Mit Hochdruck verzögern – Hochschule für Musik und Theater München

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Die Hochschule für Musik und Theater München hat heute Stellung bezogen zu den aktuellen Berichten in den Medien in der Angelegenheit Mauser und von Bose. Ohne in der Sache selbst Stellung zu beziehen. Das ist okay. Aber es geht hier auch um etwas ganz anderes.

»Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Compliance-Kultur der HMTM weiter zu verbessern. Daher werden wir die entsprechenden Strukturen und Prozesse der HMTM von einem unabhängigen Dritten auditieren lassen und gebotene Veränderungen konsequent umsetzen. Die entsprechende Persönlichkeit bzw. Institution für ein externes Compliance-Audit wird in Kürze mit einer Überprüfung der hochschulinternen Abläufe und Regelungen zu den Themen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch betraut«, so der HMTM-Präsident weiter.

Vor mittlerweile zwei Jahren hatte man im Zuge der Sachaufklärung eine interne Umfrage gestartet, die bislang aber nicht an die Öffentlichkeit gelangt ist. Aus den Ergebnissen wurde im Spiegel-Artikel zitiert (hier nach Watson.de).

  • Sollen 115 Studenten während ihrer Zeit an der Münchner Musikhochschule „anzügliche Bemerkungen“ gehört haben.
  • Sollen 56 Studenten „anzügliche Gesten“ wahrgenommen haben.
  • Sollen 34 Studenten gemeldet haben, „angegrapscht oder absichtlich berührt“ worden zu sein.
  • Sollen 9 Studenten berichtet haben, dass ihnen Genitalien gezeigt worden seien.
  • Sollen 8 Studenten ausgesagt haben, dass sie zu sexuellen Handlungen gezwungen worden seien.
  • Sollen 7 Studenten Nachteile angedroht bekommen haben.
  • Soll eine Vergewaltigung stattgefunden haben.

Der Präsident der Hochschule, Bernd Redmann sagt, dass die Hochschule seit Frühjahr 2016 „intensiv daran gearbeitet [hat], ihre Organisationsstruktur und -kultur weiterzuentwickeln“. Nachdem also diese Untersuchung seit geraumer Zeit existiert, scheint die Auswertung doch bis heute nicht passiert zu sein. Oder ist nur von wenigen geführt worden. Nachfragen dazu werden ja geblockt. Redmann hat noch 2016 in einem Gespräch mit der nmz bekannt gemacht:

„Es wurde auch die Ermutigung an eventuelle Opfer von Übergriffen ausgesprochen, sich vertraulich bei den Ansprechpartnern und -partnerinnen der Hochschule zu melden. Es gab in den letzten Wochen jedoch keine weiteren Gesprächswünsche.“ [Die nmz im Gespräch mit Präsident Bernd Redmann über Regelungslücken und Richtlinien]

Spätestens hier sollte es doch klingeln. Der Hochschulleitung wird kein Vertrauen entgegengebracht, wenn man diese Äußerung im Zusammenhang mit den geheimen Ergebnissen der Umfrage sieht. Die Hochschule wie ein Dampfkochtopf. In der Hoffnung, dass die Angelegenheit verkocht und nach Außen der Schein gewahrt bleibt.

Ich hatte damals schon gefragt: Kann man dieser Hochschule noch vertrauen? Vertrauen einem ganzen Netzwerk, das diese Institution bis in den Hochschulbeirat durchzieht?

Offenbar nicht! Und so verwundert der Umgang der Hochschulleitung heute so sehr wie früher. Nun also möchte man sich von einem unabhängigen Dritten „auditieren“ lassen. Das ist das Verständnis von Hochdruck, wie man es HMTM wohl zuordnen wird müssen. Man rühmt sich der Transparenz der Vorgänge, weiß aber zugleich nicht einmal, wer diese Entscheidung getroffen hat oder wie sich die Studierendenschaft dazu stellt. Es ist immer noch dieses Gefühl des Von-oben-herab-entscheidens. Man hat nicht das Gefühl, dass die ganze Hochschule mitbetroffen worden ist.

Welcher Wind da weht ist klar schon an der Gegenüberstellung des ersten und des letzten Satzes der Pressemitteilung.

Hochschule sorgt für umfassende Transparenz ./. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts und Datenschutzes kann sich die HMTM auch weiterhin zu laufenden Gerichtsverfahren nicht äußern.

Letzteres verlangt niemand. Es könnte freilich sein, dass jede Äußerung mit den Gerichtsverfahren zu hätte. Das freilich wäre die schlimmste anzunehmende Möglichkeit.