Ohne takt1 – Wie persönlich dürfen unpersönliche Mails sein

Heute im Maileingang, die Anfrage, ich möchte doch takt1 – ein Portal zur Verbreitung von E-Musik (Oper & Konzert mit etwas, manchmal krudem Kommentar drumherum – Gutmenschentremolo) bewerten, nämlich, ob ich takt1 weiterempfehlen würde. Die Mail kommt von Niklas.

Es wird mir eine Skala von 1 bis 10 angeboten. Was aber 1 ist und was 10, ist mir nicht klar. Ich orientiere mich an der Farbe und gebe 9, dabei denkend, dass wie in der Schule eine 1 eine besonders gute Note ist und daher denke, das sei eine Bewertung, mit der ich zum Ausdruck bringe, dass ich takt1 nicht empfehlen würde. Jetzt habe ich die Mail per Screenshot vom Handy an einen Arbeitsplatz geschickt, wo ich die Sache hier hochladen kann. Und tatsächlich: Unter der Skala kann man jetzt Schwarz auf Schwarzgrau erkennen, wofür die Ränder der Skale stehen. Sagen wir es mal so, besonders gut lesbar ist das eher nicht.

Screenshot_20171125-103516

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Im Nachgang darf ich weitere Fragen auf der Website beantworten. Man ist nett, auch wenn ich wohl zuerst davon ausgehen wollte, dass die Umfrage anonym ausgewertet werden würde. Die Mail von Niklas sagt dazu nichts. Da war ich wohl zu vertrauenselig.

Denn prompt ist die nächste Mail im Posteingang, dieses Mal von Anselm B. mit folgendem Wortlaut:

„hier ist Anselm von takt1. Ich habe gestern mit Niklas gesprochen und er hat mir erzählt, dass Du uns mit 9 von 10 Punkten bewertet hast.
Danke für Deine Unterstützung! Mit Deinem Feedback machst Du takt1 noch besser.“

Was? Anselm hat gestern mit Niklas gesprochen. Also schon ein Tag, bevor ich die Bewertung vorgenommen hatte. Das nennt man vorausdenkend Gespräche führen. Es kann nur heißen, die wussten zuvor schon, was ich entscheiden werde. Aber wenn sie das sowieso wussten, warum fragen die dann überhaupt. Interessant ist auch dabei, dass sie gesprochen haben wollen. Ich bin mir sicher, Niklas ist ein Bot, Anselm wahrscheinlich aber auch, denn wenn er mit Niklas schon gestern gesprochen haben will, kann er ja nicht aktuell auf meine Daten eingegangen sein. Die persönliche Ansprache aber geht weiter:

„Niklas meinte, dass Du auf takt1 nicht genug Auswahl hättest. Wusstest Du schon, dass … .“

Niklas also meinte etwas. Das hat er aus den anderen Fragen ermittelt. Der Eindruck aber wird erweckt, als ob Niklas und Anselm sich in einem Gespräch miteinander ausgetauscht hätten. Etc. pp.

Mir missfällt es, dass hier der Eindruck erweckt wird, man habe es tatsächlich mit Personen zu tun, die etwas miteinander besprechen und mit mir kommunizieren. Das muss eine naive Vorstellung meinerseits sein. Geschuldet der Tatsache, dass ich takt1 für seriös erachtet hatte. Hinter takt1 stehen übrigens unter anderem Holger Noltze und Benedikt Stampa.

Unterzeichnet ist die Mail mit Anselm B. (Kundenbetreuung). Also doch eine Person? (Nachnamen habe ich deshalb gekürzt.) Oder eine Mischung aus beidem. Ein Bot, der im Namen der Kundenbetreuung aktiv wird.

Gibt es ein Briefgeheimnis auch für Bots?

Daran schließt sich eine rechtliche Frage an. Es gibt ja das Briefgeheimnis. Das gilt auch für Mails. Gilt das eigentlich auch für automatisch erzeugte Mails und/oder Briefe? Kann ein Bot eigentlich in seinen Persönlichkeitsrechten beschnitten werden.

Und ein letztes. Anselm meinte in seiner Mail:

„Da Du takt1 nicht regelmäßig benutzt, brauchst Du kein Abo abschließen. Alle Konzerte und Opern aus dem takt1 Premium-Abo kannst Du für nur 5 Euro kaufen – günstiger als jeder Konzertabend!“

Günstiger als jeder Konzertabend. Da dürfte nicht stimmen. Es gibt Konzertabende, die durchaus günstiger sind als fünf Euro. Ein Hauch von unlauterer Werbung ist das dann schon, oder?


 

huflaikhan

Immer auf der Suche nach Unstimmigkeiten im Musikbetrieb.

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