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Der Deutsche Sachbuchmarkt. Foto: Hufner

Buchmarkt mit Charme

Well, so is it, wenn man mal wieder in einer Drogerie gelandet ist, man schlägt hart auf. Ja, in einer Drogerie, nicht in einem Schreibwarengeschäft, nicht in einer Buchhandlung, obwohl es dort ganz sicher die nämlichen Regale gibt – eher Egale. Das Egal Sachbuch ist ja nicht unbedingt sofort erkennbar gewesen. Aber der Zusammenhang mit Drogerie war nicht mehr wegzudenken. Man war schließlich ganz in der Nähe zu Toilettenartikeln, Klopapier – trocken und feucht – in Familienpackungen, kleineren für das Heckfenster im Hakle Häkelbereich.

Platz 4 – Darm mit Charme

Sachbuch Platz 4. Foto: MH
Sachbuch Platz 4. Foto: MH

Gut plaziert, muss man sagen. Mittlerweile dürfte die Autorin auch schon in den 40er Jahren sein, so fühlt sich die Präsenz des Buches jedenfalls an. Und man hat ja auch gelernt, der Darm ist so etwas wie das Gehirn, nur mit weniger Demenztendenz. Erinnert mich jetzt doch gleich an die Ecoli-Verunreinigung in Gießen, der Universitätsstadt schlechthin und -erdings. Man trifft sich auf Augenhöhe.

Willkommen Buchmarkt in der (b)analen Phase.

Platz 8 – Ich bleib so scheiße wie ich bin

Beschämt schaut man tiefer weiter. Sachbuch, ganz ohne legale Steuertricks oder „wie mache ich mein Auto abgasrein?“ Auf Platz Nummer 8, dem gekippten Zeichen für die Unendlichkeit:

Sachbuch Platz 8. Foto: MH
Sachbuch Platz 8. Foto: MH

Die Klolektüre im Vollendung. „Lockerlassen“ (des Musculus sphincter ani internus und Musculus sphincter ani externus) – der Analratgeber wie er im Regal steht. Der Titel selbst ist genauso Scheiße wie sein will. War Piper nicht mal ein wirklich halbwegs ernst zu nehmender Verlag gewesen. Haben da nicht Brendel und Harnoncourt publiziert und der unsägliche schweizer Dirigent Ernest Ansermet. Heute ist der Verlag nur noch zum Pipen. Da wundert man sich immer weniger, dass die Autoren von der Klopier-Abgabe nix abgeben wollen oder zumindest müssen oder müssten. Man traut sich jedenfalls nicht, bei so einem Titel zuzugreifen. Echt jetzt nicht. Und das bringt uns zu einem erhobenen Haupt zurück, zu

Platz 2 – Einen *** Scheiß muss ich

Denn die Hoffnung stirbt zu …

Sachbuch Platz 2. Foto: MH
Sachbuch Platz 2. Foto: MH

ach, vergessen Sie’s. Fischer Taschenbuch. (Ich sage nur: Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno – bei Fischer! – Kulturindustrie will gelernt sein.)  Wie man sieht: angegrabbelt, angeschlagen, bääh. Feuchte Tücher sind in Reichweite. Nehmen wir den Titel beim Wort: Einen Scheiß muss ich, also nicht mal dieses Buch kaufen. Funktioniert trotzdem, antinomische Werbung geht immer und, wie man hier sieht, nicht einmal in die Hose.

Muss der Autor jetzt eigentlich großes Geschäft. Muss er! Macht er jedenfalls. Den Buch-Fischern geht mal wieder das Publikum ins Netz.

Funfact

Es handelt sich um Zweierpotenzen. 21, 22 und 23 bei den Platzierungen: Alles potenzierter Scheiß.