger ausgedachten Zahlen. Ich weiß es nicht mehr welchen. In dem Moment waren sie für mich denkbar, aber in einem Fall sicher keine Wiederspiegelung meiner Finanzlage. Und das habe ich dem Forschungsteam auch gesagt.


Kurz: Ich weise auf die Möglichkeit eine einfachen Manipulation einer Umfrage hin, bekomme zur Antwort, inkonsistente Anworten werden natürlich herausgefiltert. Ich nehme an der Umfrage mit erfundenen Daten teil und informiere die Autoren der Umfrage. Ein bisschen später soll ich den Autoren mitteilen, wo sie meine erfundenen Angaben finden können, damit diese nicht in der Umfrage Berücksichtigung fänden. Finde den Fehler!


Nun werde ich gebeten, ob ich wohl sagen könnte, wann und wo das war, damit man die Datensätze aus dem Pool entfernen könne. Ich weiß jetzt nicht, ob ich darüber weinen oder lachen soll. Auf den Gedanken, dass man bei so einer anonymen Umfrage zugleich falsche und konsistente Eingaben machen könne, sind die da nicht gekommen.

Im Prinzip ging es bei meiner Nachfrage nur darum, dass die Art und Weise, wie vom Auftraggeber der Umfrage um Antworten in den sozialen Netzen angefragt wurde, eine ordentliche Portion Suggestion enthalten war, die dann auch viele Schwurbler angezogen hat (siehe hier den Beitrag dazu von Alexander Strauch im Bad Blog Of Musick).

„Politik und Verbände verstehen einfach nicht, wie tief Corona Dich und sehr viele andere im Musikleben in die Sch*** geritten hat? Dann erzähl uns davon! Und zwar ganz genau, denn nur so können wir eine echte Bestandsaufnahme der Corona-Schäden machen und daraus lernen, wie das Musikleben jetzt und künftig besser abgesichert werden muss.“

Die Sache ist deshalb auch sehr misslich, weil man zahlreiche in der Umfrage erhobenen Daten vollkommen präzise erfassen kann oder könnte. Der Umsatz in einem Betrieb für einen bestimmten Zeitraum ist schließlich nichts, was man sich ausdenkt, ebenso ist angefragte Größe der Einbußen das nicht. In dem Moment aber, wo man sich die Zahlen ausdenken kann, um sie dann einzugeben, ist der Manipulation einer solchen Umfrage ja Tür und Tor geöffnet – vor allem ab dem Zeitpunkt, wo man sich nicht an Teilnehmer*innen wendet, denen man vom Prinzip her vertraut, dass sie halbwegs korrekte Angaben machen würden.

Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Wenn nicht mal mehr empirische Kulturforschung selbst Methodenkritik macht, sondern diese ungerechtfertigt abwiegelt und zugleich diejenigen, die das als Journalisten hinterfragen nicht ernst nimmt, dann ist das an dieser Stelle Kommunikation nicht mehr möglich. Da muss man die Ergebnisse einer solchen Umfrage abwarten – vielleicht gelingt es ja doch noch, vernünftige Ergebnisse zu ermitteln.

 

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