Danke, dass Du Dich um uns sorgst, liebe Musikindustrie

Drama Baby, Drama. Foto: Hufner

Dass ich das noch einmal in meinem Leben erleben würde? Die Musikindustrie sorgt sich um das Wohl der Verbraucher! Ja, da ist jetzt keine Ironie bei. Das ist die nackte, reine Wahrheit.

Heute hat sich ja was in Sachen Störerhaftung für private WLANs getan. Im Detail wird man das bei manchem klugen Juristen besser nachlesen können. Muss ich nicht jetzt referieren. Thomas Stadler scheint mit seiner vorsichtigen Einschätzung aber präziser den Sachverhalt und vor allem seine Folgen darzustellen als Dutzende Titelzeilen der Gazetten links und rechts des Breitbandkabels.

Zurück zur Sache. Die Musikindustrie sieht jetzt jedenfalls auch alle Felle fortschwimmen und das Unheil nimmt seinen Lauf. Der zweite Untergang der Urheberinnen und ihrer Verwerterinnen steht vor der Tür. Na gut, die Musikindustrie sieht Risiken und keinen Untergang. So viel zur Wahrheitsfindung. Und damit das nicht zu locker genommen wird, warnt die Musikindustrie die Verbraucher vor den Risiken bei der Nutzung offener Netze wie Datendiebstahl und manipulierten Routern.

Hey, das ist eigentlich sogar eine gute Idee! Wer sich über mein WLAN einwählt, muss erst mal mein Blog besuchen und zwar mindestens für 5 Minuten oder zwei Artikel lesen, mich liken und so weiter.

BVMI (Bundesverband Musikindustrie) zur Aufhebung der Störerhaftung: „Entscheidung bedeutet ein Risiko für Kreative und ihre Partner, aber auch für die Nutzer

Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI: (…) „Viele Nutzer werden sich künftig nicht mehr damit beschäftigen, über welchen Hotspot sie gerade im Netz sind. Ein potentieller Angreifer kann sich hier ohne weiteres mit einem eigenen Hotspot unter vermeintlich vertrauenswürdigem Namen wie beispielsweise  Vodafone Hotspot unter die Anbieter mischen. Anschließend kann er den gesamten Datenverkehr, der über seinen Router läuft, auslesen und aufzeichnen,  einschließlich Login-Informationen und Kreditkartendaten. Auch könnte der Nutzer über einen manipulierten Router (Fake DNS) automatisch zu gefälschten Seiten umgeleitet werden.“ (Hier nachzulesen – vor allem die drei Auslassungspunkte.)

In welcher Welt leben die denn! „Vodafone Hotspot“ als vertrauenwürdig anzusehen ist doch völlig absurd. Liebe Musikindustrie, bei uns um die Ecke gibt es auch ein total vertrauenswürdiges Wlan mit dem Namen „Führerbunker“. Allerdings noch nicht offen … Ich hatte auch mal ein WLAN hier mit dem Namen „YouPorn-Hauptserver“ – aber leider, kein Versuch auch nur, da rein zu wollen und zu kommen. Aktuell heißt er „Sometimes it snows in april“ – was aber auch nicht so recht die Bienen anlockt. Wer klärt eigentlich beim Betrug via Email auf?  Ich finde, man sollte auch Email ächten, aber echt, jezze.

Und @eindruecke fragt über Twitter bierbitterernst:

Und wissen möchte ich gar nicht, welches Gejammer demnächst in den entprechenden Facebook-Gruppen zu „Urheberrecht und Internet“ abgehen wird. Alles muss heute eskalieren, sonst existiert es nicht. Leute!! LEUTE!! Und jetzt noch in den Tagesthemen dazu ein eigenartiges Stück.

Ohne Drohkulisse auf der einen wie einer wie unter Drogen entstandenen Euphorie auf der anderen Seite geht es heute wohl nicht mehr.