November 24, 2020 Hallo! Hier spricht das Subjekt!

Desolate Situation der selbständigen Kreativen

Gerade eben sorgte noch die große Jazzstudie für Aufregung, in der sich zeigte, in welchen Einkommensverhältnissen die Musikerinnen so leben. Dabei gehts denen noch knusper! Also im Verhältnis. Schon letztes Jahr kam eine große Musikwirtschaftsstudie heraus, die zu noch übleren Ergebnissen gekommen ist.

Hier die entsprechende Tabelle aus der Studie, die man übrigens, sehr lesenswert, hier als PDF herunterladen kann.

Versicherte in der Künstlersozialkasse im Bereich Musik Ende 2014
Versicherte in der Künstlersozialkasse im Bereich Musik Ende 2014
  1. Nur etwas mehr als 10% aller Komponistinnen sind weiblich. Erschreckend wenig, das Jahreseinkommen beträgt insgesamt durchschnittlich 17.520 Euro, bei den Frauen nur 11.777 Euro.
  2. Bei den Textdichterinnen ist das Einkommensgefälle noch eklatanter: 23.199 zu 10.846 Euro.
  3. Einkommensdifferenzen gibt es überall bei den genannten Gruppen.
  4. Bei den Künstlern verdienen Interpreten in Rock/Pop/Jazz-Musik immerhin noch durchschnittlich 1.000 Euro im Jahr mehr als Dirigenten / Interpreten Klassischer Musik und die noch mal 1.000 Euro mehr als DJs. Dabei ist das Geschlechterverhälnis wenigstens bei den „Klassikern“ halbwegs ausgewogen, im Pop/Jazz/Rockbereich ist es ca. 80 zu 20 Prozent. Bei den DJs etwa 94 zu 6 Prozent.
  5. Laut Jazzstudie 2016 kommen Jazzerinnen auf durchschnittlich 12.500 Euro im Jahr. Die wären sozusagen noch die, die am besten dastehen.

Auch wenn diese Angaben natürlich nur darauf beruhen, was die Versicherten selbst angegeben haben, bleibt es dabei. Das ist insgesamt wenig. Dass im Klassikbereich nun noch weniger als im Jazz verdienbar ist – die Stars sind in aller Regel nicht in der Künstlersozialkasse vertreten, ebenso nicht diejenigen, die sonstwie im öffentlichen Dienst stehen oder anderweitig angestellt sind – ist ein trauriges Faktum. Nicht, dass man es den Jazzerinnen nicht gönnen wollte.

Die Jazzerinnen sind nur durchweg fast komplett erfasst, wohingegen die „Klassikerinnen“ häufiger die Möglichkeit haben, auch einen dauerhaften Job anzunehmen. Das Lumpenproletariat der Musik zieht sich also durch die ganze Szene der Kreativen. Die Verwertungsgesellschaften können das leider im Bereich Urheberinnen auch nicht auskorrigieren. Für 2002 hatte ich das mal durchgerechnet:

Im Geschäftsbericht sind daher die Auszahlungen auch differenziert nach den Mitgliedsgruppen. Aufs Jahr heruntergerechnet erhält durchschnittlich jedes(r):

  • ordentliche Mitglied: 65.538 Euro,
  • außerordentliche Mitglied: 4.233 Euro,
  • angeschlossene Mitglied: 1.589 Euro,
  • Rechtsnachfolger: 7.735 Euro (wobei hierbei der Geschäftsbericht nicht ganz klar ist, weil auch Rechtsnachfolger ordentliche, außerordentliche oder angeschlossene Mitglieder sein können).

Die GEMA-Verwertungsrechte könnten also etwa bei ca. 10% des Jahreneinkommens liegen. Besser als nix, die meisten sagen, was ich gehört habe, es reiche für einen kleinen Urlaub immerhin. Aber die Verteilung ist nicht wirklich im herkömmlichen Sinn ungerecht. So wenig wie bei Spotify. Was geht, bringts. Speziell bei der GVL soll sich aber einiges in ein sehr unschöne Richtung entwickelt haben. Neue Rechnungsmethoden, andere nötiges Anpassungen von Gesetzes wegen lassen bestimmte Künstlergruppen noch tiefer sinken. So zeigte sich der wirklich viel spielende und großartige Pianist Sebastian Berweck emotional erschüttert (hier bei Facebook).

GVL - Berweck
Facebook-Eintrag

Konsequenzen? Keine oder Geschlechtsumwandlung als erste Hilfe. Nicht so zynisch sein, vielleicht.