Januar 17, 2021 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Zweierlei Aufreger: Rundfunkbeitrag & CDU | Pilotstudie & Staatstheater München

Eigentlich sollte diese Coronazeit ja weniger Raum für Ärger bieten, weil an sich auch weniger los ist. Dafür scheint der Mist, der dann immer noch passiert, groß genug. Vielleicht sogar größer, weil er sonst unterginge.

Rundfunkbeitrag und CDU

Die Erhöhung des Rundfunkbeitrags steht zur Disposition, jedenfalls in Sachsen-Anhalt, wo die CDU zusammen mit der AfD gegen eine Erhöhung stimmen möchte. Das ist politisch sicher eine Unmöglichkeit sondergleichen. Aber es ist vor allem eine auch medienpolitische Dummheit. Wenn man die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bejahen will und sogar verfassungsrechtlich muss, so sollte man den Ergebnissen der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (kurz: KEF) schlicht folgen, denn zur unabhängigen Untersuchung der Gebührenhöhe ist sie ja da. Bislang gibt es aber keinen einzigen triftigen Einwand, der von der CDU in Sachsen-Anhalt vorgebracht worden ist, diese Erhöhung in Zweifel zu ziehen. Verantwortlich für den Affront war offenbar Innenminister Stahlknecht. Wieso war? Weil der gerade entlassen worden ist aus seinem Amt. Ministerpräsident Haseloff. Stahlknecht hat offensichtlich mit dem Gedanken gespielt, mit einer von der AfD tolerierten Minderheitenregierung bis zur nächsten Wahl zu kommen. Es ist nur noch absurd.

Neue Herrlichkeit. Foto: Hufner
Neue Herrlichkeit. Foto: Hufner

Theater und Infektionsschutz

München. Eine Pilot-Studie der Bayerischen Staatsoper verspricht Aufklärung über die Sicherheit ihres Theaters in Zeiten der Pandemie. Die Ergebnisse liegen vor und sie sind zwiespältig zu interpretieren. Bei empirischen Untersuchungen steht zuerst und zuletzt ja immer die Frage im Raum, was wurde überhaupt gemessen? Wie steht es mit der Validität, der Reliabilität und der Objektivität der Erhebung. Leider macht ein erster Blick wenig Hoffnung, die Kenntnisse über die Sicherheit von Theatern in Sachen Infektionsschutz zu vermehren. Das beginnt schon bei dem Wissen über Struktur der Teilnehmer an dieser Pilotstudie – bei einem Rücklauf von ca. 28 Prozent der Teilnehmenden, was allgemein hoch wäre, aber erstaunlich niedrig bleibt, wo man doch eine extrem hohe Motivation für eine solche Umfrage aus Eigeninteresse erwarten dürfte. Und damit hat man eben das nächste Problem, den Teilnehmenden darf man ein Interesse an bestimmten Bewertungen unterstellen, sind sie schließlich doch die Betroffenen. Dazu bedürfte es weiterer Analysen.

Diese Studie genügt natürlich hinten und vorne nicht wissenschaftlichen Standards, das sollte man nicht vergessen, es ist eine Pilotstudie. Ich erwähne das alles deshalb, weil die “Ergebnisse” dieser Pilotstudie schon gehandelt werden als Grundlage für Entscheidungen. Dazu sollte man sich klar sein, es ist eben nur eine “Pilotstudie”. Was ist denn eine “Pilotstudie” überhaupt?

“Als Pilotstudien werden Studien bezeichnet, für deren Planung zu wenig Information vorliegt, so dass u. a. keine Fallzahlschätzung vorgenommen werden kann. Sie dienen in der Regel dazu, Daten als Planungsgrundlage für eine folgende geplante Studie zu generieren.”

So formuliert es beispielsweise das FORUM ÖSTERREICHISCHER ETHIKKOMMISSIONEN.

Einzelne Beobachtungen der Studie sind dennoch interessant. Lesen Sie den Abschlussbericht als PDF auf den Seiten der Bayerischen Staatsoper.

Unbestritten bleibt dabei, dass dieses Theater alles unternimmt, um die Gefährdung seines Publikums so gering wie möglich zu halten. Und dass die Lüftungstechnik im Saal großartig ist. Die Schwierigkeiten der Studie werden evident, wenn man sie mit der Studie aus Halle (Bendzko-Konzert – restart) vergleicht, die bei einem Popkonzert stattgefunden hat unter deutlich kontrollierteren Bedingungen, bei der beispielsweise die Anzahl der möglichen Besucher*innen auch im Zusammenhang mit der Inzidenzgröße der Umgebung gesehen wird; aber leider in der Hinsicht über die Hypothese, dass man das berücksichtigen müsse, auch noch nichts bekannt ist.


Zuerst erschienen im Newsletter der nmz vom 4.12.2020 (leicht ergänzt und verändert)

Icke selbst

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