November 28, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Kulturverkrampfung im November 2020

Hätte man auch nicht gedacht, dass der November für die Musikkulturbranche zur Zerreißprobe wird, in welche Kategorie man sie sich eingeordnet wünscht. Zur Freizeit soll sie nicht gehören, zur Wirtschaft vielleicht sehr, aber jetzt auch nicht nur, aber zur Freizeit auch ein bisschen. Am besten aber weder zur einen noch zur anderen Sache, sondern ganz für sich. Aber auch nicht alles. Manches dann doch wieder eher relevant, mal fürs System, mal fürs Leben, mal fürs Soziale. Schätze, ist genau der richtige Zeitpunkt darüber Diskussionen zu führen, die man die letzten 20.000 Jahre aufgeschoben hat.

Theater, Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser sind viel mehr als reine Vergnügungsorte.

Deutscher Kulturrat

Jetzt haben wir endlich die Zeit. Vielen Menschen ist langweilig, während andere um Luft ringen und wieder andere ihnen dabei behilflich sein müssen und wieder andere ihre Liebsten nicht mehr besuchen können und ganz andere sich zu massiven “Spaziergängen” in Großstädten treffen.

Dass Kultur und nicht die Wirtschaft den Mensch zum Menschen macht und die Entwicklung der Menschheit vorangebracht hat, verschwindet und verstummt hinter Angst und Verboten.

Protestnote der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

Jede Zeit hat ihre eigene sozialen Zerreißproben zu bestehen und ihre Prioritäten werden explizit reformuliert – und mit welchem Ergebnis, mit welcher Außenwirkung. Ich finde die aktuellen Diskussionen ziemlich unangenehm angesichts der gesundheitlichen Lage. Ich habe auch Schwierigkeiten, Kultur mit Attributen auszustatten. Sie ist für mich nicht etwas, was aufgesetzt wird, sie ist für mich impliziter Bestandteil des sozial-gesellschaftlichen Zusammenlebens. Kultur ist ein Verhalten. Kultur ist Kommunikation. Kunst ist da für mich eine Ausdrucksform, die die eine als existentiell empfindet, der andere als große Sause.

Es könne nicht angehen, dass ein Wirtschaftszweig wie die Veranstaltungsbranche mit einem Umsatz von rund 130 Milliarden Euro im Jahr einfach so untergehe, führt Brönner im Video aus.

Zitiert nach Brawoo.

Wenn die „Kultur“ nicht mehr das Ganze im Blick hat, sondern sich – wie in den Zitaten oben – jeweils aus ihrer Sicht spezifisch und mit Scheuklappen ausgestattet als Sprachrohr aufspielt, wird das im Nachgang einen Duft verströmen lassen, der manchen nicht wohlgefällig sein wird. Es müffelt in „der“ Kultur. Der Kulturschutzpark wird später erneut vermessen.

Was aber ganz sicher fehlt: Der Blick nach vorne. Der Blick, den die Kulturbranche öffnen könnte. Als Rettung eines längst verdorbenen Lebensmittels (Kultur ist ein Lebensmittel – Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident – und SPD 2009) hätte man genau was gewonnen? Nichts.

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