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Gymnastik. Foto: Hufner

Postfaktisch?

Kein Wort wird gegenwärtig wahrscheinlich so gerne und umfassend genutzt wie die Rede vom postfaktischen Zeitalter. Dabei ergibt es keinen Sinn. Gemeint sei, laut Wikipedia,

„Der Begriff postfaktische Politik bezeichnet ein politisches Denken und Handeln, bei dem evidenzbasierte Fakten nicht mehr im Mittelpunkt stehen.“ [Wikipedia]

Was man aber wirklich meint, ist, das gelogen wird auf Biegen und Brechen. Weil man die Daten anders liest und versteht. Das passiert in der Politik und in der Wissenschaft aber fast immer und überall. Es wäre falsch anzunehmen, dass es überhaupt „Fakten“ gäbe. Vielleicht gibt es Ereignisse, nämlich all das, was sich ereignet. Aber das wären wirklich eben nur Fakten, die schlechterdings vollkommen sinnlos sind, sofern sie eben nicht auch etwas bedeuten. Sobald sie aber auch etwas bedeuten, sind es keine Fakten.

Gymnastik. Foto: Hufner
Gymnastik. Foto: Hufner

Nehmen wir das Faktum, dass angeblich die Wahl zum Präsidenten der USA im Prinzip entschieden gewesen sei, bevor sie erfolgt ist. Hat man sich da nicht auf mehr oder weniger evidenzbasierte Fakten berufen? Und zeigt es nicht, dass diese Fakten in Wirklichkeit eben nicht einmal Fakten waren – bzw. sinnlos. Die gesamte Wirtschaftswissenschaft arbeitet mit derartigen Prinzipien. Die Fakten waren also keine, bzw. sind widerlegt worden bzw. erwiesen sich als falsch.

Die andere Sache: Es gibt Dinge, die man wissen kann, die aber durch kein Faktum belegbar sind. Weil sie meinetwegen aus der Intuition stammen oder aus einer oder mehreren Erfahrungen. Soll man all dieses Wissen nur deshalb ignorieren, weil es nicht zu einem Faktum werden kann. Zu einem Faktum, siehe oben, das evident aber trotzdem falsch sein kann?

Nein. ich würde sagen, dass ganze Denken beispielsweise von Wittgenstein hat genau das zum Thema gehabt. Man müsste es nur nachlesen.