September 28, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Wie Adorno 2020 fast einmal reich und berühmt geworden wäre

wenn er denn mal nicht aufs falsche Pferd gesetzt hätte bei der Auswahl eines Textes für ein Musiktheaterstück. Und das war nämlich so:

Wenn ich mich richtig erinnere, hatte Theodor W. Adorno Anfang der 30er Jahre einmal die Idee, eine Musiktheaterstück zu schreiben. Das eine, von dem es zwei Stücke gibt und ein Libretto, ist ja der „Schatz des Indianer-Joe“. Wahrscheinlich wäre dieses Stück in Gänze aus vielen Gründen, nicht nur musikalischen, gar nicht mehr realisierbar. Ich finde die beiden überlieferten Stücke allerdings absolut entzückend.

Nein, wenn ich mich richtig erinnere, hat er einmal entweder Alban Berg, Walter Benjamin oder Ernst Krenek davon erzählt, er habe sich zuvor überlegt Jean Cocteaus „La Voix Humaine“ als Stoff heranzuziehen. Später hat dann allerdings Francis Poulenc zugeschlagen. Wenn man nun die aktuellen Spielpläne an den deutschen Theatern ansieht, wird man bemerken, das Stück wird an so vielen Orten gegeben. Gerade erst in Lübeck, Bremen kommt, Gera folgt (in gleicher Kombination mit Menottis „Telefon“ wie in Lübeck). Sicher springt der eine oder andere auch noch auf diesen Zug auf.

Adorno hätte den Stoff damals gleich an seiner Quelle vertonen können. So ein Monodram dann, sicher in der Nachfolge von Schönbergs „Erwartung“ oder der „Glücklichen Hand“. Archaische Musik der modernsten Ausprägung im Kontrast aktueller Kommunikationstechnologie, der des Telefons, das Stück Cocteaus ist von 1930.

Hufi am Telefon. Foto: Kurt Hufner
Hufi am Telefon. Foto: Kurt Hufner

Es hätte dies alles werden können. Und in einer reduzierten Fassung für bloß Klavier dabei mit geblasenem Kamm, wäre das heuer der Hammer, solange sich Adorno wengistens an einen 4/4-Takt hätte halten wollen mit bloß nicht zu komplex schwebender rhythmischer Grundierung. Nein, es musste ja was Unlösbares sein, wie der Schatz des Indianer-Joe mit Knabenstimmen und einem Thema höchster politisch-philosophischer Komplexität – Eidbruch, Kindheit, Entfremdung.

Es ist leider eben alles anders gekommen. Die Corona-Krone hält heute das dürftig-duftige Stückchen von Francis Poulenc. So ein Langweiler wie er nicht besser geht – oder besser nicht geht?

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Jetzt wären also die ganzen Tantiemen abzuholen gewesen. Statt Lottogewinn, ein paar Bruchstücke um und aus Tom Sawyer. Zwölftontechnik in Vollendung. Mit Hucks Auftrittslied dann noch etwas Strawinsky/Berg-Tonfall.

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