Trendwende Plastik

Prager Fenstersturz.

Das Internet vergisst nichts, es behält auch nichts für sich. Es löscht sich, es publiziert sich. Es entschuldigt sich, es provoziert sich. Es ist wirklich alles andere als valide oder solide oder sonstwas. Informationen werden gefälscht, sie werden gedreht, sie sind unvollständig. Aber dafür gibt es immer viel Anlass, sich trotzdem zu positionieren. Denn keine Position muss gehalten werden. Sie zu ändern ist das eine und ein gewöhnlicher transformatorischer Vorgang des Lebens und des Lernens. Aber das Auslöschen der Vergangenheit ist ein Prozess der Verfälschung. Die „Fakenews“ sind gar nicht mal die aktuellen, sondern die kenntnisreduzierten und die eine Vorgeschichte umsteuernden.

Für die informationelle Unbedeutsamkeit von Facebook beispielsweise spricht, dass Facebook gar nicht exisitiert. So wie dieser Text hier temporärer Buchstabensalat ist. Facebook war gestern. Bei YouTube ist es auch so.

Prager Fenstersturz.

Prager Fenstersturz.

Der Witz ist allerdings, dass diese „stille Post“ gerne sehr laut wird. Aber ein bisschen wie in einer Übezelle. Die ist schallisoliert in einer Reihe weiterer Übezellen. Und so sind die Übezellen aneinandergereiht, in jeder geht es dann schon mal sehr laut zu. Man überbietet sich. Doch es dringt nichts nach außen. Durch Fenster gewinnt man einen Einblick und fragt sich dann: Was machen die denn da mit ihren offenen Mündern und roten Köpfen? Haben sie Luftnot? Warum legen die Menschen nur ihre Stirnen so in Falten. Und warum schaut sich dabei niemand an?

Man weiß es nicht. Aber das Grundrumpeln an sich wirkt beruhigend. Wie ein Kaminklang. Deshalb ist alle Aufregung auch ein bisschen entspannend. So in der Summe gesehen. Weil es so leer bleibt, so temporär, so, als wäre es in seinem Entstehen schon gelöscht.

Was vielleicht bleibt: Die Restfreundlichkeit, die man sich auch gewährt, von der man weiß, dass sie sowohl temporär ist wie von Dauer.


Zuerst erschienen auf Facebook 20.01.2018