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Auf dem Dach des Zitats. Foto: Hufner

Über das Studium ernst zu nehmender Musik (E-Musik) von Männern

Der Komponist Mark-Anthony Turnage ist ernst zu nehmen. Doch, jetzt, echt. Man kann es dunkelgrau auf hellgrau lesen, ganz offiziell:

„Mark-Anthony Turnage ist zweifellos ein ernst zu nehmender Komponist unserer Zeit.“ (Quelle: Website der Berliner Philharmoniker)

Zweifellos. Denn der Mann hat Humor wie auch der/die Autor/in des launigen Textes zu einem Konzert am 23. Juni 2017.

„Die Vorstellung, dass sich Fans seiner Musik mit Schusswaffen eindecken müssen, wäre ihm indes sicher fremd …“ (Quelle: Website der Berliner Philharmoniker)

Gut zu wissen, da kann ich meine üblicherweise zu Konzerten mitgenommenen Verteidigungswaffen zu Hause lassen. Das entspannt den Konzertbesuch ungemein.

Man muss aber ehrlicherweise dem/r Autor/in zugute halten, dass ein Textausschnitt gefährliche Schnitte machen kann. Unmittelbar zuvor wird der Widmungsträger (ein gewisser Louis Ehlert) des davor erwähnten Werks nämlich so, sich zur damaligen zeitgenössischen Musik äußernd, zitiert:

»Die Männer, welche uns in der Musik gegenwärtig am meisten interessieren, sind so furchtbar ernst. Wir müssen sie studieren, und, nachdem wir sie studiert haben, einen Revolver kaufen, um unsere Meinung über sie zu verteidigen.« (Quelle: Website der Berliner Philharmoniker)

Das ist sicher eine Pointe. Aber doch mehr eher nicht. Es ist auch noch leider eine eher schlechte Pointe. So kann dann auch die Fortsetzung nicht so recht gelingen. Turnage, ein ernster Komponist und ein Mann. Denn auch das ist Turnage zweifellos: ein Mann der „uns“ interessieren muss.

All das ein typisches Beispiel dafür, dass es gefährlich sein kann, übergreifende Beziehungen zwischen Werken herzustellen, wenn man doch nur ein spezielles Informationsinteresse hat. Und wenn man geradezu krampfhaft versucht, Beziehungen zwischen verschiedenen Werken herzustellen.

Auf dem Dach des Zitats. Foto: Hufner
Auf dem Dach des Zitats. Foto: Hufner

Man muss allerdings vor derartigen Überleitungen warnen. In diesem Fall sind sie Heiterkeit erzeugend, aber doch irgendwie eher gewollt und im Zweifel missverständlich. Am Ende wird zitiert, was das Zeug hält. Und dann kommt eben so etwas heraus.

Schauen wir mal: Vielleicht wird der Autor dieser Zeilen am Ende doch seine Kritik des Konzertes mit einem gekauften Revolver verteidigen müssen. Dann nähme ich natürlich alles zurück.