Leserbrief-Desaster von Michael Krüger

Der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Michael Krüger, ehemals Hanser-Verlagsverleger, hat es sich auch nicht nehmen lassen, in der Sache Mauser bei der Süddeutschen Zeitung zu leserbriefen. Auf Nachfrage bei der SZ ausdrücklich als Akademie-Präsident übrigens. In seinem Leserbrief nimmt er Mauser ausdrücklich vor dem Richter in Schutz, der das Urteil des Schöffengerichts verkündete. Zur Erinnerung, es ging um sexuelle Belästigung in seiner Zeit als Rektor des Hochschule für Musik und Theater in München.

Krüger sieht aber:

„Dass eine Kollegin von Siegfried Mauser, die all die Zeit seither keinen Mucks gegenüber dem Verurteilten hat verlauten lassen, nach sechs Jahren die Zeit für gekommen hält, Anzeige zu erstatten, lässt auf einen Racheakt schließen oder auf ein Komplott.“

Oder darauf, dass die Vorwürfe vielleicht richtig sind? Das schließt Krüger kategorisch aus. Kommt nicht in Frage. Zeit als Faktor für Rache- und Komplottgelüste? Krügers Merksatz: Straftaten darf man nur zeitnah anzeigen, sonst sind sie als Racheakt oder Komplott aufzufassen. Der Rektor muss unschuldig sein, weil:

„Siegfried Mauser ist sich keiner Schuld bewusst, es steht also Aussage gegen Aussage.“

So einfach ist das. Und wenn man zwischen den Buchstaben liest, nicht einmal höflich gegenüber dem, den Krüger da in Schutz nehmen will. Denn dass manche Menschen sich keiner Schuld bewusst sind heißt ja nicht, dass sie nicht doch auch schuldig sind. Sie sind sicher dieser nur nicht bewusst. Dass nicht Aussage gegen Aussage steht, ist an anderer Stelle ja auch schon mehrfach betont worden. Es gab schließlich Zeugen. Aber mit solchen Nebensächlichkeiten muss sich ein Akademiepräsident ja nicht beschäftigen. Das Urteil sei

„eine Blamage für die Justiz“

schreibt Krüger. Wir können zugeben, dass wir die Vorgänge nicht kennen. Ein erstes Gerichtsurteil befand den Rektor schuldig, vielleicht ein anderes Gericht dann nicht. Das wird man sehen. Aber Krüger weiß es besser.

Frage: Ist jemand, der sich so äußert, wider bessere Kenntnis wirklich tragbar als Präsident einer Bayerischen Akademie der Schönen Künste? Kann er in dieser Funktion sich einmischen und für die Mitglieder sprechen? Was halten die Mitglieder dieser Akademie eigentlich von diesem wirren Text?