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Öffentlich-unredlicher Rundfunk. Foto: Hufner

Sendungen zu Adorno in KW 32 – Übersicht über Weniges

Sicher bin ich der letzte, der Gedanktagen besonders viel abgewinnen kann. Gedenktage werfen ein Schlaglicht: Plötzlich sind sie da, dann sind sie auch schon wieder weg. Morgen jährt sich der 50. Todestag von Theodor W. Adorno. Es ist zu erwarten, dass wenigstens die Publizistik sich dazu in einigen Artikel äußern wird. Geht an an das Radio oder Fernsehen in Deutschland, ist die Ausbeute erstaunlich mager. Bedenkt man dazu, dass der Name Adorno andererseits in fast jeder Diskussion zu Musik, Ästhetik und Kultur allgemein fällt (entgegnend, ergänzend, zitierend – in jedem Fall sich abarbeitend), bleibt die Wirkung beständig. Aber das war es dann auch.

Hier folgen die Radiosendungen, im Fernsehen ließ sich nichts finden. Anders als in Deutschland gibt es in Österreich auf Ö1 einen Schwerpunkt zu Adorno. Die Liste täuscht ein bisschen, Wiederholungen sind auch genannt.

Allein Bernhard Neuhoff vom Bayerischen Rundfunk geht in einer knapp einstündigen Sendung auf Adorno ein. Sucht wohl das Gespräch mit manchen und mancher. Horizonte: Wer hat Angst vor Theodor W.? Eine Adorno-Revue am 6.8. ab 22:05 auf BR-KLASSIK. Gespannt sein darf man vielleicht auch auf den Beitrag des Hessischen Rundfunks, der gegen 17:10 auf hr-kultur ein Gespräch mit Gerhard-Schweppenhäuser führen wird.

Lesetipp: Hans-Jürgen Schaal in der nmz „Für eine befreite Musik“ . Und ein Text von mir aus dem Jahr 2003 zum 100. Geburtstag: „Vergessen durch Erinnern„, der Adorno und Hanns Eisler im Zusammenhang denkt.


06.08.2019


09:05 bis 10:00 | Bayern 2
radioWissen: Adorno und der Jazz – Theodor W. Adorno – Kritiker des uniformierten Denkens

Autorin: Daniela Remus. Im Januar 1969 besetzen Studierende das Frankfurter Institut für Sozialforschung und fordern von ihrem intellektuellen Lehrer und Vorbild Theodor W. Adorno, „praktische Konsequenzen“ zu ziehen. Sie wollen, dass der Begründer der kritischen Theorie ihre Proteste gegen Polizei und Staatsapparat unterstützt – aber sie stoßen damit auf strikte Ablehnung: Der Soziologe, Philosoph, Musikkritiker und Komponist, unterstützt das Vorgehen der Studierenden nicht. Der aus dem Exil zurückgekehrte Denker fühlt sich vielmehr bedroht und ruft die Polizei, die das Institut räumt. Fortan schmähen ihn die Studierenden, die in den Jahren zuvor seine Vorlesungen zu Hunderten besucht haben, als „reaktionär“, als „Büttel des autoritären Staates“. Für Adorno eine ausgesprochen schmerzhafte Erfahrung, hatte er doch mit seinen Schriften den Grundstein für ein kritisches Bewusstsein legen wollen das die Strukturen autoritärer Gesellschaften entschlüsselt und enttarnt.

In seinen Hauptwerken, „Dialektik der Aufklärung“, „Minima Moralia“ oder „Negative Dialektik“ rechnet der renommierte Denker der Frankfurter Schule mit der Entwicklung spätkapitalistischer Gesellschaften ab, untersucht die Mechanismen der Massenkultur, die Reduktion des Individuums auf eine Konsumentenrolle und entfaltet, warum sich das rationale Befreiungs-Projekt der Aufklärung selbst zerstört hat.

09:05 bis 09:20 | SR2 KulturRadio
ZeitZeichen: Der Todestag des Philosophen Theodor W. Adorno (6.8.1969)

Von Marko Rösseler. (Übernahme vom WDR)

09:05 bis 09:10 | Deutschlandfunk
Kalenderblatt: Vor 50 Jahren: Der Philosoph Theodor W. Adorno gestorben

16:05 bis 18:00 | hr2-kultur
Kulturcafé: Das Magazin u.a. mit Gerhard Schweppenhäuser zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno (ca. 17:10 Uhr)

Aus der Sicht der Medientheorie darf Theodor W. Adorno als eine der ambivalentesten Figuren des 20. Jahrhunderts gelten. Er begann in sehr jungen Jahren als Musikkritiker in Zeitungen und Zeitschriften. Als Philosoph und Soziologe diskutierte Adorno die industrialisierte Medienproduktion in zahlreichen Essays, Interviews und Vorträgen.

Seine unter dem Titel „Erziehung der Mündigkeit“ konzipierte Pädagogik beispielsweise, die sich sowohl dem „Widerspruch“ als auch dem „Widerstand“ widmet und in den folgenden Jahrzehnten eine immense Wirkung entfaltete, wurde zuerst in einem Radiointerview entwickelt.

