Poröser Journalismus und die Vielfalt des Wirklichen

Was eigentlich ist das? Seriöser Journalismus? Der wird immer gerne gefordert, ist vielleicht schon da. Was macht Journalismus seriös?

Die Antwort ist nicht bekannt. Journalismus ist eigentlich nie seriös, denn er ist ja Journalismus. Gibt es etwa so etwas wie seriösen Betrug. Seriöse Betrüger und unseriöser Betrüger im Kampf um seriöse und weniger seriöse und sogar unseriöse Betrogene.

Ich plädiere für den Begriff des porösen Journalismus.

Porös ist er für den Fall, dass er sowieso nicht vorgibt, der Wahrheit letzter Schluss zu sein. Das ist zweifellos musikalisch zu denken. Nehmen wir mal an, es gibt so etwas wie einen fixierten Notentext und somit so etwas wie ein Faktum. Damit hat man ja doch aus zweierlei Gründen nichts gewonnen.

Konzert oder Text. Partiturausschnitt Anton Webern.

Konzert oder Text. Partiturausschnitt Anton Webern.

Einmal deshalb, weil in den Noten selbst trotzdem nie alles notiert ist. Noten sind da so etwas wie Skizzen. Und so ist es mit angeblichen Fakten eben auch.

Und auf der anderen Seite müssen dann die Noten zudem interpretiert werden. Nun mag es daher Laien erstaunen, dass aus den selben Noten doch immer wieder neue Interpretationen entstehen. Die Interpretationen gleichen sich nie, selbst bei den gleichen Interpreten. Sie spielen das gleiche Stück ja doch immer wieder anders. Sie passen es an. Zum Beispiel an den Verbreitungsweg, an die bestimmte Aufführungssituation. An akustische Gegebenheiten. Das Werk ist eine Illusion sowie Fakten zwar fixiert sein mögen, deren Interpretation aber doch genau so von verschiedenen Dingen abhängen. Das sieht man sofort an den verschiedenen Aufnahmeweisen von Konzerten oder Opern. Niemand steigt nicht in den gleichen Fluss. Die Dinge ändern sich mit Ort und Zeit, mit vollem oder leerem Magen, mit dem Wetter meinethalben auch.

Das heißt nicht zugleich, dass damit jegliche Interpretation das gleiche Gewicht hat. Denn mit der Wahrnehmung von Dingen wird die Wahrnehmung der Wahrnehmung zusätzlich zum Kriterium. Auf bestimmterer und zugleich abstrakterer Ebene lassen sich die Dinge schon begreifen und damit die Zulässigkeit der Kritik einengen.

Porös darf die Kritik sein, sollte es womöglich sogar sein. Durchlässig gegen sich selbst und ihren Gegenstand. Aber mit „Seriosität“ kommt man eher nicht weiter. Außer bei Beethoven.

huflaikhan

Immer auf der Suche nach Unstimmigkeiten im Musikbetrieb.

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