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Vertrauen und Validität

Wenn der Staat die Systeme infiltriert und zwar auf eine Weise, die von neutraler Seite nicht nachvollziehbar ist, indem er zum Beispiel Spitzel in Organisationen einschleust, indem er zum Beispiel Trojaner auf fremden Computern platziert, indem er den Kommunikationsverkehr belauscht; so ein Staat kann da nicht (mehr) rechtsstaatlich agieren. Er hat die Staatssicherheit in die technischen Systeme gelegt, warum sollte er sie nicht auch in die zwischenmenschlichen Beziehungen ausweiten.

Man könnte es vielleicht zurückdrehen: Nicht das Internet ist kaputt, sondern es sind diejenigen, die es durchherrschen.*

Wenn aber die Informationen aus den Netzen nicht mehr als valide angesehen werden können, weil sie jederzeit manipulierbar sind, verschwindet der Kitt, der die Menschen zusammenhalten kann. Dann ist das Gerücht, der Verdacht größer und ein schwerer Schatten über allen breitet sich aus, Kälte verströmend.

Ich erinnere mich immer wieder an Alexander Kluges Sätze zum Thema Vertrauen in seiner Schrift „Die Kunst, Unterschiede zu machen“:

Der Mensch neigt dazu, Vertrauen zu produzieren. Das ist eine Mitgift, eine Fähigkeit. Lieber irren wir uns, als nicht zu vertrauen. Das ist als Gravitationskraft unter Menschen meßbar. Wo ein Vertrauen sich ausdehnt, können Menschen zaubern.

Man muss gegen seine Neigung angehen, sich selbst verstellen, sich vor sich selbst verstellen und in Schutz nehmen. Oder den Irrtum in Kauf nehmen.


Update 2020:

* Es ist in Teilen aber auch anders: das Misstrauen wird zur Energiequelle der Desinformation selbst. Und selbst diesseits (rechts)staatlichen Handelns. Der Rechtsstaat, der auf solche Menschen zurückgreifen kann, muss selbst gar nicht mehr aktiv werden, sondern kann zusehen, wie er unrechtsstaatlich von innen heraus wird.

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