Wir sprechen gegen 17:10 Uhr mit Prof. Gerhard Schweppenhäuser vom Institut für Philosophie der Uni Kassel über das was von Adorno heute noch bleibt.

17:45 bis 18:00 | WDR 3
WDR 3 ZeitZeichen: 6. August 1969 – Der Todestag des Philosophen Theodor W. Adorno

Er hatte Heimweh – nach Deutschland und nach der deutschen Sprache. Deshalb war er zurückgekehrt. Bis 1933 hatte Theodor W. Adorno an der Frankfurter Universität als Privatdozent Philosophie gelehrt – dann vertrieben ihn die Nationalsozialisten.

Nach zwei Jahrzehnten in England und den USA kehrt er nun an seine alte Frankfurter Uni zurück. Sein Satz „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ wird zum geflügelten Wort und er zum Vordenker der späteren Studentenbewegung. Dabei war er nie jemand, der auf Barrikaden ging und Steine schmiss. Das wird ihm jetzt zum Vorwurf gemacht: Barbusige Studentinnen sprengen, Blüten werfend, seine Vorlesung. Das von ihm geleitete Institut für Sozialforschung wird von radikalen Studenten besetzt. Ausgerechnet er, der Feind jedes Polizei- und Überwachungsstaates, lässt es polizeilich räumen! Das alles hat ihn aufgerieben – und am Ende vielleicht das Herz gebrochen.  https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/index.html

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: Wer hat Angst vor Theodor W.? Eine Adorno-Revue

Von Bernhard Neuhoff. „Ich hab ihn ja nie leiden mögen“ – Mit diesem knappen Urteil über Theodor W. Adorno hat Arnold Schönberg vielen Musikliebhabern aus der Seele gesprochen. Noch immer löst der Name Adorno emotionale Kontroversen aus. Mit seinem eigenwilligen Stil, seinen komplexen dialektischen Gedankenfiguren macht er es seinen Lesern nicht leicht. Trotzdem hat er eine ganze Generation von Komponisten, Kritikern und Dramaturgen geprägt. Doch sind Strawinskys Partituren wirklich reaktionär? Konnte Sibelius einfach nicht komponieren? Oder ging es Adorno in Wahrheit um Musikpolitik? Ist er an den Irrwegen der Avantgarde schuld? Wollte er seine Frustration auslassen, weil seine Karriere als Komponist fehlschlug? Oder (diese Variante fände Adorno selbst wahrscheinlich am schlimmsten) ist er unversehens zum allseits gewürdigten Klassiker geworden? Im Gespräch mit Adorno-Fans und -Hassern, Komponisten und prägenden Figuren des heutigen Musiklebens geht Bernhard Neuhoff diesen Fragen nach.


09.08.2019


21:05 bis 22:30 | Bayern 2
Hörspiel „Traumprotokolle“ von Theodor W. Adorno

Mit Andreas Dorau und Hitomi Makino. Komposition und Realisation: zeitblom. BR 2016. „Die Traumprotokolle sind authentisch. Ich habe sie jeweils gleich beim Erwachen niedergeschrieben und nur die empfindlichsten sprachlichen Mängel korrigiert“ – so Adorno. Der Zeitraum der ausgewählten Träume umfasst rund 35 Jahre – von Januar 1934 bis April 1969. Es sind knapp gehaltene Zusammenfassungen von Angst- und Alpträumen, libidinösen Träumen, Träumen, die den Autor beim Erwachen laut auflachen lassen „über den vermeintlich genialen Witz“. Sie geben Einblick in die inneren Welten eines Philosophen. „Die radiophone Umsetzung der „Traumprotokolle“ mit dem Sänger Andreas Dorau versucht die Spur der Träume aufzugreifen und auf einer Soundebene umzusetzen: Aufgebaut auf einige wenige Loops und Samples, setzt sich ein akustischer Prozess in Gang“. (zeitblom)

Theodor W. Adorno (1903-1969), Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker, Komponist. 1933 Lehrverbot, 1938 Emigration in die USA. 1947 Veröffentlichung der „Dialektik der Aufklärung“ mit Max Horkheimer, 1949 Rückkehr nach Frankfurt, Leitung des Instituts für Sozialforschung, Wiege der „Frankfurter Schule“. Posthum veröffentlicht u.a. „Traumprotokolle“ (2005).


11.08.2019


08:30 bis 09:00 | SWR 2
SWR2 Wissen: Aula: Zum 50. Todestag Adornos – Philosophie-Titan?

Von Tilman Allert. Generationen von Studenten haben sich an Theodor W. Adorno und seinen Schriften abgearbeitet, sie ließen sich inspirieren von seiner Kapitalismus- und Vernunftkritik, seinen Gedanken über Entzauberung und Entfremdung. Viele haben sich hinreißen lassen von seinem Sprach- und Denkstil, andere wiederum hat das zu scharfen Adorno-Kritikern gemacht. Was ist geblieben von diesem Denker? Wie aktuell ist er heute? Antworten gibt der Soziologe Professor Tilman Allert.

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