Intelligenter Schulranzen erfunden [Jugend forscht 2005]

Ein Blick zurück in das Jahr 2005 ist ganz erstaunlich. Damals gab es noch die Rubrik „Forum Pisa“ im Deutschlandfunk. Man hat sich über die Entwicklungen im Bereich der schulischen Bildung jeden Freitag vormittag befasst. Schuld daran war der sogenannte PISA-Schock, der dem deutschen Schulsystem ein gewisses Versagen bescheinigt hatte. Es bestand Handlungsbedarf, so fühlte man es und überschlug sich in aktionistischem Getue. Zumindest hatte man den Schock so empfunden. In Wirklichkeit änderte sich in der Folge tatsächlich sehr viel. Schul- und Hochschulreformen wurden angeleiert. Inbesondere die Mintfächer wurden protegiert, die musischen Fächer versuchten, sich gesellschaftlich zu legitimieren mit Slogans wie „Musik macht klug“ und der Betonung von sogenannten Sekundärtugenden. So dass sich sogar Hans Günther Bastian dazu gezwungen sah, sich gegen seine Liebhaber zu verteidigen. 01)Mittlerweile muss der Autor „Bastian gegen seine Liebhaber verteidigen“, und warnen vor einem einseitigen Missbrauch der Ergebnisse, Musik als Allheilmittel zum Pushen von IQs, für soziale Therapien oder gegen Fußpilz einzusetzen. Vereinfachungen in Schlagzeilen schaden eher als dass sie nutzen. Gleichermaßen könnte man auch mit empirischen Nachweisen und historischen Verweisen argumentieren: „Musik macht dumm – Musik macht aggressiv – Musik lässt Menschen blindlings marschieren – Musik…“ Denn, so ein Sprichwort in der Ukraine: „Wenn die Musik erklingt, ist der Verstand in der Trompete.“ In: nmz 2001/04. Doch das nur am Rande.

Damals brachte man eine Meldung von „Jugend forscht“:

Intelligenter Schulranzen erfunden

Drei Jungs aus Stuttgart haben den „intelligenten Schulranzen“ erfunden. Die fehlende Brotdose oder das vergessene Mathematikheft melden sich selbst, wenn sie nicht in den Ranzen gepackt wurden. Dazu müssen ihnen aber so genannte „smart labels“ anhaften, Chips in Kreditkartengröße, die über eine Antenne im Ranzen Signal gebend ins Blinken geraten, wenn die Gefahr des Vergessens in Verzug ist. Ob es die 16-Jährigen Tüftler damit zum bundesweiten „Jugend-forscht-Wettbewerb“ Ende Mai in Dortmund schaffen, ist noch nicht klar – aber die Idee ist gut. Quelle: Deutschlandfunk – Forum Pisa – PISA-Informationen

Die Tasche der Kritischen Masse. Foto: Hufner

Die Tasche der Kritischen Masse. Foto: Hufner

Das war 2005! Heute, in einer Zeit, wo man vom Internet der Dinge spricht, von der Vernetzung von Dingen mit Dingen, die dann heute eben auch noch autonom tätig werden, mutet diese Idee geradezu futuristisch an. Man könnte sich gerade fragen, was ist eigentlich aus dem Forschertrio geworden. Theoretisch könnten sie ihr Studium schon beendet haben. Theoretisch könnten sie jetzt schon an der Schaltstellen des smarten Haushalts stehen. Was wurde daraus?

Fussnote(n)   [ + ]

01. Mittlerweile muss der Autor „Bastian gegen seine Liebhaber verteidigen“, und warnen vor einem einseitigen Missbrauch der Ergebnisse, Musik als Allheilmittel zum Pushen von IQs, für soziale Therapien oder gegen Fußpilz einzusetzen. Vereinfachungen in Schlagzeilen schaden eher als dass sie nutzen. Gleichermaßen könnte man auch mit empirischen Nachweisen und historischen Verweisen argumentieren: „Musik macht dumm – Musik macht aggressiv – Musik lässt Menschen blindlings marschieren – Musik…“ Denn, so ein Sprichwort in der Ukraine: „Wenn die Musik erklingt, ist der Verstand in der Trompete.“ In: nmz 2001/04.

huflaikhan

Immer auf der Suche nach Unstimmigkeiten im Musikbetrieb.

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